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Die Wahrheit des Wortes

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Made in Germany als Warnsignal

17. Februar 2009

Da mussten wir doch am gestrigen Abend in der Redaktion in Köln am eigenen Leib erfahren, was `Made in Germany` so alles bedeuten kann. Unser ebenfalls in Köln ansässiger Povider sperrte kurzer Hand für über drei Stunden alle uns betreffenden Webauftritte. Interessanterweise sehen die Verträge Warn-E-Mails für verschiedene Probleme, wie zum Beispiel Trafficüberlastungen und ähnliches, vor. Seit dem gestrigen Abend wissen wir, dass es auch technische Bereiche gibt, in denen ohne jegliche, wie auch immer geartete Vorwarnung, einfach ganze Serien von Webseiten abgeschaltet werden. Noch viel schlimmer war allerdings ein Mal mehr die Leistung des Supportteams des Providers. Es zeigte sich Mal wieder, wie man es werten muss, wenn man etwa unter dem Begriff `Made in Germany`, Leistungen für teures Geld in Anspruch nimmt, schlichtweg als Warnsignal. Ob dies die richtigen Impulse sind, die Deutschland als noch Exportweltmeister Mitten in der Weltwirtschaftskrise braucht, darf mehr als bezweifelt werden, denn so bringt man die Binnenkonjunktur nicht in Fahrt.

Servicewüste Deutschland

Da waren wir mit den Redaktionsbüros in Deutschland und Österreich wieder ein Mal gefangen in Mitten der so oft beschriebenen Servicewüste Deutschland. Denn die, der Sperrung der Webauftritte aller Seiten der IG A4E, wo auch fairschreiben.de und fairschreiben.at zu gehört, folgende E-Mail, war nicht wirklich verständlich. Ein Anruf bei der vertraglich festgelegten Servicehotline ergab, dass man uns nichts sagen dürfte, bevor nicht die unverständliche E-Mail beantwortet sei. Darauf folgende Fristsetzung von unserer Seite zur Freischaltung im Kontext, dass hier die Verhältnismäßigkeit der Mittel nicht im geringsten gewahrt sei, verhallten ohne jegliche Reaktion. Natürlich entschuldigen wir uns bei allen Lesern für diese Störung und werden auch noch auf eine schriftliche Stellungnahme des Providers bestehen aber vor allem bleibt die Überlegung, sich zukünftig um einen Provider im Ausland zu bemühen, denn sehr viel schlechter sind die Leistungen im Ausland auch nicht, allerdings sind sie zum Teil wesentlich preiswerter. Letztendlich bedeutet auch dieser Schritt wieder den Abzug von Kapital aus Deutschland, allerdings fehlen einem irgendwann auch die Alternativen und Argumente, um in diesem Land noch Kapital zu investieren.

Ein anderer großer Provider aus Deutschland, mit dem wir zuvor zusammenarbeiteten und dessen Name letztendlich Zwei ergibt, war noch untragbarer, was unterm Strich ein weiteres Indiz gegen den Standort Deutschland ist. Hier wurden Leistungen, die nicht im vertraglichen Rahmen erfüllt wurden, damit quittiert, dass der Vertrag über Monate, scheinbar ohne am Problem zu arbeiten, kostenfrei geführt wurde, um dann ohne Ergebnis plötzlich wieder auf die laufenden Zahlungen zu bestehen. Hier scheint natürlich der Verdacht des Betruges Nahe zu liegen. Die in diesem Zusammenhang eingeschaltete Staatsanwaltschaft, wies diesen Verdacht allerdings sehr schnell ab, was auch einige Vermutungen zulässt. Werden deutsche Unternehmen gar gezielt geschützt? Letztendlich wäre dies natürlich auch ein Plus für die Volkswirtschaft, allerdings mit dem Kunden als Verlierer. Dies wäre dann natürlich ein gefundenes Fressen für den Verbraucherschutz und hier für gibt es letztendlich sogar ein eigenes Bundesministerium, welches bis vor einigen Monaten vom heutigen CSU-Bigplayer Horst Seehofer (CSU) geleitet wurde aber auch hier kommt allzu oft die Vermutung auf, dass nicht der Verbraucher, sondern genau die andere Seite, geschützt werden soll.

Motivation durch Billiglohn?

Nun muss man sich natürlich auch ein Mal die Gesamtstruktur in der deutschen Wirtschaft ansehen, die zu einem nicht unerheblichen Teil auf Niedrigstlohnniveau oder unbezahltem bzw. schlecht bezahlten Praktikumsplätzen basiert. Wie hoch hier der Motivationsgrad der einzelnen Mitarbeiter sein dürfte, ist offensichtlich. Es geht aber noch weiter, denn mittlerweile wird ein nicht zu unterschätzender Anteil an Produktionsbestandteilen gar nicht mehr im Inland, also in Deutschland, hergestellt, sondern nur noch hier verbaut, um dann den Stempel `Made in Germany` zu erhalten. All dies sind weitere Faktoren die deutsche Wertarbeit untergraben und somit letztendlich einen sehr großen Teil des Fundamentes deutschen Wirtschaftswachstums und somit letztendlich auch unseren Wohlstand untergraben. Genau diese Fakten verschlimmern die Lage des Landes in Zeiten der Weltwirtschaftskrise natürlich noch ein Mal um ein Vielfaches. Allerdings erweitert eine solche Unternehmenspolitik, zu mindestens kurzfristig, die Gewinnspannen der so verfahrenden Unternehmen. Sollten sich in der Folge dann Risse in der Fassade zeigen, beruft man sich allzu gerne auf die Weltwirtschaftskrise und möchte den Staat, also den Steuerzahler mit ins Boot holen, um die entstandenen Probleme zu lösen. Dies sollte kein Staat mittragen.

Wie die aktuellen Unterstützungsprogramme für die Banken im Speziellen, aber auch für die Wirtschaft im Allgemeinen zeigen, unterstützt die deutsche Regierung, wie natürlich auch viele andere europäische Regierungen, diesen kundenfeindlichen Weg allerdings. Im Bereich des Konsums ist man vielfach noch auf `Made in Germany` angewiesen, unabhängig davon, was dies letztendlich bedeutet. Auch wenn jeder versuchen sollte das Preisleitungsverhältnis mehr in den Vordergrund zurücken und sich weniger von vermeintlichen nationalen Einkaufsgedanken leiten lassen sollte, sollte man auch beachten, dass in der Politik andere Gesetzmäßigkeiten als in der Wirtschaft gelten. Dies bedeutet, wenn die Regierung nicht in der Lage oder Willens ist, sich für den Schutz von Verbrauchern ausreichend einzusetzen, besteht hier, gerade auch im Superwahljahr 2009, die Möglichkeit sich für einen Politikwechsel stark zu machen. Denn, wie die zu Beginn geschilderten Beispiele gezeigt haben, liegt das Hauptaugenmerk der Regierung ganz offensichtlich nicht auf der Seite des Volkes, sondern auf dem Teil der Großkonzerne, die nur allzu oft keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen wollen und ihr Fehlverhalten somit am Konsumenten bzw. im schlimmsten Fall an den Arbeitnehmern auslassen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Technik · Wirtschaft

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