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Die Wahrheit des Wortes

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Mit dem Handy ins Jenseits – Kommentar

20. Dezember 2008

Da staunt man nicht schlecht. Grabbeigaben sind wieder im Trend. Und wer was auf sich hält, lässt sich mit den Lieblingsdingen seines Lebens bestatten. Noch spannender ist es, dass dieser Trend von den unter 40-Jährigen gesetzt wird. Denn genau diese Generation steht auf Handy und stimmungsvolle MP3-Player Begleitung ins Jenseits.

Es ist absurd und irritierend zugleich. Denn bei Hollywood Forever, einem Bestattungsunternehmen in California/Hollywood liegen derartige Grabbeigaben im Trend. Besonders die Jüngeren unter den Verstorbenen wollen sich mit jenen Dingen bestatten lassen, die ihr Leben am besten widerspiegeln. Steinzeitkult Marke Hollywood. Da schwingt man dann viel leichter mit HipHop, oder sagen wir mal mit “We are all accidents” von Radiohead aus dem MP3-Player im mittlerweile erkalteten Gehörgang sanft hinüber. Oder will man gar sicher gehen, bei Scheintod mit dem Handy um Hilfe rufen zu können? Ach ja, bitte den geladenen Akku vom Handy nicht vergessen – und in Griffweite der Hände legen – danke, ganz lieb. Eine “Anprobe” würde sich angesichts dieser Fakten durchaus empfehlen, denn wer hat schon Übung im Telefonieren in einer solch beengenden Situation. Jedenfalls denke ich jetzt nach, was für die Generation 40 Plus als Grabbeigabe passen könnte: ein paar alte Beatles Platten, eine Packung Moods, die Ausgabe “Asterix bei den Briten” und die Spiegelreflex von Nikon. Das wäre toll. Yup!

Grabbeigaben spiegeln die Persönlichkeit des Verstorbenen, liest man auf Wikipedia. Und bei Hollywood Forever scheint dies auch der Grund für die Beigabe von Handy, MP3, BlackBerry, Game Boy bis hin zum iPod zu sein. Vielleicht helfen diese Dinge ja beim Übergang ins Jenseits?! Nur von einem GPS-Navigationssystem als Grabbeigabe für Vielfahrer habe ich noch nichts gelesen - Motto: “Na dann geh mal, TomTom!”.

Ich bin jetzt wirklich zufrieden. Die lange Suche hat sich gelohnt. Endlich liegt der “Beweis” vor, dass sich die Generation 40 Minus gerne über Materielles und Technik bis über den Tod hinaus definiert. Menschsein Ade – Technik Juche! Und vergiss nicht: “Spiel mir das Lied vom Tod, mein MP3!”

AMW

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Neues aus Österreich · Technik

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