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Die Wahrheit des Wortes

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Kinder. Karneval. Koma.

4. Februar 2008

In Anbetracht dessen, dass wohl auch dieser Rosenmontag, wieder einer der Tage mit den meisten Schnapsleichen des Jahres sein dürfte, stand das Thema für diesen Artikel schnell fest. Denn Alkoholismus bei Kindern und Jugendlichen ist auch eines der Themen, welches weder die Gesellschaft, noch die Politik der Zeit in den Griff bekommt. Karneval ist da nur die Spitze des Eisbergs, denn leider besteht die Problematik ganzjährige, nur ist sie halt an den vermeintlich `tollen Tagen` mehr im Fokus der Öffentlichkeit, als an den restlichen Tagen des Jahres.

Hilflosigkeit der Politik

Ich sehe es als Aufgabe der politischen Führung eines Staates, wie der Bundesrepublik Deutschland an, hilfreich einzuschreiten, wenn ein gewisses gesellschaftliches Versagen erkennbar ist. Genau dies, ist wohl unbestritten der Fall, wenn wir vom Alkoholismus bei Kindern und Jugendlichen sprechen. Wenn ich Fernsehberichte sehe, wo die Rede davon ist, dass man auf dem Osnabrücker Karnevalszug, Kinder von neun Jahren schwer alkoholisiert in den Rettungszelten hatte und die meisten um die 14 Jahre alt waren, ist dies mehr als ein Alarmzeichen für die Gesellschaft und die Politik. Man muss auch trotz der wohl rückläufigen Zahlen darauf hinweisen, dass es ein erdrückendes Problem ist, welches man nicht einfach mit Verboten in den Griff bekommt.

Natürlich befürworte auch ich den Einsatz von Polizei und Ordnungsamt bei Großveranstaltungen, wie es Karnevalzüge sind. Alterskontrollen sind ebenso so ein adäquates Mittel. Aber es gibt oft genug auch die Anzeichen der völligen Hilflosigkeit der Politik. Angefangen bei der Erhöhung der Steuer auf so genannte Alkopops, mit der Folge, dass diese so gut wie ganz vom deutschen Markt verschwunden sind bis zu der der Forderung nach jugendlichen Testkäufern für Alkohol. Ich meine, wir haben schon genügend fragwürdige Methoden, die uns bis ganz weit an den Rand eines Überwachungsstaates gebracht haben, da brauchen wir nicht auch noch so etwas. Die Ansätze müssen wo anders gemacht werden und zwar im Bewusstsein der Gesellschaft und hier fehlen die Ansätze völlig.

Kein Alkohol in der Öffentlichkeit

Alkoholverbote in der Öffentlichkeit, dürften viele aus den USA kennen aber dies hier einzuführen, wie es an bestimmten Plätzen in Freiburg, Marburg und seit Monatsbeginn auch in Magdeburg der Fall ist, zeigt für mich nur wieder die Ohnmacht der Politik. Denn zum einen verlagert man ein Problem so nur und löst es nicht und zum anderen sind wieder viel mehr Menschen betroffen, als es sein müsste. Ich habe auch schon abends entspannt am Rhein gesessen und Wein in der Öffentlichkeit genossen. Ich bin mir auch sicher, dass viele Leser schon ein Mal im Sommer, an einem Badesee in der Öffentlichkeit getrunken haben. Nicht zu vergessen, dass erschwerend noch hinzukommt, dass man in immer weniger Kneipen in diesem Staat rauchen darf und es somit gerade auch in wärmeren Monaten, eine echte Alternative darstellt. Mit solchen Verboten, egal ob es Alkopops, der nächtliche Verkauf von Alkohol an Tankstellen, wie es Baden-Württemberg nun einführen will, oder eben der Genuss von Alkohol in der Öffentlichkeit ist, löst man das Problem nicht, bestraft aber Menschen um die es gar nicht geht.

Man möchte Kinder und Jugendliche vom Alkohol fernhalten, dann sollte man langsam beginnen sich mit den Hintergründen dieser Entwicklung auseinanderzusetzen und nicht immer mehr Verbote aus dem Hut zaubern. Was bewegt ein Kind oder einen Jugendlichen dazu sich ins Koma zu saufen? Im Regelfall dürfte es Frustration sein und damit wechselt die Generation, denn laut meiner Meinung, überträgt sich die Frustration von den Eltern auf die Kinder und Jugendlichen. In einer Zeit in der wirtschaftlicher Aufschwung, scheinbar vor allem weniger verfügbares Einkommen bedeutet, parallel aber die gesamte Gesellschaft immer geldgieriger ausgerichtet scheint, wächst die Zahl der Frustrierten. Jetzt stelle man sich ein Mal vor, ein Kind wächst in einer Familie auf, in der Monat für Monat haarscharf gerechnet werden muss, viele Dinge finanziell einfach nicht realisierbar sind, vielleicht sogar noch Spannungen im Elternhaus vorhanden sind und eine latente Angst, dass es finanziell noch schlimmer kommen könnte. Da kann man schon Mal zur Flasche greifen, um im Rausch von allem frei zu sein.

Gesellschaftliche Veränderung

Familien zerfallen mehr und mehr und das nicht nur auf verschiedene Generationen gesehen, nein, auch auf die klassische Familie, trifft dies zu. Denn es gibt zum Beispiel einen nicht unerheblichen Anteil Alleinerziehender. Es wird immer mehr Flexibilität in der Arbeitswelt verlangt, dies bedeutet, dass der oder die Haupternährer längere Zeit als früher nicht zu Hause sind. All dies sind keine Komponenten, die für ein solides Elternhaus sprechen. Genau hier müssen, meiner Meinung nach, schleunigst Veränderungen her. Das Elternhaus, die Familie muss gestärkt werden, um Kinder und Jugendliche erst gar nicht in Versuchung zu bringen. Verbote, welcher Art auch immer, werden das Problem verschieben, werden es aber, wenn überhaupt, nur zu einem ganz geringen Teil lösen.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik

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