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Die Wahrheit des Wortes

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Keine Steuer für Schlümpfe

27. April 2011

Da war er wieder, Papst Benedikt XVI., von dem man manchmal meinen könnte, er sei verschollen, so ruhig wie es um ihn oftmals ist. Er hatte natürlich Ostern wieder einen seiner großen Auftritte und dies auch noch in dem Jahr, in dem er seine Heimat Deutschland besuchen möchte und am kommenden Wochenende auch noch sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. selig gesprochen werden soll. Bei dieser Konstellation ist es natürlich nur verständlich, dass er sich zwischen diesen beiden aufreibenden Wochenenden erst einmal in sein Feriendomizil Castel Gandolfo südlich von Rom zurückgezogen hat. Ostern 2011 war irgendwie auch schon ein besonders dramatisches Osterfest, schaut man sich auf dieser Welt, zwischen den Katastrophen in Japan und den Kriegen, zum Beispiel in Afrika, von Libyen bis zur Elfenbeinküste, einmal genauer um. Eine Weltlage die eigentlich viele klare Statements aus dem Vatikan erwarten ließ aber, und auch dies ist mittlerweile leider nicht mehr überraschend, fehlten auch diesmal wieder Aussagen, die wirklich bewegt hätten oder ein großes Alleinstellungsmerkmal mit sich gebracht hätten. Es waren wieder viel mehr Aussagen, die doch eine gewisse Beliebigkeit in sich trugen.

Papa Schlumpf ist auch gegen Hass und Gewalt
An der Kirche, und damit natürlich vor allem auch an ihrem obersten Vertreter auf Erden, Papst Benedikt XVI., wird viel festgemacht und somit kann und sollte man auch besondere Leistungen von dort erwarten können. Schaut man sich nun einmal an, wie massiv nicht nur die japanische Öffentlichkeit noch immer im Kontext der Atomkatastrophe von Fukushima belogen wird und dies scheinbar nur um eine todbringende Technologie auch 25 Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl irgendwie am Leben zu erhalten, gibt es hier doch großes Potenzial für die Kirche, sich gegen eine solche globalisierte, raubtierkapitalistische Weltanschauung einzusetzen. Ähnlich verhält es sich mit den Konflikten im Norden Afrikas aber natürlich auch mit den aktuellen Kriegsgebieten von Libyen bis zur Elfenbeinküste. Natürlich könnte man diese Liste nun noch beliebig lang fortsetzen, was aber in der Sache auch nichts bewegen würde. Zu den hier geschilderten Problemen äußerte sich am Wochenende natürlich auch Papst Benedikt XVI. und er kam zu der unglaublichen Feststellung, dass Hass und Gewalt nichts Gutes sind. Natürlich ist es schön, dass man dies auch im Vatikan so sieht aber auch Papa Schlumpf ist gegen Hass und Gewalt, deshalb gibt es aber zum Beispiel noch lange keine Schlumpfsteuer.

Dies soll die Beliebigkeit solcher Aussagen noch einmal verdeutlichen und klar machen, warum hier mehr kommen müsste, schließlich gibt es in Deutschland noch immer eine Kirchensteuer, auch wenn diese immer weniger Menschen bereit sind zu bezahlen, da sie eben scheinbar genau mit dieser Beliebigkeit auch so ihre Probleme haben. In dieser, sich so rasant verändernden Welt und es sieht in weiten Teilen so aus, dass es nicht unbedingt immer die allerbesten Veränderungen sind, suchen große Teile der Gesellschaft Antworten und zwar Antworten, die sie wirklich weiterbringen, neue Denkansätze, andere Richtungen und eben nicht nur einen Hinweis darauf, dass Hass und Gewalt nichts Gutes sind, denn darauf kommen die meisten Menschen mittlerweile von ganz alleine. Natürlich macht man sich streitbar, wenn man sich aktiv in solch dramatische, gesellschaftlichen Prozesse einmischt aber dies sollte man von der Kirche auch erwarten können, da sie auch gerade in der westlich geprägten Welt einen ganz besonders hohen Stellenwert besitzt. Genau diesen Stellenwert kann man aber nicht dadurch erhalten, dass man meint Dinge aussitzen zu können und einfach auf bessere Zeiten zu hoffen und diesen Anschein hatte man an Ostern in diesem Jahr zum Teil doch auch schon wieder.

Auflösungserscheinungen
Ethik. Moral. Viele gesellschaftlich so wichtige Fakten lösen sich immer mehr in völliger Beliebigkeit auf. Perspektivlosigkeit auf der einen Seite, gepaart mit unendlichem Streben nach Macht und Gewinn auf der anderen Seite, scheint dem heutigen Zeitgeist zu entsprechen, was zu immer mehr Instabilität auf dieser Welt führt, was eben auch die angesprochenen Konflikte in Afrika zeigen, die auch immer stärker ein europäisches und letztendlich auch ein deutsches Problem werden dürften. An solchen Stellen darauf zu verweisen, dass im Himmel alles besser sei, ist keine Antwort auf die Frage, wie man sich auf Erden für ein besseres Miteinander stark machen soll. In diesem Kontext fragt man sich natürlich, welche gesellschaftliche Bedeutung die Kirche noch vertreten möchte, wenn es scheinbar nur noch um die Belange im Himmel geht und man auf Erden alleine ist. Papst Benedikt XVI. amtiert in einer Zeit, die, wie immer wieder erwähnt, sehr großes Potenzial gerade auch für die Kirche bietet, da mutet es merkwürdig an, dass man sich scheinbar lieber auf andere Dinge konzentriert und all diese Chancen auslässt und dies natürlich in einer Zeit, in der die Kirche ganz allgemein mit großen Problemen zu kämpfen hat. Auch in diesem Kontext überwiegen wieder einmal die Fragen und leider nicht die Antworten.

Viele Menschen, viele Gläubige, viele Christen haben in diesen Tagen wieder einmal das Gefühl, dass die Kirche vor allem mit sich selbst beschäftigt ist und genau diese Art kennt man vor allem aus dem Bereich der Politik. Ein Blick auf das politische Berlin zeigt, dass die Menschen diesen Weg nur zu gut kennen, denn auch hier geht es scheinbar immer mehr um die Wahrung des eigenen Einflusses, um den puren Machterhalt, anstatt sich um die Belange der Wähler zu kümmern. Dies verstehen die Menschen allerdings schon lange nicht mehr, als eine aktive Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse, genau die möchte man aber sehen, in der Politik, wie auch bei der Kirche. Es liegt natürlich auch in der Natur der Sache, dass der Anspruch an eine Religion, an das Christentum und damit am Ende des Tages natürlich auch an Papst Benedikt XVI. um ein vielfaches höher ist, als an irgendwelche Politiker in Berlin oder wo auch sonst. Man kann sich nur für die Menschen, die noch immer auf den Papst hoffen, wünschen, dass sich doch noch etwas ändert und vielleicht hat der Oberhirte seine Zeit in der Urlaubsresidenz Castel Gandolfo dafür genutzt, seinen Weg doch noch einmal etwas zu verändern und schon am Wochenende hätte er die Möglichkeit im Kontext der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. ein klares Signal in genau diese Richtung zu senden.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik · Umwelt · Wirtschaft

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