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Die Wahrheit des Wortes

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Michael Jacksons Abschied auf der Bühne

8. Juli 2009

Alles begann gegen 8 Uhr Ortszeit in Los Angeles, die Familie und enge Freunde von Michael Jackson, der am 25. Juni 2009 in seiner Villa verstarb, nahmen in der Liberty Hall des Forest Lawn Friedhofs Abschied. Genau zu dieser Zeit brodelte auch schon die Gerüchteküche in einem perfiden Ausmaß und es zeigte sich sehr massiv, wie die Rolle der Medien vom Internet bis zum Fernsehen nun neu zu definieren ist. Alle diese Medien haben ihr Gutes aber es zeigen sich auch immer mehr die Schwächen. Jeder möchte der erste sein, mit den neusten Nachrichten. Diana Ross hält die Abschiedsrede. Madonna wird mit einem Live-Medley von ihrem ausverkauften Konzert in Manchester zugeschaltet. Der Sarg wird einbetoniert, damit ihn später niemand ausgraben kann. Diese Liste könnte man nun unendlich fortsetzen. Wir hier in der Redaktion in Köln haben beschlossen bis zum heutigen Vormittag mit der Veröffentlichung des Artikels zur Trauerfeier zu warten, damit sich die Nachrichten zu mindestens etwas gesetzt haben und so ein stabileres Fundament zur Berichterstattung darstellen. Fakt ist, dass konnten auch wir auf facebook, Twitter etc. verfolgen, dass auch dieses Ereignis zu einem weiteren Erdbeben im Internet führte.

Ein Sarg fuhr problemlos durch die Megacity Los Angeles

Als erstes gab es aber ausreichend Expertenmeinungen auf den verschiedenen TV-Kanälen, die zum Beispiel verkündeten, dass der zu erwartende Hype bei der Trauerfeier, der glücklicherweise ausblieb, Michael Jackson wohl gefallen hätte. Hierbei muss man allerdings in jedem Fall festhalten, dass genau dieser Hype in irgendeiner Form mitverantwortlich für seinen Tod gewesen sein dürfte und das hat den `King of Pop` bestimmt nicht erfreut. Als nächstes gab es erste Fakten über Twitter. Liz Taylor ließ verkünden, dass sie nicht erscheinen würde, da es ihr eine zu private Angelegenheit gewesen sei und diese Nachricht sollte sich auch bestätigen. Dann wurde auch schnell klar, dass der Sarg von der privaten Trauerfeier als erstes in das Staple Center zur offiziellen Trauerfeier überführt werden sollte. Dies geschah in einem Konvoi über bestens abgesperrte Strassen, gut 20 Kilometer quer durch die Stadt der Engel, wie man Los Angeles auch nennt. Hier zeigten sich zwei Dinge. Erstens, wie minutiös hier alles durchgeplant war, denn der Sarg traf nur einige Minuten später als geplant in Downtown ein und zum anderen, wie lächerlich der Versuch mancher Medienvertreter war, diese Überführung als eine kurzfristige Entscheidung zu verkaufen. Das es dies nicht war, bewies die Polizei von Los Angeles durch ihre gute Vorbereitung, die man am reibungslosen Ablauf ablesen konnte. So begann die Trauerfeier auch mit nur einigen Minuten Verspätung und schon die ersten Wortbeiträge des legendären Smokey Robinson ließen einige Gerüchte, wie Seifenblasen zerplatzen. So trug er als erstes Beileidsbekundungen von Diana Ross und Nelson Mandela vor, was klar machte, dass Diana Ross hier keine Rede halten würde aber auch wie weitreichend dieser Abschied werden würde. Danach kam es zu einer Schweigeminute der ganz besonderen Art, denn 11.000 Menschen im Staples Center schwiegen für gut 20 Minuten, bevor der Sarg am Rand der Bühne positioniert war und die offizielle Trauerfeier wirklich losging.

Alles begann mit einer Rede von Pastor Lucius Smith aus Pasadena und diese war ein erstes Indiz dafür, wie religiös und dem Glauben verbunden dieser Abend werden sollte. Danach folgte ein musikalischer Beitrag und in genau diesem Wechsel von Rede-und Musikbeiträgen sollte es fast den ganzen Abend weitergehen. Die Redebeiträge waren meist durch Huldigungen dessen, was der `King of Pop` in seinem Leben alles geschaffen hatte geprägt aber natürlich ging es auch oftmals um das was die Redner persönlich mit Michael Jackson erlebt hatten. Natürlich wurde den ganzen Abend über auch immer wieder hervorgehoben, was Michael Jackson für die afroamerikanische Gemeinde in den USA getan hatte und das auch er letztendlich ein Wegbereiter des aktuellen amerikanischen Präsidenten gewesen sei. Letzterer Punkt klingt natürlich etwas merkwürdig für einen Megastar zu dessen Hauptanliegen man wohl auch zählen musste, dass er unbedingt eine helle Hautfarbe haben wollte. Barack Obama, der gerade angesprochene 44. Präsident der USA, blieb übrigens der Trauerfeier fern und folgte seinen Terminen in Moskau. Neben weiteren religiösen Einlassungen diverser Geistlicher und Bürgerrechtler, waren natürlicher auch Vertreter aus der Politik und dem Sport vertreten. Ein Highlight aus sportlicher Sicht gesehen war mit Sicherheit der Auftritt der beiden Ex-Profis der L.A. Lakers, Kobe Bryant und Earvin `Magic` Johnson. Magic spielt in `Remember the time´ mit aber sein Auftritt auf dieser Trauerfeier war zum Teil eher bedenklich, da er ziemlich nachdrücklich darauf hinwies, wie gut es Jackos Kinder bei der Jackson-Familie in der Zukunft haben würden. Dies kann man natürlich, zu mindestens rein emotional, als eine Einmischung in den Sorgerechtsstreit ansehen, der in den nächsten Wochen und Monaten noch verstärkt toben dürfte. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Debbie Rowe an diesem Abend nicht zur Trauergemeinde zählte.

