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Die Wahrheit des Wortes

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Monika H. – Eine ganz normale Frau aus dem Sauerland

6. Mai 2008

Deutschland, Europa, die Welt war schockiert, als man Anfang Dezember des letzten Jahres von den fünf verstorbenen Kindern von Darry in Schleswig-Holstein hörte und die Reihe dieser Nachrichten danach nicht abriss. Es ging weiter mit den schrecklichen Leichenfunden von Plauen in Sachsen. Im Moment schockieren uns die Vorfälle um das Horrorhaus von Amstetten, wo es der 1935 geborene Josef Fritzl schaffte, seine eigene Tochter zu entführen und für 24 Jahre einzukerkern und mit ihr eine zweite Familie zu gründen. All dies geschieht Mitten unter uns in Europa. So auch der wohl aktuellste Fall aus dem beschaulichen Möllmicke im Sauerland, wo man am Wochenende drei Babyleichen gefunden hat.

Die dörfliche Idylle der Monika H.

Man kennt die Fakten um die Kriminalität in den anonymen Großstädten, wie zum Beispiel Frankfurt, Berlin und Hamburg. Diese Namen fallen allerdings in den aktuellen Fällen alle nicht. Wir reden viel mehr von Darry, einem kleinen Dorf mit 450 Einwohnern im Kreis Plön in der Nähe der Ostsee in Schleswig-Holstein. Wir reden von Plauen, der kleinen kreisfreien Stadt im sächsischen Vogtland mit circa 70.000 Einwohnern. Das niederösterreichische Amstetten hat gerade Mal etwas mehr als 20.000 Einwohner und im aktuellen Fall reden wir von einem Dorf mit gerade ein Mal 1.640 Einwohnern. Man redet bei diesen Fällen auch immer gerne von sozial schlechter gestellten Familien, in denen sich diese Tragödien abspielen. Aber gerade auch die Fälle der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, dass alle Gesellschaftsschichten betroffen sind und man dies nicht einfach an gewissen sozialen Eckdaten festmachen kann.

Die Tragödie im Sauerland um die 44-jährige Monika H., die zur Zeit noch nicht Vernehmungsfähig ist, lief wohl wie folgt ab. Herr und Frau H. waren in einem Kurzurlaub im Schwarzwald, während der 18-jährige Sohn und die 24-jährige Tochter der Familie in der Tiefkühltruhe, des idyllischen Fachwerkhauses an der Römerstraße, etwas zu Essen suchten. Hierbei entdeckte wohl der Sohn eine der drei Plastiktüten mit der Leiche eines Kindes. Es ist anzunehmen, dass die Kinder schon sehr lange in der Tiefkühltruhe lagerten und wohl bislang nicht entdeckt worden waren, da laut Aussage von Herbert Fingerhut von der Hagener Mordkommission in `dieser Familie die Mutter allein für die Küche zuständig war`. `Der Tatzeitraum könne sich von 1985 bis zur Gegenwart erstrecken`, so Kriminalhauptkommissar Martin Feldmann von der Kriminalpolizei in Olpe. Genau dort stellte sich die Mutter, nachdem sie nach ihrer Rückkehr von den beiden Kindern zur Rede gestellt wurde.

Der Wahnsinn der Normalität

Auch in diesem Fall, wie natürlich auch in noch drastischerer Art und Weise im Inzestfall von Amstetten, kommt die Frage auf, wie all dies gut zwei Jahrzehnte unentdeckte bleiben konnte. Es gibt aber noch weitere Gemeinsamkeiten die sich durch viele dieser Fälle hindurch ziehen. So zum Beispiel, dass alle in solche Taten involvierten Menschen in der Regel von Nachbarn, Bekannten und oftmals auch von Angehörigen als völlig normal, nett , hilfsbereit und umgänglich beschrieben werden. Natürlich ist es selbstverständlich, dass diese Leute nicht mit einem Schild rumlaufen, auf dem in großen Lettern steht `Ich habe ein Verbrechen begangen` aber es wirkt doch erschreckend, dass sie alle so normal sind. In einer solchen Situation sollte jeder ein Mal beginnen darüber nachzudenken, wie weit der Wahnsinn schon in der Normalität unseres Alltags verankert ist. Es sind oftmals nicht die Randgruppen oder ähnliche, stattdessen fallen doch häufig oft gutbürgerliche Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft auf. Genau diese, die ein völlig geregeltes Leben, begleitet von Schützenverein und ähnlichem, führen.

Man sollte sich Gedanken machen, ob man es sich gegebenenfalls nicht oftmals im Leben zu einfach macht und sich sagt Person XY hat ein Reihenhaus, einen soliden Job und ist in drei Vereinen aktiv und damit völlig normal. Denn ein Leben besteht aus wesentlich mehr Facetten, aber genau dieser Facettenreichtum wird oft nicht berücksichtigt, was gewisse Indikatoren verschwinden lässt. Wie konnte es im Fall von Möllmicke niemanden auffallen, dass Monika H. scheinbar drei Mal schwanger war? Die Aussage über eine gewisse Körperfülle der betroffenen Person, kann da wohl als kaum ausreichend angesehen werden. Warum ist im Fall von Josef Fritzl niemand dem angeblichen verschwinden der Tochter Elisabeth in einer Sekte weiter nachgegangen? Diesen Fragenkatalog könnte man jetzt endlos fortsetzen aber auch das würde den Opfern nicht helfen. Vielleicht sollte sich unsere Gesellschaft angewöhnen, sich mit mehr als nur der scheinbar heilen Fassade an der Oberfläche dieser Gesellschaft auseinanderzusetzen. Wenn dieser gesellschaftlich Wandel gelingen würde, würden so mit Sicherheit einige Straftaten verhindert und vielen Menschen geholfen werden.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich

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