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Die Wahrheit des Wortes

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Köln ist bald die neue Hauptstadt von Absurdistan

24. März 2009

Viele Menschen glauben Berlin sei die Hauptstadt von Absurdistan, dem ist vielleicht sogar im Moment auch noch so aber es wird wohl nicht mehr lange dauern bis es Köln ist. Natürlich bemüht man sich in Berlin mit allen Kräften und Mitteln Hauptstadt des Wahnsinns zu bleiben. So verunsichern nun alle Beteiligten der Großen Koalition die Bevölkerung mit Auflösungsangeboten der Regierung und den dazu passenden Dementis. Aber es flacht auch alles etwas ab. Mittlerweile dürfte auch der letzte Wahlberechtigte der Republik begriffen haben, dass diese, scheinbar nur noch von Lobbyisten getriebene, Regierung der Weltwirtschaftskrise völlig machtlos gegenüber steht. Ganz anders sieht es da in der größten Stadt in Nordrhein-Westfalen aus, wo man natürlich auch so etwas, wie völlige politische Machtlosigkeit zu verspüren scheint aber wie man sich hier drei Wochen nachdem Einsturz des historischen Stadtarchivs, bei dem zwei junge Männer ihr Leben verloren, gibt, trumpft Berlin noch um Längen. Ein Feuerwerk der Inkompetenzen.

Oberbürgermeister Schramma noch haltbar?

Heute genau vor einer Woche verkündete der Nachrichtensender n-tv in seinen Nachrichten um 8.00 Uhr, dass eine Sprecherin aus dem Umfeld des U-Bahn-Bau-Konsortiums, um die Baufirma Bilfinger Berger, ein Verschulden an der Katastrophe in Köln eingeräumt hätte. Kurze Zeit später verschwand diese Nachricht wieder, weil man wohl feststellte, dass sie so nicht korrekt war. Somit steht auch eine Woche später noch nicht ein Mal im Ansatz fest, wen nun welche Schuld an der Katastrophe, die außer den zwei genannten Todesopfern, auch noch unschätzbare Kulturgüter vernichtete, trifft. Festzustehen scheint, dass es im September 2008 an der Baustelle in unmittelbarer Nähe des Katastrophenortes, einen so genannten hydraulischen Grundbruch gab. Einen solchen könnte man durchaus als erstes massives Warnsignal ansehen, meinen Experten. Am 17.02.2009 liefen wohl Mengen an Wasser in diese Baustelle ein. Diese Fakten sind aber letztendlich keine neuen, aktuellen Erkenntnisse, sondern Tatsachen, die wohl Teilen der KVB, wie auch der Stadtverwaltung schon länger bekannt waren. Die Öffentlichkeit, wie wohl auch der Oberbürgermeister (OB) Fritz Schramma (CDU) wurden allerdings erst am vergangenen Freitag über diese, doch sehr relevanten Fakten informiert. Immerhin haben diese Vorkommnisse eine erste Folge, in dem Maße, dass OB Schramma (CDU) nun ein Disziplinarverfahren gegen seinen Baudezernenten Bernd Streitberger (CDU) einleitete. Die Frage, die sich wohl nicht nur hier in der Redaktion stellt ist, hat OB Schramma (CDU) seine Mannschaft im Griff?

In Berlin würde man nach solchen Vorkommnissen zu mindestens schon ein Mal offen über Rücktritte diskutieren, hier in Köln scheinen alle gut mit ihren Posten verleimt zu sein und dies auch niemanden groß zu stören. Es scheint offenkundig, dass die Kommunikation innerhalb der Stadt Köln nicht im Ansatz funktionierte. Außerdem sind die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) eine 100%-ige Tochter der Stadt Köln, der immerhin OB Schramma (CDU) vorsitzt. Trotzdem tut er so, als hätte er von Seiten der Verantwortung her, mit all dem gar nichts am Hut. Und Fragen nach der moralischen Verantwortung stellt hier scheinbar seit Wochen schon niemand. In Berlin sind Politiker schon über kleinere Unfähigkeiten, wenn man es denn so nennen mag, gestolpert. Aber in der offensichtlich zukünftigen Hauptstadt Absurdistans, läuft es halt noch etwas krasser als in Berlin. Nun fand am gestrigen Tag eine turnusmäßige Aufsichtsratssitzung bei der KVB statt, aus welchem Anlass sollte man auch bei dieser Nachrichtenlage eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen, scheint man sich bei der KVB zu denken. Natürlich stand auf der Tagesordnung auch nichts von einer Beurlaubung des Vorstandes Walter Reinarz, was diesen Schritt auch erst ein Mal unmöglich machte. Auch dies scheint niemanden zu irritieren. Immerhin sprach man aber schon ein Mal von einem Vertrauensverlust. Das wird vor allem die Bürger freuen, die noch immer in der Nähe der U-Bahn-Baustelle der Nord-Süd-Trasse leben und nun wieder eine Woche warten dürfen, bis die nächste Aufsichtsratssitzung stattfindet. Vertrauen schafft man so nicht. Es ist aber auch die Frage, ob man das überhaupt will, denn irgendwie hat man den Anschein, dass alle mit in diesem Skandal drinhängen.