Die wahre Trauer einer Freundin

Egal was die Medien versuchten aus dieser Trauerfeier zu machen und wie versessen man scheinbar darauf war Michael Jackson noch einmal auf der Bühne zu sehen, was übrigens ausblieb, da der Sarg auf der Bühne nicht geöffnet wurde, was natürlich direkt wieder Spekulationen nährte, ob der `King of Pop` vielleicht durch die angebliche Entnahme seines Gehirns gar nicht präsentationsfähig gewesen sei, gab es auch sehr emotionale Momente. Einer dieser emotionalen Momente war natürlich die Rede von Jackos Bruder Jermaine aber auch die musikalischen Beiträge und Worte von Stevie Wonder aber auch von Usher, der sich direkt am Sarg verabschiedete, waren ergreifend. Mit einer der emotionalsten Reden kam allerdings von Jacksons langjähriger guter Freundin Brooke Shields. Denn man merkte an der Art ihrer Rede, dass die beiden geschäftlich nie etwas miteinander zu tun hatten und sie auch anmerkte, dass Michael Jackson für sie eher `Der Kleine Prinz`, aus dem sie dann auch zitierte, gewesen sei, als der `King of Pop`. Hier hatte man doch das Gefühl, als hätte niemand gesprochen, der irgendeine monetäre oder ähnliche Beziehung zu ihm gehabt hatte, sondern einfach nur ein Mensch, der einen geliebten Menschen verloren hatte. Emotional wurde dieser Beitrag nur noch von den Familienangehörigen übertroffen. Denn Marlon Jackson, einer der Jackson Fives der nicht ganz so begannt geworden ist, war auch sehr mitgenommen vom Tod seines jüngeren Bruders Michael und hatte einen besonderen letzten Wunsch an ihn. Michael sollte seinen Zwillingsbruder Brandon, der kurze Zeit nach der Geburt von Marlon verstorben war, in die Arme schließen. Man sieht hier sehr deutlich, dass der Tod von Michael Jackson nicht der erste Schicksalsschlag für diese Familie war. Der wohl bewegenste und ehrlichste Moment dieser Trauerfeier, war aber die Trauer der elf Jahre alten Tochter Paris. Sie trauerte um ihren geliebten Vater Michael Jackson und sie verlieh dieser Trauer, vor den 11.000 Gästen, auch einen großen emotionalen Nachruck.

Neben diesen bewegenden Augenblicke, zeigte diese Abschiedsfeier aber auch einmal mehr, dass die Menschheit aus dem Tode von Michael Jackson und den Umständen, die diesen Menschen in seine Situation brachten und ihn damit letztendlich auch in den Tod getrieben haben, nichts gelernt hat. Denn nicht nur das vielfach auch positiv über Joseph `Joe` Jackson, den Vater von Michael, der ihn in Kinder-und Jugendjahren im wahrsten Sinne des Wortes zum Erfolg peitschte, gesprochen wurde, schien es teilweise fast so, als wolle man dieses Verhalten auch noch rechtfertigen. Es klang immer wieder durch, dass Joe mit seiner harten Hand letztendlich auch zu diesem riesigen Erfolg beigetragen hätte. Man muss wohl festhalten, dass selbst wenn es so gewesen sein mag, dies niemals die Gewalt gegen ein Kind rechtfertigen kann. Das es in der heutigen Zeit allerdings mehr und mehr üblich ist Kinder schon in frühsten Jahren auf den Kurs des Erfolges zu bringen, zeigte dann auch, dass mit Shaheen Jafargholi ein 12 Jahre alter Finalist einer britischen Castingshow auf der Bühne stand, was in diesem Kontext natürlich einfach nur als zynisch zu bezeichnen ist. Genau mit seinem Auftritt drohte die Veranstaltung dann doch etwas ins zu kommerzielle zu kippen. Denn es hatte zum Teil den Anschein, als versuche man das bestehende Audiomaterial der Proben, die im Staples Center für die 50 Londoner Konzerte stattfanden, marktfähig zu machen. Denn Experten meinen, dass dieses Material für zwei Live-Alben reichen könnte und schließlich gibt es noch kein Live-Album des `King of Pop`, also durchaus eine rentable Marktlücke, die es an dieser Stelle offensichtlich zu schließen gilt. Somit wurde einem leider zum Ende einer sehr schönen und gelungenen Trauerfeier, auch ohne Beiträge von Diana Ross und Madonna, klar, dass auch hier weiterhin vor jeglicher Emotionalität der Gewinn steht. Diesen Eindruck konnte man auch leider nicht mehr durch die Klassiker `We are the world` und `Heal the world`, die durch die Allstars, bestehend aus der Familie, den Freunden und der Company, die bei den 50 Londoner Konzerten mit auf der Bühne stehen sollte, interpretiert wurden, ins Positive drehen. Eigentlich sehr schade, dass nach einer so großen Feier, für einen so großen Menschen, doch auch hier wieder ein fader Beigeschmack haften blieb.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Judith Mühlenbeck // 9. Jul 2009 at 19:41

    Der beste Artikel, den ich bisher zur Trauerfeier gelesen habe. – Spiegelt absolut meine Gedanken wieder.

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