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Die Wahrheit des Wortes

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Man zeigt sich geschockt

28. Februar 2012

Am Donnerstag vergangener Woche war es soweit und in einer zentralen Gedenkfeier in Berlin wurde den Opfern gedacht, die mutmaßlich durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) getötet wurden. Bundesweit erstarrte der Alltag um 12 Uhr mit einer Schweigeminute an der sich sehr viele Menschen im Land beteiligten. Außer diesen politischen, wie auch gesellschaftlichen Zeichen im Kontext der Zwickauer Terrorzelle, wie man die mutmaßlichen Täter bezeichnet, seitdem der Begriff Döner-Morde zum Unwort des Jahres gewählt wurde, gab es auch noch eine Entschuldigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die Sachverhalte, die sich mittlerweile mindestens zu einer Pannenserie aufgebaut haben. So positiv all diese Aktivitäten gegen Rechtsextremismus auch zu bewerten sind, dürfen sie nicht darüber hinweg täuschen, dass ähnliche Aktionen bislang immer ein Defizit im Bereich der Nachhaltigkeit aufwiesen, was sich auch an der hier behandelten Mordserie zeigt. Nun ist man schon wieder eine Woche weiter und muss schauen, wie es gerade auch in der öffentlichen Diskussion mit der Thematik weitergeht und vor allem, ob es überhaupt weitergeht.

Ein Schlusspunkt?
Es gibt Fakten in diesem Fall, die jetzt schon zeigen, dass man nicht wirklich viel in der Tiefe gelernt hat, denn genau wie Döner-Morde etwas sehr negatives ausdrückt, belastet jetzt der Begriff Zwickauer Terrorzelle eine ganze Stadt, ebenso zu unrecht. Es geht auch nicht um die Frage, was nun schlimmer ist, sondern einfach darum, dass ein grundsätzlicher Weg fortgesetzt wird. Auch die Entschuldigungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind natürlich erst einmal zu begrüßen und in der Sache auch sehr gut aber auch hier muss man sehen, dass es nicht nur im Kontext dieser zehn Mordopfer zu falschen Verdächtigungen und ähnlichem kam, sondern auch so etwas leider zum traurigen Alltag, im Kontext solcher Ermittlungen, gehört. Übrigens, und auch dies wurde auf dieser Trauerfeier deutlich, waren scheinbar zum Teil auch Angehörige der Opfer nicht ganz sicher, ob die Täter nicht vielleicht aus dem eigenen Umfeld kommen könnten, womit man die Ermittlungsbehörden nicht einfach pauschal verurteilen darf. In diesem gesamten Fall gibt es bis zum heutigen Tage eine so groß Grauzone, dass hier Pauschalisierungen, egal in welche Richtung, gar nichts bringen, sondern nur wirklich lückenlose Aufklärung zählt.

Veranstaltungen, wie diese in der letzten Woche, haben es leider auch immer wieder an sich, dass sie gerne dazu missbraucht werden, einen Schlusspunkt zu setzen. Ein Land hat nun kollektiv getrauert und gedacht und nun kann man wieder zur Tagesordnung übergehen. Ein Verhaltensmuster, welches man aus vielen Bereichen der Gesellschaft leider kennt. Diese Veranstaltung darf kein Schlusspunkt sein, es muss der Startschuss dafür sein, dass sich endlich einmal was tut in diesem Land, damit man nicht in ein paar Jahren wieder die nächste Gedenkfeier und Schweigeminute braucht. Man muss nur leider davon ausgehen, dass es kein Anfang war und dieses Thema jetzt wieder immer weiter verschwindet wird. Vielleicht werden es noch ein paar Ergebnisse, im Kontext der unendlich vielen offenen Fragen, in den Nachrichten relativ weit nach vorne schaffen aber auch hier wird sich wahrscheinlich die Frage stellen, wie befriedigend diese sind. Man hat sich mittlerweile natürlich auch sehr schön auf den Verfassungsschutz eingeschossen, was natürlich vor allem, vermeintlich ganz nebenbei, auch nicht uninteressant im Zusammenhang mit dem Thema NPD-Verbot sein dürfte. Dabei gibt es noch viel spannendere Fragen, auf die es aber wohl eher niemals befriedigenden Antworten geben wird.

Was geschah wirklich?
Die Mordserie, um die es hier geht, bei der neun Personen mit Migrationshintergrund ums Leben kamen, sowie eine junge Polizistin, war ganz überraschend und plötzlich einfach aufgeklärt, nachdem sich die beiden Haupttäter das Leben genommen hatten. Den Fragen, die nur bis zu dieser Stelle schon aufkommen, wird bislang kaum Beachtung geschenkt. Lange, lange Jahre kam man kein Stück weiter, obwohl die Tätergruppierung wohl bestens bekannt war und nun ist in einigen Wochen scheinbar alles aufgeklärt? Da bleibt irgendwie der Verdacht offen, dass an diesem ganzen Fall schon wieder irgendwas nicht stimmen kann. Genau diesen Verdacht gilt es nun aus den Köpfen zu bekommen und dies ist Aufgabe all derer, die nun ermitteln, sich an Ausschüssen beteiligen oder andere Aufgaben wahrnehmen. Diesen Prozess, der sich beim abzuarbeitenden Volumen wohl noch eine ganze Weile hinziehen dürfte, sollte man eigentlich nutzen, wenn sich alle bisherigen Ermittlungen stichhaltig aufrecht erhalten lassen, die Problematik Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass weit oben auf der Agenda zu belassen.

Es gibt aber noch etwas, was man gegen diese Krankheit in der Gesellschaft tun kann und zwar die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit stärken aber auch dies ist politisch scheinbar nicht gewollt. Steigende Armut spaltet die Gesellschaft immer mehr, dies ist auch kein unbekannter Fakt und Menschen, die in Armut leben, lassen sich nun einmal leichter radikalisieren. In einem Land, in dem die Politik immer weniger für die Schwachen und Hilfsbedürftigen da ist, da man sich finanziell lieber um das Wohlbefinden der Banken kümmert, von denen man dann, wie der Fall der Commerzbank aktuell zeigt, noch nicht einmal Zinsen für die Hilfen bekommt, übrigens ein großes Plus mit dem man diese Hilfen der breiten Masse verkauft hat, wächst Zorn und Wut und findet die verschiedensten Kanäle, um sich zu entladen. Wie gesagt, auch so etwas hilft solche Taten in der Zukunft zu vermeiden, wie vieles andere auch. Es gilt nur all dies nun endlich anzugehen, denn verfährt man weiter, wie man es bisher getan hat, war die Veranstaltung aus der letzten Woche nichts anderes als Heuchelei und an Zynismus kaum zu überbieten. Es wird Zeit die Weichen umzustellen, auch auf diesem Gebiet, denn sonst rollt auch dieser Zug weiter auf der falschen Spur.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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