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Die Wahrheit des Wortes

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Merkwürdigkeiten des Kölner U-Bahn-Baus

16. März 2009

Am 03. März 2009 stürzte in der Severinstraße im Zentrum der Stadt Köln das historische Stadtarchiv ein und riss mehrere Häuser mit sich. Nicht nur das bei dieser Katastrophe Kulturgut von unschätzbarem Wert vernichtet bzw. massivst beschädigt wurde, starben auch zwei junge Männer in den Trümmern der eingestürzten Gebäude. Natürlich ist vor allem die Frage danach, warum die Gebäude einstürzten, von sehr hoher Relevanz. In unmittelbarer Nähe zum Ort dieser Katastrophe bauen die Kölner  Verkehrs-Betriebe (KVB) eine neue Nord-Süd-U-Bahn-Trasse und die meisten Spekulationen gehen in die Richtung, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Bauarbeiten und dem Einsturz der Gebäude gibt. Auch einige Handlungen in Folge der Katastrophe scheinen diese Vermutungen gegen die KVB zu untermauern. Von Seiten der KVB wird immer von Transparenz gesprochen, dies ist natürlich, wie so gut wie alles im Leben, als sehr relativ einzustufen.

Die verschollene Pressekonferenz

Bislang wies die KVB alle Anschuldigungen im Kontext des Einsturzes des Stadtarchivs und damit natürlich am Tod von Kevin K. (17) und Khalil G. (24) von sich. Trotzdem wurden zum Beispiel erhebliche finanzielle Hilfen bereitgestellt. Nun wurde zum Ende letzter Woche auf verschiedenen Kanälen eine Pressekonferenz für den folgenden Sonntag angekündigt, die für ein bisschen mehr Klarheit sorgen sollte. Normalerweise werden diese Pressekonferenzen immer gleich mit Datum und Uhrzeit, sowie dem Hinweis auf eine Live-Übertragung benannt, in diesem Fall war es allerdings nicht so. Im Regelfall wurden diese Pressekonferenzen meistens um 13 Uhr oder 15 Uhr live gesendet. An diesen Wochenende suchte man zu diesen Zeiten auf den bekannten Nachrichtenkanälen und Heimatsendern vergebens nach einer Live-Übertragung. Es fällt einem schwer zu glauben, dass dies ein Zufall war, dass eine für diese Stadt so wichtige Pressekonferenz in den Medien scheinbar völlig verschollen ging. Ebenfalls wird man das Gefühl nicht los, dass auch der Sonntag ganz bewusst zur Veröffentlichung der neusten Fakten gewählt wurde. Denn es ging nun zum ersten Mal, um die ersten Ansätze bzw. Klärungsversuche, wo man nach den Schuldigen suchen sollte.

Natürlich gibt es Argumente die gerade im überregionalen Bereich dafür sprechen, dass die Berichterstattung zu dieser Katastrophe zurückgegangen ist, denn natürlich stand ab der Wochenmitte der grausame Amoklauf des Tim K. (17) in Winnenden im Fokus der Öffentlichkeit und diese Woche wird es aller Voraussicht nach der Prozess gegen Josef Fritzl (73) in St. Pölten in Österreich sein aber trotzdem bleibt es merkwürdig. Denn die kleinen Ausschnitte aus der besagten Pressekonferenz, die man später zum Teil in den Nachrichten sehen konnte, lassen wieder nur wenige Rückschlüsse zu. Man muss davon ausgehen, dass genau dieser Fakt auch gewollt ist. Dies wirft dann ein Mal mehr kein gutes Licht auf die KVB, die Stadt Köln und natürlich auch nicht auf die Medien. Denn freie Medien sollten nicht nur die Aufgabe haben Quoten zu erfüllen, sondern auch die Bevölkerung zu informieren. An dieser Stelle scheint es aber ein Mal mehr der Fall zu sein, dass man einer gewissen, wenn auch nur moralischen, Informationspflicht nicht nachkommt. Außerdem führt ein Mangel an klaren, nachvollziehbaren Fakten auch immer zu einer großen Masse an Spekulationen.

