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Die Wahrheit des Wortes

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Mordanklage im Fall Fritzl?

10. September 2008

Auch im anstehenden Herbst, reißen die Neuigkeiten um das Inzestverbrechen von Amstetten nicht ab. Während im niederösterreichischen Amstetten nun die Schule wieder begonnen hat und zum Glück wieder ein wenig Alltag eingekehrt ist, werden die schulpflichtigen Opfer des Dramas noch immer privat unterrichtet. Auch wenn sie weiterhin auf einem guten Weg sind, muss man festhalten, dass man bei diesem grausamen Verbrechensfall, mitten im zivilisierten Europa, bei weitem noch nicht von der Aussicht auf ein Ende sprechen kann. Gerade auch journalistisch stellt sich die Frage, wie viel man schreiben, darf, kann und oder sollte. Natürlich muss ein solches Verbrechen aufgearbeitet werden, dies gilt in aller erster Linie natürlich für den juristischen Bereich, aber eben auch für den Bereich der Medien.

Der bisherige Tatverlauf

Über die Medien ist sehr viel, vielleicht an der einen oder anderen Stelle auch zu viel, zu diesem menschenverachtenden Verbrechen geschrieben worden. Entgegen ersten Berichten, wird die juristische Aufarbeitung wohl noch bis in den Dezember diesen Jahres dauern und dann erst im Rahmen des gerichtlichen Verfahrens gänzlich beginnen können. Bisher werden auch noch weiterhin Beweise und Indizien gesichert, verarbeiten und begutachtet. Denn bislang sind nur die allgemein bekannten Fakten offenkundig. Diese besagen, dass Josef Fritzl seine Tochter Elisabeth Fritzl im Alter von 18 Jahren in ein Kellerverlies im eigenen Haus sperrte und sie dort über fast ein Viertel Jahrhundert lang missbrauchte. Aus diesem grauenhaften Verbrechen gingen sieben Kinder hervor. Drei nahm Josef Fritzl mit in seiner ursprünglichen Familie auf und drei mussten mit ihrer Mutter im Kellerverlies, hinter einer schweren Stahltür, ohne Tageslicht über all die Jahre überleben.

Eine der von ihm verursachten Schwangerschaften, führte zu einer Zwillingsgeburt. Eines der Kinder, welches laut Medienberichten von seiner Mutter Elisabeth Fritzl `Michael` genannt wurde, bekam kurz nach der Geburt schweren Husten. Dieser Zustand zog sich wohl über mindestens drei Tage hin, in denen Josef Fritzl nichts zur Rettung dieses Neugeborenen unternahm. Diese Fakten haben sich laut neusten Medienberichten ergeben, die sich auf ein aktuelles Gutachten beziehen. Folgt man diesem Gutachten, welches sich mit der Aussage der Kindsmutter und Tochter Elisabeth Fritzl deckt, kommt man in diesem Fall zwangsläufig zu Mord durch Unterlassung. Außer den bisherigen grausamen Fakten, scheint sich der bisherige schwere Verdacht nun endgültig, um den des Mordes zu erweitern, was eine lebenslange Haftstrafe für Josef Fritzl zur sehr wahrscheinlichen Folge macht. Man darf wohl, nicht zu letzt durch das fortgeschrittene Alter des 1935 geborenen Täters, davon ausgehen, dass das Strafmaß für ihn relativ sein dürfte.

Wie bestraft man das Unvorstellbare

Es ist natürlich absolut richtig, dass das Alter des Beschuldigten keinen Einfluss auf das Urteil haben darf. In diesem Fall, bei dieser besonders perfiden Straftat muss man aber ganz offensichtlich auch festhalten, dass das Alter des Täters eine Rolle, zu mindestens bei der Beendigung des Verbrechens, spielte. Denn man hat das Gefühl, dass er mit seinen Taten, wie auch mit seinem gesamten Leben abgeschlossen hat. Laut dem oben genannten Stand der Ermittlung, war Josef Fritzl schon ein Mal so skrupellos eines seiner Opfer sterben zu lassen und dieses danach einfach in einem Ofen zu verbrennen. Im Fall der schweren Erkrankung des Opfers Kerstin Fritzl, die gleichermaßen Tochter und Enkelin des Täters ist, verhielt er sich anders als im Fall Michael. Denn aus dem Blickwinkel der Skrupellosigkeit, hätte er auch die 19 Jahre alte Kerstin sterben lassen können, wie er es auch ganz offensichtlich mit Michael tat. Dies Mal nahm der Lauf des Verbrechens allerdings einen gänzlich anderen Weg.

Hatte er den Leichnam von Michael noch hemmungslos im Ofen des Verlieses verbrannt, führte er Kerstin der medizinischen Versorgung zu. Was vor allem ihr überleben sicherte, allerdings auch zwangsläufig zum Ende seines grausigen Verbrechens führte. Es darf vorausgesetzt werden, dass ihm dies durchaus bewusst war. So muss man davon ausgehen, dass er persönlich beschlossen hatte seinen perversen Plan zu beenden. Keine Ermittler, keine Nachbarn und auch keine Familienmitglieder vermochten dies zu schaffen. Nun sitzt ein alter Mann hinter Gittern der scheinbar sein Lebensziel erreicht hat und es bleibt die Frage offen, wie will man einen solchen Menschen, ein solches Verbrechen bestrafen. Auf dieser journalistischen Plattform gingen zu diesem Thema schon ausreichend Vorschläge ein. Die Frage die nur einige dieser Vorschläge mit sich brachten war, stellt man sich, stellt sich die Gesellschaft nicht mit dem Täter auf eine Stufe? Womit die Frage offen bleibt, wie der Begriff `gerechte Strafe` hier zu definieren ist.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich

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