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Die Wahrheit des Wortes

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Kredit ist nicht gleich Kredit

3. September 2009

Es scheint als sei die Bundesregierung gerade noch dabei Abschiedsgeschenke vor den Wahlen im Herbst zu verteilen. Dies dürfte Josef Ackermann und seine, im Kanzleramt so gerne gesehenen Freunde doch sehr freuen. Weitere 10 Milliarden Euro für die Banken sind nun beschlossen worden aber auch hier ist nicht mit großen Protesten derer, die die Zeche zahlen werden zu rechnen. Die meisten Menschen haben offensichtlich den ernst der Lage noch nicht gänzlich erfasst. Jeder Cent der an Steuergeldern ausgezahlt wird, muss irgendwann auch wieder durch den Staat eingenommen werden. Dieser Fakt wird vielfach unterschätzt. Die Bundesrepublik Deutschland ist jetzt schon auf Generationen hin verschuldet, macht aber lustig und munter immer neue Schulden. Sinn dieser immer höheren Staatsverschuldung ist es, die Wirtschaft anzukurbeln aber genau dies scheint im Moment nicht zu klappen und der Herbst, wie auch der Winter können noch richtig hart werden. Man sollte sich also schon einmal auf saftige Steuererhöhungen und weitere massive Einschnitte in den Sozialsystemen einstellen, denn am Ende des hochverschuldeten Tages wird es wohl gar keine anderen Möglichkeiten mehr geben.

Ein Strohfeuer für die Automobilbranche

Die SPD lobt ihre Abwrackprämie, die den Automobilsektor gerettet habe. Dies ist eine interessante Aussage, denn bislang hat sie den Patienten nur am Leben gehalten und ob er wirklich unbeschadet überleben wird, wird sich nun erst langsam zeigen. Der Topf der Abwrackprämie ist nun leer, nun heißt es wieder unter ganz normalen Bedingungen Autos zu verkaufen. Da diese Bedingungen aber nicht die allerbesten sind, prophezeit manch einer schon der Hälfte aller Autohändler das Aus. Man darf gespannt sein, was man dann von Seiten der SPD sagt. Auch hier sollten die Menschen, die sich so sehr über die Abwrackprämie gefreut haben, wissen, dass sie auch dieses Geld Stück für Stück an den Staat zurückführen werden müssen. Ob dies irgendwann durch eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer geschieht oder ob man vielleicht so etwas, wie zum Beispiel einen Soli für die Folgen der Weltwirtschaftskrise einführen wird, wird die Zukunft zeigen. Im Moment hat es den Anschein, als hätte auch diese massive Subventionierung, eines bestimmten Teils der deutschen Wirtschaft, nur den Effekt eines Strohfeuers gehabt und dies ist natürlich gerade in der Automobilbranche sehr fatal. Wie bei vielen anderen Fakten in dieser Zeit auch, darf sich die Gesellschaft aber auch hier sicher sein die ganze Wahrheit erst zu erfahren, wenn es zu spät ist. Dies bedeutet auch hier wird es die Fakten erst nach den Bundestagswahlen geben.

Die Informationspolitik in Deutschland hat sich scheinbar so oder so in den letzten Monaten massiv verschlechtert und hier drin steckt auch ein gewisser Vorwurf gegenüber den Medien. Diese gehen in letzter Zeit scheinbar immer häufiger hin und übernehmen ungeprüft Aussagen aus Politik und Wirtschaft, die sich später als Fehlinterpretationen oder ähnliches zeigen. So kommt es zu einer völlig verwirrenden Nachrichtenlage, die in vielen Fällen Desinteresse auslöst. Desto weniger Menschen sich aber nun dafür interessieren, was sich in der  Wirtschaft und der Politik auf dieser Welt und damit auch in Europa und natürlich auch hier in Deutschland tut, desto weniger Menschen sind gewillt und in der Lage gegen die Fehlsteuerungen in diesem System zu kämpfen. Nehmen wir das Beispiel Opel, immerhin sprach man hier schon einmal von einigen Gedanken zum Thema Protest, was man natürlich als zarten Anfang bewerten kann, trotzdem scheint auch hier erst etwas zu passieren, wenn es zu spät ist. Immer wieder wurde in den letzten Wochen von der Rettung des Unternehmens gesprochen. Es schien schon festzustehen, dass Magna Opel retten würde. Dann gab es eine neue Runde aus der sich neben Magna, auch noch RHJ International als Retter herauskristallisierte. Dann hieß es, dass nun alles kurz vor dem Abschluss stünde und die letzten unabänderbaren Angebote abgegeben seien. Nun heißt es plötzlich, dass RHJ International noch einmal ein verbessertes Angebot nachgereicht hätte. Es scheint mittlerweile wirklich nur noch, um eine gezielte Verzögerungstaktik bzw. Verwirrungstaktik zu gehen und um mehr nicht.

