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Die Wahrheit des Wortes

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Legaler Massenmord – Der leise Tod

17. März 2011

Wenn man einen Massenmord begehen möchte und wissen will, wie man straffrei davon kommt, sollte man vielleicht einfach einmal die Machthaber des einen oder anderen Industrielandes fragen, die dürften Antworten am Start haben. Gut, dies mag wieder zynisch klingen aber wenn man in diesen Tagen nach Japan schaut, muss man den Begriff Zynismus scheinbar so oder so völlig neu definieren. Seit Samstag fliegen in der Nähe von Tokio nach und nach Atomreaktoren in Reihe in die Luft und man versucht in den japanischen Medien aber zum Teil auch hier, die Situation zu schönen, wo es nur geht. Man schafft sogar ganz neue Begriffe, um von dem, was hier im Moment geschieht, abzulenken. Wenn man sich allein die Definition des Großraum Tokios anschaut, hat man eine Abweichung von bis zu fünf Millionen Menschen. Man hofft auf das Wetter, welches vielleicht vorerst Tokio verschont aber das Problem nicht tatsächlich kleiner macht. 35 bis 40 Millionen Menschen und letzteres stellt etwa die Hälfte der Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland dar, kann man nicht evakuieren. Was für ein Opferpotenzial. All dies kommt so überraschend, mag man meinen, wenn man der Berichterstattung folgt aber weder das Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima, noch Tokio wurde erst vor kurzem erbaut.

Legaler Massenmord?
Wir reden bei solchen Fakten, wie wir sie gerade in Japan erleben, vom so genannten Restrisiko, welches allgemein bekannt war, es wohl nur einen kleinen Fehler in der Wahrscheinlichkeit gab. Nun, wo genau dieser Punkt eingetreten ist, versucht man es besser klingen zu lassen. Man streitet über Begriffe, wie zum Beispiel GAU oder Super-GAU und auch über die Begrifflichkeit der Kernschmelze und spricht lieber von einer Teilkernschmelze. Ein GAU ist noch kontrollierbar, ein Super-GAU ist nicht mehr kontrollierbar. Man kann sich nun an den bekannten Bildern sein eigenes Bild machen, was in Fukushima, in den dortigen Reaktoren seit Samstag noch kontrollierbar ist. Ähnlich ist es mit Teilkernschmelzen und Kernschmelzen, wenn es erst einmal alles in Schutt und Asche liegt und darauf wartet man letztendlich scheinbar, wird wohl das eine, sprichwörtlich, in das andere übergegangen sein. Wir reden jetzt schon von einer Situation, die unzähligen Menschen das Leben kosten wird und die Zahl der Opfer durch das, was sich im Moment in Fukushima abspielt, dürfte auf lange Sicht die Opfer der Erdbebebenkatastrophe und des Tsunamis um ein Vielfaches überschreiten und sich auch nicht nur auf Japan beschränken. All diese Optionen waren der Betreibergesellschaft Tepco, wie auch den genehmigten Behörden und der Regierung vom Tag der Inbetriebnahme an bekannt, man hat nur gehofft, dass es niemals soweit kommt.

Diese Hoffnung ist nicht aufgegangen, schlimm genug aber die Taktik des Verschleierns und Herunterspielens dürfte für noch mehr Opfer sorgen. In sofern ist man geneigt hier schon von einem legalisierten Massenmord zu reden. In Libyen, einem weiteren aktuellen großen Krisenherd unserer Zeit, stellt es sich, wenn die Interpretationen westlicher Medien so stimmen, wie sie verkauft werden, wohl so dar, dass der Machthaber, Muammar al-Gaddafi, mit Kampfjets jagt auf die macht, die den Umsturz im Land wollen. Diese Opfer sind zum Teil direkt sichtbar und zählbar und man verurteilt dieses Vorgehen massiv. In Japan sieht es anders aus, da gibt es die Opfer des Erdbebens bzw. Seebebens und des Tsunamis, hierfür kann man letztendlich, wenn man nicht die weltweite Siedlungspolitik ganz allgemein hinterfragen will, niemanden verantwortlich machen aber um die geht es in der Frage, der atomaren Katastrophe von Fukushima, gar nicht. Es geht um die Menschen, gerade auch im Großraum Tokio, die überall die Jahre an unerklärlichem Krebs oder ähnlichem versterben werden und man diese Opfer kaum noch in den Medien sehen oder realisieren wird und sie wohl kaum dieser Katastrophe zuordnen wird. Wenn wir hier nun von japanischen Opfern reden, ist es gerade in einem Land mit einer solchen geschichtlichen Vorbelastung in diesem Kontext schon schlimm genug, zeigt aber noch nicht das wahre Ausmaß all dessen.

