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Die Wahrheit des Wortes

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Lech Kaczynski ist tot – Polen und Europa trauern

10. April 2010

Auch wir hier in der Redaktion in Köln waren geschockt, als uns vor einigen Stunden, beim veröffentlichen des Wochenrückblicks, die Nachricht erreichte, dass der polnische Präsident Lech Kaczynski bei einem Flugzeugabsturz in Russland ums Leben gekommen war. Im Moment überschlagen sich die Nachrichten noch und somit ist die Nachrichtenlage recht diffus. Fakt ist, dass Lech Kaczynski mit einer Delegation auf dem Weg in das im Westen Russlands gelegene Smolensk war. Er wollte mit seiner Ehefrau, die ebenfalls unter den Opfern dieser Katastrophe ist, an einer Gedenkfeier zur Ermordung polnischer Offiziere, die in Katyn vor 70 Jahren vom russischen Geheimdienst NKDW ermordet worden waren, teilnehmen . Wieso die Präsidentenmaschine vom Typ Tupolew TU-154 abstürzte ist bis zur Stunde noch völlig unklar. Fakt ist, dass es sich um eine in ihrer Reichweite noch nicht bestimmbare Katastrophe für Polen und Europa handelt.

Verlust der Elite der Nation
Der Gouverneur der Region Smolensk, Sergej Anufrijew, teilte mit, dass diese Katastrophe im dichten Nebel wohl niemand überlebt haben könnte. Neben Lech Kaczynski und seiner Ehefrau Maria, waren auch noch der Zentralbankchef  Slawomir Skrzypek, Armeechef Franciszek Gagor, sowie der stellvertretende Außenminister Andrzej Kremer an Bord der Unglücksmaschine. Bei einer solchen Delegation ist es nur verständlich, dass Polens Ex-Präsident Lech Walesa sagte, die `Elite der Nation` sei gestorben. Welche Auswirkung der Verlust so vieler hochrangiger Persönlichkeiten auf Polen selbst haben wird aber auch die Frage, was dies für Europa bedeutet, ist natürlich im Moment noch nicht einmal im Ansatz zu erahnen. Kaczynskis Rückhalt in der Bevölkerung hatte über Zeitdauer seiner Amtszeit doch stark nachgelassen, so lagen seine Zustimmungswerte zuletzt noch bei circa 25 Prozent. Im Herbst wäre er erneut zur Wahl angetreten und zwar gegen den heutigen Parlamentspräsidenten Bronislaw Komorowski. Ironie des Schicksal ist es, dass genau dieser nun laut der polnischen Verfassung die Nachfolge Kaczynskis antritt.

Donald Tusk, der Jaroslaw Kaczynski, den Zwillingsbruder des nun verstorbenen Präsidenten, im Amt des Regierungschefs folgte, brach laut Medienberichten in Tränen aus, als er die Nachricht vom Tod des Staatspräsidenten erhielt. Natürlich ist er mit seiner Trauer nicht allein. Auch in Polens Hauptstadt Warschau begannen die Menschen spontan damit Blumen niederzulegen. Auch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland aber auch die Oppositionsparteien drückten umgehend ihr Mitgefühl aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich im Laufe des Tages auch noch einmal ausführlich im Kanzleramt zum Tod des polnischen Präsidenten äußern. Das Unglück ereignete sich gegen 9 Uhr unserer Zeit. Am Flughafen Smolensk, wo es zu dieser Zeit schon 11 Uhr waren, herrschte dichter Nebel. Der Pilot soll wohl den Hinweis erhalten haben in das weißrussische Minsk auszuweichen, hat es allerdings fatalerweise trotzdem in Smolensk versucht. Laut aktuellen Berichten in den Medien hat er dabei wohl die Baumspitzen des umliegenden Waldes gestreift, daraufhin ist die Maschine dann wohl fast einen halben Kilometer vor der Landebahn zerschellt.

Auch ein Schock für Russland
Kremlchef Dmitrij Medwedjew zeigte sich natürlich ebenfalls schockiert über diese Katastrophe. Er wollte sich in Katyn mit Kaczynski zur Trauerfeier treffen. Das tragische an dieser Katastrophe ist, dass Katyn jahrelang ein großes Problem zwischen den Polen und ihrem großen Nachbarn war. Denn die Russen leugneten Jahrzehnte lang, dass sie für dieses Massaker verantwortlich gewesen seien. Hier behauptete man immer wieder, dass die Täter nicht aus den Reihen de russischen Geheimdienstes NKDW gestammt hätten, sondern es die Nazis gewesen sein sollten. Ein solches gemeinsames Gedenken zum 70. Jahrestags zeigt natürlich auch, wie positiv die Verbindung dieser beiden Länder mittlerweile ist. Aber nicht nur Medwedjew zeigte sich geschockt, der russische Premierminister Wladimir Putin, der erst vor einigen Tagen gemeinsam mit Donald Tusk den Opfern von Katyn gedachte, machte sich auch direkt auf den Weg zur Unglücksstelle. Auch schon auf Grund dieser ganzen Reaktionen zeigt sich, wie weitreichend diese Tragödie ist und es bleibt nun abzuwarten, was sich in den nächsten Stunden und Tagen noch alles ergeben wird. In jedem Fall steht jetzt schon fest, dass dies ein dunkler Tag in der polnischen Geschichte sein wird.

Natürlich bietet der Tod des polnischen Präsidenten auch wieder einen guten Nährboden für Verschwörungstheorien, denn wenn so viele hochrangige Persönlichkeiten bei einer solchen Katastrophe ums Leben kommen, stellen sich viele Fragen, die nun aufgearbeitet werden müssen. Denn auch wenn der Typ an Flugzeuge welches hier abstürzte, seit 2006 nicht mehr gebaut wird, ist es kaum vorstellbar, dass es an der polnischen Präsidentenmaschine irgendwelche Probleme mit der Technik gegeben haben könnte. Warum der Pilot trotz der miserablen Wetterverhältnisse eine Landung versuchte, wird wohl auch erst einmal im Verborgenen bleiben. Aufschluss könnte die Blackbox geben. Diese zu bergen könnte allerdings ein kleines Problem ergeben, da sich um den Flughafen herum wohl Sumpfgebiete befinden. Man muss aber natürlich realistisch festhalten, dass es keinerlei Vermutungen oder Anzeichen gegeben hatte, die einen Anschlag in irgendeiner Form in Betracht kommen lassen. Die nächsten Tage und Wochen werden aber natürlich auch hier Klarheit bringen und bis dahin dürfte vor allem die Trauer eines Landes, die Trauer eines Kontinents das Thema sein.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik

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