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Medien und Gewalt – Von Brunner bis Kachelmann

10. September 2010

Die Medien waren in dieser Woche schon häufiger ein Thema und diesmal soll es noch einmal um einen ganz speziellen Sachverhalt in diesem Kontext gehen, denn in dieser Woche machten zwei Prozesse Schlagzeilen in denen Gewalt eine erhebliche Rolle spielte. Zum einen wurden zu Wochenbeginn hohe Haftstrafen gegen die S-Bahn-Schläger von München verhangen und zum anderen wurde der Prozess wegen Vergewaltigung gegen den Wetterfrosch Jörg Kachelmann eröffnet. In beiden Fällen merkte man, dass die Medien doch in einer Zwickmühle steckten und nicht so recht wussten, wie sie sich in diesen Kontexten positionieren sollten. Man muss sich vor Augen halten, dass Prozesse in Deutschland noch immer vor Gerichten entschieden werden und nicht in den Medien. Auf der anderen Seite muss man wohl auch anmerken, dass die heutige Medienlandschaft einen gewissen Einfluss auf das Thema Gewalt in Deutschland hat, den man auch nicht unterschätzen sollte.

Der Fall Dominik Brunner
Dominik Brunner wurde fast auf den Tag genau vor einem Jahr an einer Münchener S-Bahn-Haltestelle zu Tode geprügelt, weil er sich einmischte, als zwei Jugendliche Kinder erpressen wollten. Er starb an Herzversagen in Folge der Gewalteinwirkung und genau dieser Punkt hat bis jetzt eine hohe Relevanz. Kurz nach der Tat waren sich die Medien sehr schnell einig, dass eine solche Tat mit aller Härte des deutschen Rechts bestraft werden müsste. Es kamen auch gleich wieder, die an dieser Stelle, einem gewissen Ritual folgenden Verdammungen von Computerspielen und ähnliches auf. Kurz nachdem Prozessauftakt, änderte sich das Bild ein wenig, denn es stellte sich heraus, dass Brunner den ersten Schlag getan hatte und das die Todesursache Herzversagen war, nun hatte der Fall plötzlich eine ganz andere Handschrift und auch der folgten die Medien nun scheinbar bedingungslos. Zum Ende dieses Prozesses stand dann allerdings fest, dass der erste Schlag Notwehr war und damit vom deutschen Recht gedeckt wurde und das sein Herz nur durch die Gewalteinwirkung stehen blieb. Plötzlich waren es natürlich wieder zwei brutale Schläger, die diese hohen Haftstrafen, die sie erhielten, auch verdienten.

Der Anwalt des Haupttäters hat mittlerweile Revision gegen das Urteil eingelegt, womit es nun vom Bundesgerichtshof (BGH) geprüft wird und sich die Frage stellt, ob das gesamte Verfahren noch einmal neu aufgerollt werden muss. Egal, wie all dies am Ende des Tages ausgehen wird, muss die Frage erlaubt sein, ob die Medien nicht besser daran täten, sich um die Ursachen von Gewalt zu kümmern, um diese zu bekämpfen, als sich ständig, wie ein Fähnchen im Wind, in die Urteilsfindung solcher Strafverfahren einzumischen. Wir leben in einer Welt in der man nur allzu oft das Gefühl hat, dass ein Menschenleben kaum noch einen Wert hat. Da sterben Tausende bei irgendwelchen Naturkatastrophen und man geht vielfach darüber hinweg, als wäre eine Viehherde verendet. Schlimmer noch man versucht, um in der Analogie des Tierreichs zu bleiben, die Kadaver noch möglichst gewinnbringend weiterzuverarbeiten. Diese ganze reale Präsenz von Missachtung des menschlichen Lebens ist mit einer der Gründe, warum auch manch Jugendlicher keine Achtung vor dem Leben mehr hat. Dies rechtfertigt natürlich nicht im Ansatz solche Taten, wie die von München, erklärt aber ein kleines Stück die Gewalt an solchen Stellen.

Der Fall Jörg Kachelmann
Der zweite Prozess, der seit dieser Woche die Gemüter im Land beschäftigt, ist der des Musterschwiegersohns und Wetterfroschs Jörg Kachelmann. Stück für Stück hat er sich über all die Jahre ein Imperium in Sachen Wettervorhersagen aufgebaut und war ständig im Fernsehen präsent und dies mit einem klaren Schwerpunkt im Bereich des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wo man die Marke Traumschwiegersohn immer gerne vermarktet. Dann kam ein Bruch in sein Leben, denn er wurde wegen dem Verdacht seine Freundin mit einem Messer verletzt zu haben und sie zum Sex gezwungen zu haben am Frankfurter Flughafen festgenommen, als er gerade aus Kanada einreiste. Auch in diesem Fall zeigte sich ein ähnlicher Weg ab, wie im eben geschilderten Fall Brunner. Mit jedem Tag die seine Untersuchungshaft länger andauerte, festigte sich ein negatives Bild von Kachelmann in den Medien. Teilweise bekam man das Gefühl hier würde versucht ein Monster zu schaffen, denn die lassen sich besonders gut vermarkten. Da es sich bei den betroffenen Personen in beiden Fällen um Medienmenschen handelt, war dies natürlich von allen Seiten noch einmal ein sehr spezieller Fall.

Vor einigen Wochen wurde Kachelmann dann aus der U-Haft entlassen und erschien auch ordnungsgemäß zu seinem Prozessauftakt, der allerdings nur gute zwei Minuten dauerte und dann wegen Befangenheitsanträgen gegen die Richter auf nächsten Montag verschoben wurde. Zwischen seiner Haftentlassung und dem Prozessbeginn, wandelte sich aber auch einmal mehr die Stimmung in den Medien. Denn man fragt nun immer häufiger, ob er vielleicht gar nicht ein solches Monster ist, sondern viel eher das Opfer einer perfiden Inszenierung wurde. Genau diese Möglichkeit ist ein weiteres großes Problem in Deutschland, denn es zeigt auf, wie einfach es ist Menschen in Misskredit zu bringen und auch dies geschieht in Deutschland täglich aber die Opfer sind halt meistens nicht prominent. Diese Vielzahl an Möglichkeiten, die der Fall Kachelmann zulässt, hat nun dafür gesorgt, dass man in den Medien einfach einmal wirklich mit der Unabhängigkeit an den Fall herangeht, mit der man es besser vom ersten Tag an schon getan hätte. Denn egal wer in diesem Fall Opfer und Täter ist, haben die Medien beiden Seiten bis jetzt schon erheblichen Schaden zu gefügt und dies hätte einfach nicht sein müssen.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien

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