fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Krise Koalition und Kirche

12. Januar 2009

Heute will die Große Koalition in Berlin endlich ein zweites Konjunkturprogramm auf den Weg bringen. Man darf gespannt sein, welche Ergebnisse dabei erarbeitet werden. Spannend wird es natürlich auch mit anzusehen, was all dies, außer einem riesigen Berg an Schulden, noch bringen wird. Vor allem zeigt sich aber auch weiterhin, dass man in der Krise genau schauen muss, wem man noch Glauben schenken darf. An jeder Ecke wird einem klar, dass es letztendlich außerordentlich selten um wahrhaftige Lösungsvorschläge geht, sondern ein Mal mehr vor allem um die Vertretung eigener, meist finanzieller, Interessen. Dies gilt natürlich in aller erster Linie für die Wirtschaft aber ebenso auch für den politischen Sektor, wie auch für die Kirche. Wem soll man also in solchen Krisenzeiten noch vertrauen?

Der Steuerzahler darf doppelt und dreifach bezahlen

Da wurden hunderte von Milliarden an Euros für die Banken zur Verfügung gestellt und das in einem Eilverfahren, welches Deutschland so noch nicht gesehen hatte. Bis zum heutigen Tag verweisen Politiker immer wieder sehr gerne darauf, dass das Geld nicht für die Banken gedacht war, sondern für die Bürger und den Mittelstand. Diese Gelder, die die Banken direkt oder in Form von Bürgschaften bekamen, sollten dafür sorgen, dass wieder mehr Geld in Form von Krediten vergeben wird. Dieser Plan ging ganz offensichtlich nicht auf. Denn obwohl das Kapital zur Verfügung steht und sich auch schon einige Banken bedient haben, steckt das Land weiter in einer Kreditklemme, die letztendlich in einigen Fällen zu Insolvenzen und damit zum Abbau von Arbeitsplätzen führen wird. Um genau dies zu verhindern, will der Staat nun Unternehmen direkt helfen. Dies bedeutet der Staat und damit letztendlich der Steuerzahler, darf nun schon zum zweiten Mal sehr tief in die leeren Taschen greifen, um ein und dasselbe Problem zu lösen und auch dies wird nicht zu einer Jobgarantie werden. Wie zweifelhaft die staatlichen Engagements an dieser Stelle sind, zeigen aber auch noch andere Beispiele.

Scheinbar konnte sich die Commerzbank, die Dresdner Bank finanziell nicht leisten. Man muss jetzt aber nicht denken, dass der Deal damit geplatzt sei. Denn jetzt springt eben der Staat, mit der Übernahme von mehr als einem Viertel des Aktienvolumens, bei der Commerzbank ein und somit kommt es ganz nebenbei noch zu einer Teilverstaatlichung der zweitgrößten Bank der Bundesrepublik Deutschland. Vielleicht sollte sich fairschreiben.de auch ein Mal an die Bundesregierung wenden und anfragen, ob man uns genügend Kapital für eine Übernahme eines großen Konkurrenten zur Verfügung stellt. Denn kaufmännische Belange, wie der Fakt das man sich ein solches Unternehmen gar nicht leisten kann, scheinen in der Form, der hier vorhandenen Marktwirtschaft, kein Kriterium zu sein. Bei all den Schulden die jetzt gemacht werden, kann man nur hoffen, dass sie sich auch für die späteren Generationen, die ein Mal mehr diese Suppe auslöffeln dürfen, wirklich rechnen und sich die Lage nicht auf längere Sicht noch mehr verschlimmert. Die Einhaltung der Maastricht-Kriterien war genauso ein Hauptziel der Großen Koalition, wie ein ausgeglichener Haushalt. Keines dieser Ziele wird wohl dauerhaft in der Zukunft erreicht werden. Womit man in jedem Fall auf diesem Gebiet die Arbeit der Bundesregierung aus CDU und SPD als ungenügend bezeichnen muss.

Die Kirche und das Kapital

Aber nicht nur in der Wirtschaft und der Politik steht die Heuchelei scheinbar ganz oben auf der Agenda, bei der Kirche verhält es sich nicht anders. Da hörte man zur Weihnachtszeit und zum Jahreswechsel aus den verschiedenen kirchlichen Ecken, wie der falsche Umgang mit Kapital bemängelt wurde. Dies aus den Mündern zu hören, die in Deutschland sogar über eine eigene Steuer verfügen, ist schon etwas befremdlich. Die geistliche Seite dieser Republik hat ganz offensichtlich noch nicht ein Mal ein Problem damit, dass der Glaube besteuert wird. Natürlich kommen Menschen ins Grübeln, wenn der Glaube auch noch steuerlich belastet wird. Christ sein bedeutet auch in Zeiten der Krise in Deutschland, dass man zahlen muss. Eine sehr spannende Auslegung einer Religionsidee. Diese Idee ist allerdings gerade auch in Krisenzeiten immer schlechter umzusetzen, denn immer mehr Menschen kehren der Kirche den Rücken, um so die Kirchensteuer zu umgehen. Man darf abwarten, wie die Kirchen auf diesen Trend reagieren werden. Vielleicht zahlt man irgendwann ein Mal direkt für christliche Dienstleistungen. Vier Euro Eintritt in die Kirche, zwei Euro für eine Beichte usw. Es gäbe viele Möglichkeiten, wie man das Christentum wirtschaftlich gesehen noch effizienter gestalten könnte.

In einer Zeit in der es vielen Menschen so oder so schwer fällt an so etwas abstraktes, wie einen Gott zu glauben, sollte man nicht auch noch in Heuchelei verfallen und den Kapitalismus kritisieren, den man selber zelebriert. Denn Glaube bedeutet nicht zwangsläufig Glaube an Gott und wenn man nicht an Gott glaubt, stellt sich natürlich die Frage, warum man mit der Kirchensteuer diese Glaubensrichtung auch noch unterstützen sollte. Die Kirche sollte in dieser Krisenzeit vielleicht eher mit Antworten auf die Fragen, die die Gesellschaft in der Weltwirtschaftskrise beschäftigen, aufwarten, anstatt den Kapitalismus zu verteufeln. Mönche bringen CDs auf den Markt, Geistliche sind als Berater tätig, alles Dinge die nicht gerade für die Ablehnung des Kapitalismus sprechen. Natürlich ist es legitim, dass sich auch die Kirche wirtschaftlich an die allgemeinen Bedingungen anpasst aber dann bitte nicht auf der anderen Seite genau darüber klagen, denn so etwas schadet vor allem der Glaubwürdigkeit der Kirche. Ein bisschen weniger Kritik und dafür mehr glaubwürdige Antworten auf die Krise, so sollte es sein und nicht umgekehrt.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu