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Die Wahrheit des Wortes

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Leben wie Gott in Rumänien

18. Januar 2008

Im Rahmen der Schließung von Nokia in Bochum, die wohl nicht nur ich als unumgänglich ansehe, macht sich auch der Landesvater Nordrhein-Westfalens, Jürgen Rüttgers (CDU) stark. Dieser Fakt ist natürlich erst ein Mal als positiv hervorzuheben. Wobei Statements, die bei mir so ankommen, als wollte er hier Arbeitsbedingungen wie in Ungarn schaffen, mehr Fragen als Antworten aufwerfen. Nokia hat vom Bund und Land fast 90 Millionen Euro Subventionen bekommen, man könnte da schon fast sagen, dass das Werk dem Volk gehört. Nun sollen die Menschen aber trotzdem auf dem Niveau ungarischer Arbeitnehmer arbeiten? Dies aber wohl gemerkt bei deutschen Lebenshaltungs- und Mietkosten. Was will uns das sagen?

Sklaverei als ökonomische Idee

Meiner Auffassung nach, sollte Herr Rüttgers (CDU), sofern ich ihn richtig verstanden habe, einfach die passende Aussage hinzufügen. Die da lauten könnte: `Gewinnmaximierung für Konzerne und den Staat, steht vor dem Wohlergehen der Bevölkerung`, dann weiß jedenfalls jeder wo er dran ist. Es mag zynisch klingen aber einige Ökonomen haben im Zusammenhang mit der Schließung von Nokia gesagt, dass dieser Entschluss, rein ökonomisch gesehen, sinnvoll sei. Dem kann ich nichts entgegen setzen. Ich möchte diese These allerdings erweitern, denn es gibt etwas ökonomisch noch sinnvolleres, wir führen hier einfach die Sklaverei ein, dann können wir uns auch problemlos gegen Rumänien und Ungarn durchsetzen, was die Personalkosten angeht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Stimmungsmache gegen Billiglohnländer nur den Sinn hat, davon abzulenken, dass wir genau auf dem Weg dorthin sind.

Man darf nie vergessen, dass ein scharfer Blick auf die Realität, nicht immer gleich mit Pessimismus zu verwechseln ist. Vor einigen Tagen gingen durch die großen Medien Berichte, die nicht gerade hoffnungsvoll für die Zukunft, der heutigen Rentenbeitragszahler waren. Die Altersversorgung scheint mehr und mehr den Bach runter zu gehen. Private Vorsorge soll mehr und mehr, von staatlicher Hilfe abgezogen werden und nutzt somit auch nur noch bedingt. Die Eigenverantwortung im Gesundheitswesen steigt, meiner Auffassung nach, mindestens genauso schnell, wie die Beiträge. Auch dies sind ökonomisch gesehen gute Fakten, denn steigert man die Einnahmen und senkt die Ausgaben, erhöht dies den Gewinn. Noch besser ist es natürlich, wenn die Einnahmen gesetzlich gesichert sind und das ohne tatsächliche Garantien hinsichtlich der Leistungen für die gezahlt wird. Ein Detail, welches für die Privatwirtschaft undenkbar wäre. Aber wer interessiert sich schon für die Details.

Mauerkosten

Wobei man bei den Sozialversicherungen faireshalber sagen muss, dass es gar nicht so sehr um Gewinnmaximierung im klassischen Sinn geht. Denn hier fließen natürlich außer den ökonomischen Faktoren, auch noch unter anderem geschichtliche Faktoren mit ein. Die Mauer fiel. Alle freuten sich, ob Ost oder West. Meiner Meinung nach, wäre der Freudentaumel wahrscheinlich damals im Keim erstickt, hätte man den Menschen direkt klar gemacht, dass zu den damals ca. 63 Millionen Einwohnern der BRD, knapp über 16 Millionen Einwohner der DDR hinzu kommen würden und das natürlich in der Folge bedeutet, dass sie auch in die Sozialsysteme eintreten. Dann waren und sind da natürlich noch die gesamten Kosten für den Umbau einer Infrastruktur etc. und jedem müsste klar gewesen sein, dass das alles nicht nur über einen Solidaritätszuschlag alleine zu managen ist. Aber wie hätte man das in den Jahren 1989, 1990 verkaufen sollen? Wahrscheinlich gar nicht. Da waren Aussagen zu `blühenden Landschaften` schon die bessere Medizin fürs Volk.

Die Aussage über `blühende Landschaften`, die ich erst Mal für realistischer halte, als die das die Renten sicher sind, ist auch gar nicht so verkehrt. Denn natürlich hat sich in der Tendenz, zu mindestens ein Tor zu neuen Möglichkeiten durch die Maueröffnung ergeben. Man muss nur auch berücksichtigen, dass Westdeutschland, gerade auch mit der Kohleproblematik im Ruhrgebiet und der Wandlung dort, auch nicht völlig problemfrei in die Wiedervereinigung gegangen ist. Auf lange Sicht und damit könnte man gegebenenfalls auch Mal von einem Jahrhundert reden, wird es das Land nach vorne bringen aber nicht innerhalb von ein, zwei oder drei Jahrzehnten, dafür ist das Volumen dessen, was zu tun ist, einfach zu groß.

Leben wie Gott

Man kann damit sagen, dass der Fall der Mauer langfristig nicht nur aus menschlicher Sicht ein Glücksfall war. Aber man muss auch darauf achten, dass in Deutschland nicht irgendwann aus `Leben wie Gott in Frankreich`,  `Leben wie Gott in Rumänien` wird.

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Kategorie: Politik · Wirtschaft

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