Der leise Tod?
Opfer die man nicht zuordnen kann, kann man auch nicht zählen, auch ein trauriger Fakt solcher Katastrophen. Es ist im Moment auch gerne die Reden von einem Zeichen, welches man erst jetzt klar und deutlich erkennen kann, was 25 Jahre nach Tschernobyl einfach nur zynischer ist, als alles was man sich hätte ausmalen können. Die wahren Ausmaße Tschernobyls dürfte bis zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand umfassend realisiert haben und Fukushima dürfte da noch eine Nummer gewaltiger werden. Man freut sich förmlich darüber, wenn der Wind dreht und alles über den Pazifik abzieht aber abziehen heißt nicht verschwinden. Die Probleme verschwinden so nicht, sie werden nur verlagert und somit im besten Fall temporär verschoben. Die hier freigesetzten hochtödlichen Gifte bleiben in der Atmosphäre, werden durch Fische auf den Tellern in den Restaurants weitergegeben und die Menschheit fragt sich, warum Krebs und ähnliches auf dem Vormarsch ist. 1986 war noch die Frage, wo und wann die atomare Wolke abregnet und ähnliches relevant, 25 Jahre später, in einer völlig globalisierten Welt, stellt sich diese Frage eigentlich gar nicht mehr wirklich, denn durch die Fakten, die die globalisierte Welt geschaffen hat, werden wir am Ende des Tages alle auf die ein oder andere Art und Weise Opfer dieses Wahnsinns sein. Man wird nicht weggebombt und stirbt auch nicht plötzlich an einer Strahlenüberdosis. Es wird viel mehr ein schleichender, leiser Tod werden und diese Opfer kann man kaum zählen.

Es ist eine Welt, wie sie keiner wollte aber wie konnte sie dann entstehen? Im Moment verurteilen sehr viele Menschen, sehr plötzlich die Atomkraft. Gegen den Fakt der Ablehnung ist auch erst einmal gar nichts zu sagen aber man fragt sich, wo diese Diskussionen  bislang waren. Es wird auch spannend sein, wie lange diese Diskussion im Fokus der Öffentlichkeit bleibt, gerade auch wenn, wann auch immer, in Japan wieder eine Art Normalität eintritt oder das, was man als solche verkauft. In gut einer Woche stehen in Baden-Württemberg sehr wichtige Landtagswahlen an, bis dahin gilt die japanische Atomkatastrophe als das beste Mittel im Wahlkampf gegen aber auch für den Landesvater Stefan Mappus (CDU). Man darf gespannt sein, ob es danach auch noch eine solche politische Debatte gibt, ob gerade auch die etablierten Massenmedien, dann noch so im Thema sind und letztendlich was aus der großen Anteilnahme in der Bevölkerung, die gerade so massiv ist, wird. Vielleicht kehrt auch hier wieder schneller die Lethargie zurück, als manch einer noch glaubt. Und dann? Vielleicht knallt es 50 Jahre nach Tschernobyl und 25 Jahre nach Fukushima wieder irgendwo auf der Welt, vielleicht dann in Deutschland. Egal wo, man wird wieder überrascht sein, von einem nie da gewesenen Zeichen sprechen und sich weiter fragen, warum immer neue, aggressivere Krankheitsbilder entstehen. So war es, so ist es und so wird es wohl auch bleiben.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Andrea Bondi // 17. Mrz 2011 at 14:06

    Legaler Massenmord trifft es ganz genau! Die immer mehr werdenden “Verschwörungstheoretiker” behaupten ja schon seit Jahren, dass wir einer neuen Weltordnung entgegen streben. Zu dieser neuen Weltordnung gehört auch die erhebliche Dezimierung der Weltbevölkerung, um die “Lebensqualität” der “Auserwählten” zu erhöhen! Wie könnte man diese gesteuerte Dezimierung besser durchführen, als unter Zuhilfenahme solcher Katastrophen? Es ist KEIN Zufall, dass sowohl die Quantität, als auch die Qualität der Katastrophen weltweit, permanent ansteigt!
    Da werden ungeheuerliche morphogenetische Felder geschaffen, insofern, als die Massen gezielt, tagein, tagaus mit apokalyptischen Meldungen überschüttet werden, bis sie diesen Allgemeinzustand als “normal” empfinden! So kann dann ganz legal an der geplanten Dezimierung der Weltbevölkerung weitergearbeitet werden, ohne dass Argwohn entsteht!
    Und die “Verschwörungstheoretiker” werden nach wie vor als Spinner abgetan! Es ist ja auch viel einfacher, an diese vorgegebenen Katastrophen zu glauben!
    Das System hat hervorragende Vorarbeit geleistet! Wir werden wahrscheinlich erst aufwachen, wenn es wirklich schon zu spät ist!

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