Bankenzynismus

Aber natürlich sprechen wir nicht nur von Opel oder vom reinen Automobilsektor, wenn wir von massiven Problem sprechen, wir sprechen von der gesamten Wirtschaft in Deutschland, die noch immer mitten in der Krise steckt, auch wenn hier oft genug versucht wird das Gegenteil zu vermitteln. Ein weiteres riesiges Problem ist die Versorgung des Marktes mit Kapital. Hier sprechen wir von dem klassischen Aufgabenbereich der Banken aber die sehen ihren Hauptaufgabenbereich mittlerweile scheinbar mehr im Sektor des Zockens. In den letzten Monaten gab es verschieden Spielarten, wie die Bundesregierung aber auch die Europäische Zentralbank (EZB) es den Banken erleichterte Geld an die Märkte weiterzugeben. Dies geschah aber scheinbar nicht. Was allerdings genau in dieser Zeit wieder anlief, war der Investmentbereich, die Zockerei ging in die nächste Runde, da sprudelten die Bonifikationsaussichten wieder, wie ein frisch ausgebrochener Vulkan. Ein Narr wer meint es gäbe hier keine Zusammenhänge. Wenn die Banken es nun aber nicht mehr als ihre Aufgabe ansehen den Markt mit Liquidität zu versorgen, müsste sich die Gesellschaft überlegen, ob sie im Gegenzug nicht ihr Geld bei den Banken abzieht und man sich völlig neue Modelle eines Finanzkreislaufs überlegt. Vor allem aber sollte sich die Politik überlegen, wie sie zukünftig mit den Banken umgeht. Das hier bislang kein Umdenken stattgefunden hat, zeigt das nun weitere 10 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden.

Als reinen Zynismus muss man übrigens die Argumentationskette der Banken in diesem Kontext ansehen. Hier stellt man nun die These auf, so wenig Geld herausgegeben zu haben, da man genau prüfen müsste und es wohl oftmals bei diesen Prüfungen nicht gut aussehen würde. Dies wäre schließlich eine großer Forderung der Politik gewesen, da durch zu sorglosen Umgang mit Krediten die Finanzkrise erst ausgelöst wurde. Bis hier hin ist dies auch alles schlüssig, allerdings darf man nun zwei Dinge nicht einfach mit einander vermengen, wie es gerade getan wird. Als Auslöser für die Krise ging es, vor allem auch in den USA darum, dass Menschen Kredite aufgedrückt bekamen, von denen vom ersten Tag an feststand, dass genau diese Menschen, die Kredite niemals bedienen können würden. Hier ging es einfach nur um Gier. Die Gier der Menschen, die sich keine Häuser leisten konnten, nun doch ein Eigenheim zu haben aber vor allem auch um die Gier der Banker nach immer mehr Provisionen und in der Folge höheren Bonifikationen. Nun soll aber Geld, gerade auch in Deutschland, in den Mittelstand fließen, um dieses Rückrat der deutschen Wirtschaft zu stabilisieren. Denn sollte die schleichende, immer größer werdende Kreditklemme auch noch zu einem Massenproblem werden, dürfte dies eine neue Schockwelle für die Wirtschaft bedeuten. Diese erneute Schockwelle würde dann abermals den Banken zu zuschreiben sein. Wenn man aus der Krise wirklich gelernt hätte, würde man dem nun nachhaltig entgegen wirken, anstatt einfach so weitere Milliarden in den Markt zu schießen.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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