Die Brunnenbauer von Köln

Spannend ist auch, dass die Informationspolitik im Kontext zur KVB Ende letzten Jahres ähnlich verlief, als es beinahe zu einer Katastrophe bei einem Brand einer U-Bahn in einem unterirdischen Bahnhof gekommen war. Man wird das Gefühl nicht los, als sollte die Gesellschaft über gewisse Nachrichten oder ihre Bestandteile nicht informiert werden, was in einem demokratischen Staat, in dem man die Pressefreiheit so hochhält, doch sehr befremdlich wirkt und nicht gerade für Transparenz spricht. Denn in den kurzen Fetzen die man in manchen Nachrichtensendungen sehen konnte, zeigte sich dass es wohl im Bereich der Unglücksstelle in der Severinstraße zu Bauarbeiten kam, die es so nicht hätte geben dürfen. So wurden wohl 15 anstatt genehmigter vier Brunnen gebaut und wesentlich mehr Grundwasser abgepumpt, als bislang vermutet. Nur dieser kleine Ausschnitt lässt schon wieder viele Vermutungen und vor allem auch Fragen zu. Wer trägt die Verantwortung für den Bau dieser Brunnen? Man muss wohl vermuten die KVB, denn warum sollten die ausführenden Bauunternehmen heimlich und ohne das Wissen der KVB, fast drei Mal so viele Brunnen wie zulässig bauen. Natürlich stellt der Bau dieser Brunnen auch noch keinen endgültigen Beweis der Schuld der KVB dar aber es ist ein weiterer Beweis der ganz klar eine Richtung aufzeigt.

Eine weitere Frage ist natürlich die nach der Verantwortung der Stadt Köln und damit auch letztendlich die nach der Verantwortung des Oberbürgermeisters Fritz Schramma (CDU). In einem Staat mit so engmaschigen Kontrollen in fast allen Lebensbereichen und natürlich auch speziell im Baubereich, stellt sich schon die Frage, wie man ohne das Wissen der Stadt elf Brunnen mehr als erlaubt bauen konnte. Jeder der in seinem Leben ein Mal eine Baumaßnahme durchgeführt hat bzw. hat durchführen lassen, weiß wovon hier die Rede ist. An dieser tiefgehenden Verflechtung der Stadt, der KVB usw. sieht man sehr schön, wie schwer, bis hin zu fast unmöglich, die Aufklärung dieser Katastrophe werden dürfte. Denn man hat das Gefühl, dass alle Beteiligten in ein und demselben Glashaus sitzen und sich somit natürlich niemand wagen würde mit einem Stein zu werfen, denn schließlich geht es um Menschenleben und einen Millionenschaden. Hier in der Redaktion würde es in jedem Fall niemanden überraschen, wenn der Prozess um diese Katastrophe mit einem Bauernopfer in Form einer kleinen Baufirma oder eines Ingenieurbüros enden würde. Dies wäre dann natürlich letztendlich ein Schlag ins Gesicht der Opfer dieser Katastrophe, um nicht zu sagen ins Gesicht jedes Kölners. Denn wenn Menschenleben in Gefahr sind sollten diese eine höhere Priorität haben als Kapitalflüsse, Gewinne und Machtinteressen.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Godwi // 16. Mrz 2009 at 22:49

    Das ist ein sehr guter Beitrag, der bestehende Widersprüche schön herausarbeitet.

    Ich habe mich heute auch mit dem Kölner U-Bahn-Bau beschäftigt:

    http://tonwertkorrekturen.wordpress.com/2009/03/16/kolner-u-bahn/

    Godwi

  • 2 Jürgen // 17. Mrz 2009 at 08:31

    schlimm was da in Köln passiert ist! Aber der Weiterbau der U-Bahn ist meines Wissens nicht gestoppt, trotz Berichte weiterer Anwohner über Risse in den Wänden. Hoffen wir, dass sich doch noch Einsicht durchsetzt und man der sache erst einmal nachgeht!

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