Weitere Menschen auch nach der Katastrophe gefährdet?

Wer aber nun die Meinung vertritt, hiermit sei alles in diesem Kontext auf dem Tisch, liegt abermals falsch. Nicht nur, dass sich die Frage stellt, welche Hiobsbotschaften, über welche KVB-Baustellen noch so an den verschiedenen Stellen schlummern, scheint sich der nächsten handfeste Skandal schon anzubahnen. Das eingestürzte historische Archiv der Stadt Köln stammte aus den 1970er Jahren. In dieser Zeit verbaute man als Brandschutz gerne Asbest, welches heute als hochkrebserregend eingestuft wird. Nun weiß jeder der die Bilder vom 11. September 2001 aus New York noch im Kopf hat, wie viel Staub bei solchen Einstürzen frei wird und es bedarf wohl keinerlei Erklärung, wie schnell dieser in die Lunge und somit in den Körper gerät. Das ist aber noch nicht alles, denn man versucht natürlich zum Schutz der verschütteten Archivarien, das Trümmerfeld staubtrocken zu halten, was natürlich für den Fall einer Asbestverseuchung fatal wäre. Denn genau das Gegenteil wäre dann von Nöten. Dies würde dann Menschen schützen aber Archivarien gefährden. Laut eigener Aussage reicht das Equipment der Feuerwehr Köln allerdings nicht aus, um eine solche Schadstoffbelastung zu prüfen, man hätte allerdings kostenneutral, das Landesumweltamt mit Spezialisten aus Essen mit dieser Aufgabe betrauen können. Dies geschah aber erst jetzt, auf bohrendes Fragen von Seiten der Medien, allerdings erst 20 Tage nach der Katastrophe. Man muss sich auch vor Augen halten, dass wir hier nicht nur von den Hilfskräften und Anwohner am Unfallort reden, sondern auch von den unzähligen Helfern, die als Freiwillige den Schutt noch ein Mal in Hallen auf Archivarien und Eigentum der Opfer durchsuchen. Wie gesagt, sollte hier Asbest im Spiel sein, wäre der nächste Skandal geboren, wenn er dies nicht schon längst ist.

Mit jedem dieser Mosaiksteinchen, fällt es schwerer an Zufälle oder Verkettungen unglücklicher Umstände zu glauben. Es scheint hier viel mehr der Fall zu sein, dass für verschiedene politische oder kommerzielle Ziele, selbst der Verlust von Menschenleben in Kauf genommen wurde. Wie gesagt, diese Stadt am Rhein bemüht sich wirklich, der Stadt an der Spree den Titel Hauptstadt Absurdistans abzulaufen. Es gibt aber noch etwas, was nachdenklich stimmen sollte. Es geht um den Einsatz der Kölner, der Bewohner dieser Stadt für ihre ureigensten Belange, wie die eine sichere Stadt zu haben. Hier scheint sich rauszukristallisieren, dass der Grund der Gefahr eine große Rolle spielt. Ist man in Sorge, dass in dieser Stadt eine Gefahr von Rechts droht, ist es scheinbar eine Kleinigkeit Hunderttausende zu mobilisieren, geht es allerdings um die Sicherheit der Menschen, die durch scheinbar nicht zu stoppenden Profitwahn gefährdet ist, wirkt die Protestbewegung eher etwas gelähmt. Dies wirft kein gutes Licht auf die Stadt, denn es stellt sich im Umkehrschluss die Frage, wie viele der sonst so aktiven Protestierenden, dies nur aus einem gewissen Modebewusstsein heraus tun. Denn in beiden Fällen geht es um die Sicherheit der Stadt und um die Bewohner dieser Stadt. Großkundgebungen gegen die scheinbar Verantwortlichen für den Tod zweier junger Männer und gegen die Vernichtung von unbezahlbaren Kulturgütern, waren bislang nicht an der Tagesordnung und es gäbe da eine große Bandbreite, wo und in welcher Form man seiner Meinung Nachdruck verleihen könnte. Aber auch dies bleibt wohl in der zukünftigen Hauptstadt Absurdistans, ein frommer Wunsch. Wir hier in der Kölner Redaktion werden in jedem Fall weiterschreiben, umso zu verhindern, dass man diesen Skandal einfach aussitzt.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Sunshine // 24. Mrz 2009 at 12:47

    Weiter so – Absudistan braucht Menschen wie Euch!

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