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Die Wahrheit des Wortes

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Nächste Runde im Spielchen um Opel

27. November 2009

Es mag zynisch klingen, wenn man im Kontext von Opel und den ganzen Arbeitsplätzen von Spielchen spricht aber etwas anderes als Zynismus kann einem an dieser Stelle auch kaum noch einfallen. Es scheint sich doch immer mehr heraus zu kristallisieren, dass es hier nur um die Frage geht, wann und für wen der Hammer fällt. Gerade im Kontext des Werkes in Bochum scheint dies allerdings schon lange keine rein wirtschaftliche Frage mehr zu sein, sondern auch immer mehr eine politische. Denn schließlich sind im Frühjahr 2010 in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen und de Landesvater Jürgen Rüttgers (CDU) möchte sein Amt fortsetzen. Kurz vorher noch eine Werksschließung zu verkraften oder auch nur einen massiven Stellenabbau hinzunehmen, passt wohl kaum in sein Konzept. Das sich wichtige Entscheidung bei Opel bzw. General Motors (GM) schon einmal gerne auf Termine nach Wahlen verschieben, dürfte seit der letzten vermeintlichen Rettungsaktion durch Magna jeder begriffen haben.

Die Rolle der Medien im Fall Opel
In dieser Woche kursierten Zahlen von einem bundesweiten Stellenabbau bei Opel von 5.300 Arbeitsplätzen, wobei es sich hierbei, wie bei fast allen vermeintlichen Fakten in diesem Kontext, erst einmal um unbestätigte Zahlen handelte. An genau dieser Stelle wird nun die Rolle der Medien in diesem Fall deutlich. Immer wieder verbreiten die Medien News die vor allem dafür sorgen, dass die Stimmung nicht gänzlich kippt. Es scheint so, als würde hier ein gewisses System hinter stecken, was natürlich die Wirtschaft stützt und schützt. Obwohl schon vor den Bundestagswahlen feststand, dass bei Opel bei weitem noch nicht alles in trockenen Tüchern war, war die allgemeine Nachrichtenlage doch so aufgebaut, dass man denken musste es sei alles gerettet. Dann plötzlich die Überraschung, der geplatzte Magna-Deal und die Medien taten so, als hätte nie jemand auch nur im Ansatz in eine Richtung berichtet, bei der man hätte glauben können Opel sei gerettet. Immerhin wird auch diese Art des Journalismus ihren Beitrag dazu geleistet haben, dass sich die Menschen wieder für Angela Merkel (CDU) als Bundeskanzlerin ausgesprochen haben.

Man sieht hier sehr schön, wie eng die Wirtschaft mit der Politik verknüpft ist und wie massiv diese Verbindung scheinbar durch die Medien gefördert wird. Wer nun aber an eine geschlossene Front gegen dieses Bündnis glaubt, wird enttäuscht. Da es natürlich kein rein deutsches Problem ist, sondern ein Problem von dem halb Europa betroffen ist, kann man hier nicht nur nationale Standorte hervorragend gegeneinander ausspielen, sondern sogar auch ganz Regierungen. An dieser Stelle zeigt sich dann auch sehr schön, wie weit es innerhalb der Europäischen Union (EU) mit der Einigkeit wirklich ist. Im europäischen Kontext stand auch schon direkt wieder neuer Ärger ins Haus, denn die Führungsspitze wurde ausgetauscht und schnell stand das Ende von Peter Forster fest. In den deutschen Medien wurden nun ganz schnell die verschiedensten deutschen Namen als Nachfolger gehandelt, was natürlich wieder eine beruhigende Wirkung auf die Opelaner gehabt haben dürfte. Aber auch hier folgte eine Überraschung und es wurde kein Manager aus dem Mutterland von Opel, sondern der Brite Nick Reilly. Reilly gilt als knallharter Sanierer und dies ist natürlich keine gute Basis für positive Stimmung bei Opel. Aber auch hier fand man eine Lösung.

Nichts als leere Worte
Wer nun glaubt dies sei schon alles gewesen, sollte bald schon sehen, dass dem nicht so ist. Denn nun machte sich der gerade angesprochene neue Europachef auf Werbetour zu den einzelnen Standorte von Opel und auch hier reichte ein altbekannter Trick aus, um die Belegschaft ruhig zu halten, er versprach vor den Besuchen wieder einmal, dass alles nicht so schlimm für Deutschland würde und schon herrschte auch hier verhältnismäßige Ruhe und dies ist eigentlich einmal eine riesige Überraschung, denn was man von solchen oder ähnlichen Versprechungen aus Richtung GM zu halten hat, müsste mittlerweile jeder Begriffen haben.  Hier sieht man wieder sehr schön, warum man von Spielchen reden muss. Die zu Beginn genannte Zahl von 5.300 Arbeitsplätzen, die in Deutschland bei Opel abgebaut werden sollten, wurde übrigens umgehend von GM dementiert. Auch hier könnte man das Gefühl bekommen, dass sich gewisse Kräfte die Medien ganz gezielt zu eigen machen, um zu testen, wie man auf solche Zahlen reagiert. Auch kein wirklich neuer Weg, so testet man scheinbar auch immer wieder gerne die Stimmung in der Gesellschaft, wenn es zum Beispiel um das Thema Maut geht. Immer wenn in solchen Fällen das Geschrei zu groß ist, war alles nicht so gemeint und man hat sein Ergebnis.

Psychologisch gesehen ist dieser ganze Fall natürlich wahnsinnig interessant, denn es ist schon fast unvorstellbar, was man mit den Opelaner seit Monaten anstellen kann, ohne das es zu markanten Arbeitskampfmaßnahmen kommt. Sehr bedauerlich an dem ganzen Thema ist nur, dass wenn die Massen es bei Opel begreifen, wahrscheinlich für die meisten schon zu spät sein dürfte und der Arbeitsmarkt in Deutschland steuert auch nicht gerade auf rosige Zeiten zu, auch wenn die Regierung hier offensichtlich schon wieder die nächste Manipulation ins Auge fasst und die Zahlen noch länger über Tricks, wie zum Beispiel das Kurzarbeitergeld, schönen will. So hart es klingen mag und so oft auch das Gegenteil in den Medien behauptet wird, man darf nicht vergessen, dass es GM nicht um Menschen oder Schicksale geht, sondern um Rendite und Profit und wer bei dem Erreichen dieses Ziels auf der Strecke bleibt, mögen es auch ganze Regionen sein, interessiert niemanden. Man sollte auch bei alldem nicht vergessen, dass mehr als 50 Prozent von GM der US-Regierung gehören und damit im Verantwortungsbereich des so verehrten 44. Präsidenten der USA Barack Obama liegen. Da ist von seiner großartigen Freundschaft zu Deutschland nicht mehr viel zu spüren, mag man meinen. Man sieht doch sehr schön auf welcher Ebene, von der Politik bis in die Wirtschaft, hier die Spielchen gespielt werden.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

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