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Die Wahrheit des Wortes

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Moralische Umkehr oder Abkehr von der Moral?

6. April 2010

Nun ist Ostern 2010 vorüber und es war in vielerlei Hinsicht ein denkwürdiges Osterfest. Alles begann mit den schrecklichen Gefechten in Afghanistan, welche am Karfreitag drei deutsche Soldaten das Leben kostete. Der Tod der 25, 28 und 35 Jahre alten Soldaten führte auch dazu, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) seinen Urlaub unterbrach. Am Ostersonntag erschütterte ein Attentatsserie das Botschaftsviertel der irakischen Hauptstadt Bagdad, wovon auch die deutsche Botschaft betroffen war. Als wäre all dies nicht schon genug, gab es natürlich auch wieder Neues von der katholischen Kirche und dies heißt in diesen Tagen meistens, dass es weitere Skandale gibt und so war es natürlich auch an den Ostertagen. Von den Prügelvorwürfen gegen Bischof Walter Mixa bis hin zu einem Papst Benedikt XVI. der die Achtung des Lebens anmahnte, was man bei dem, was sich bei der katholischen Kirche scheinbar in den letzten Jahrzehnten getan hat, durchaus als zynisch bezeichnen kann.

Moralische Umkehr
Drei tote Soldaten in Afghanistan veranlassten Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nicht nur dazu seinen Urlaub zu unterbrechen, sondern auch dazu, hier nun endlich einmal klar und deutlich von Krieg zu sprechen, auch wenn er von einem `umgangssprachlichen` Krieg sprach, um jeglicher juristischen Interpretation dieser Aussage vorzubeugen. So hart es klingen mag, waren diese Verluste angekündigt, denn seit der neuen Strategie für Afghanistan, die maßgeblich durch den amerikanischen Oberbefehlshaber Barack Obama gesteuert wird, war absehbar, dass es zu größeren Verlusten bei allen Beteiligten kommen würde. Nur zur Erinnerung sei darauf hingewiesen, dass genau dieser Mann, dessen neue Strategie nun scheinbar auch zum Tode deutscher Soldaten führte, gerade erst den Friedensnobelpreis erhielt. Schlimm ist aber vor allem auch, dass die Stimmen immer lauter werden, die sagen, dass die Bundeswehr für diesen Einsatz nicht ausreichend ausgerüstet sei und dies lässt befürchten, dass diese drei jungen Männer nicht die letzten Gefallenen sein dürften, die die Bundeswehr zu beklagen hat.

Wo diese Art des amerikanischen `Frieden schaffen mit noch mehr Waffen` hinführt, kann man sich dieser Tage auch im Irak anschauen, wo man im Friedensprozess schon wesentlich weiter ist als in Afghanistan. Hier bombten sich Terroristen über Ostern quer durch das Botschaftsviertel und brachten so Tod und Leid. Friede ist in unserer heutigen Zeit scheinbar ein ähnlich relativer Begriff, wie zum Beispiel auch der Begriff der Humanität. Es ist diese Verschiebung der Werte in der globalen Gesellschaft die sich immer deutlicher zu erkennen gibt, dies gilt für den blutigen Krieg in Afghanistan, ebenso wie für das was sich fast täglich im Irak abspielt aber natürlich auch für die massiven Vorwürfe die täglich neu auf die Kirche und damit letztendlich auch auf den Vatikan zu kommen. Das sich der aus Deutschland stammende Papst Benedikt XVI. auch über die Osterfeiertage nicht zu den Geschehnissen in Deutschland äußerte, dürfte da auch niemanden mehr wirklich überrascht haben. Immerhin sprach er davon, dass es eine geistige und moralischen Umkehr geben müsste, was natürlich bei den gerade geschilderten Vorfällen inhaltlich mehr als korrekt ist aber auch die Frage aufwirft, wo die katholische Kirche in diesem Kontext wirklich steht?

Abkehr von der Moral
Die schweren Vorwürfe gegen den Bischof Walter Mixa dürften die nächsten Tage noch mit Spannung zu beobachten sein. Denn auch hier stellt er sich im Moment als das Opfer von Verleugnungen dar, man wird sehen, was an dieser Stelle die Wahrheit ist. Das sich der oberste Mitarbeiter der Zentralregierung der römisch-katholischen Kirche, der ranghöchste Kurienkardinal Angelo Sodano am Sonntag außerhalb des Protokolls schon fast schützend vor den Papst stellte und wie der Papst selbst einige Tage zuvor es auch schon Tat, wieder nur von `Geschwätz` sprach, zeigt die geistige Haltung des Vatikans in diesem Kontext. Das man hier scheinbar mit System versucht die katholische Kirche als Opfer darzustellen, sieht eher wie eine Abkehr von der Moral aus, als das man von einer positiven Umkehr sprechen könnte. Bei der evangelischen Kirche ist man da schon einen Schritt weiter und hat verstanden, dass die Geschehnisse bei der katholischen Kirche letztendlich auch negativ auf die evangelische Kirche abfärben. Dies zeigte sich auch dadurch, dass der neue Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Nikolaus Schneider von einer Haftungsgemeinschaft sprach. Wie weit die Wut auf die Kirche in Deutschland schon ist, zeigte sich am Osterwochenende auch im Dom zu Münster, wo ein 44 Jahre alter Mann auf Bischof Felix Genn losging. Natürlich handelt es sich bei dem Täter, gegen den sich der Bischof mit dem Weihrauchgefäß wehrte, um einen geistige verwirrten Einzeltäter, wie man es von solchen Fällen gewohnt ist.

Was bleibt nach einem solchen Osterwochenende, wo die die sich scheinbar reihenweise von der Moral abgewendet haben, eine geistige und moralische Umkehr fordern, an dem sich die Wut gegen die Kirche nun auch schon durch körperliche Attacken gegen deren Vertreter äußert? All dies, darf man nicht vergessen, geschieht in einer Welt in der Terror und Krieg täglich unzählige Opfer fordern. Es bleibt wohl die Erkenntnis, dass die Kirche in weiten Teilen auch nicht besser ist als der Rest der Gesellschaft und dies ist natürlich gerade in unserer heutigen Zeit eine sehr negative Feststellung. Natürlich muss man auch darüber nachdenken, die Rolle der Kirche in unserer Gesellschaft noch einmal gänzlich neu zu definieren, vor allem sollte sich der Papst und der Vatikan weiterhin so uneinsichtig zeigen, wie man es bislang im Kontext der Missbrauchsfälle getan hat. Natürlich sollte man erwähnen, dass wohl auch in katholischen Gottesdiensten am Osterwochenende die Missbrauchsfälle thematisiert wurden. Dies ist in jedem Fall als ein guter Anfang zu bewerten aber scheinbar reicht die Macht derer nicht im Ansatz dafür aus, um in der katholischen Kirche für eine nachhaltige Veränderung zu sorgen. Sollte sich an diesem Zustand nichts ändern, werden die Kirchen wohl nach und nach der Wirtschaft und der Politik folgen und dies bedeutet dann wohl den Verlust des letzten bisschen an Moral in dieser Gesellschaft. Die Folgen die dies haben würde, mag man sich nicht vorstellen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Kultur · Politik

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