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Die Wahrheit des Wortes

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Keine reine Geschmackssache

21. Januar 2011

Wann war man eigentlich das letzte Mal auf dem Lande beim Bauern und hat einen Großteil seines hart erarbeiteten Einkommens für verhältnismäßig wenig Lebensmittel ausgegeben? Dies wird in den meisten Fällen, wenn es überhaupt schon einmal vorkam, schon ziemlich lange her gewesen sein. Wann war man das letzte Mal im Supermarkt oder beim Discounter und hat für kleines Geld eine große Ladung Nahrungsmittel eingepackt? Dies dürfte in den meisten Fällen gar nicht allzu lange her sein. Man erkennt sehr schnell, wo das Hauptproblem im Kontext Ernährung in Deutschland liegt. Woher diese Schieflage kommt ist allerdings die viel spannendere Frage, die sich gerade in Zeiten des aktuellen Dioxinskandals wieder ganz neu stellt. Es geht zum einen natürlich um das zur Verfügung stehende Geld in den jeweiligen Haushalten aber natürlich auch darum, dass einem Jahrzehnte lang vorgegaukelt wurde, wie gut und preiswert man sich doch bei Supermärkten und Discounter ernähren könnte. Hier gilt übrigens ein ganz besonderer Dank an die so unabhängigen und investigativen, etablierten Massenmedien.

Wie Aldi und die anderen adelig wurden
Ein sehr schönes Beispiel ist Aldi. Über Jahrzehnte galt der Discounter als eine Einkaufsmöglichkeit, die eher für die unteren Schichten er Gesellschaft da zu sein schien, dann begann ein Boom in den Medien, der bis zum heutigen Tage kaum überboten wurde. Aldi wurde immer weiter angeschoben, es war die Rede davon, wie gut hier alles sei, denn auch die höheren Schichten würden hier einkaufen, was natürlich als Zeichen höchster Qualität verkauft wurde. Der so entstandene Trend weitete sich natürlich schnell auf das gesamte Marktsegment aus und plötzlich war Aldi, wie aber letztendlich auch alle anderen Discounter, geadelt und hatten ihr Schmuddelimage abgelegt. Keiner fragte damals, wie solche Märkte es eigentlich schaffen allerbeste Qualität zu so niedrigen Preisen anzubieten und dies ist natürlich eine Kernfrage in diesem Kontext, um die es bis in die Gegenwart geht. Die Antwort ist in vielen Fällen die, dass es natürlich gar nicht funktioniert und die Preise nur so niedrig gehalten werden können, da die Qualität vieler Produkte oft zu wünschen übrig lässt. Mittlerweile ist die Marktposition aber so stabilisiert, dass es fast unmöglich ist, dem etwas entgegenzusetzen.

Heute sieht man im Fernsehen überall Kochshows, Restauranttester und ähnliches, die einem suggerieren möchten, wie wichtig gute Ernährung ist. Dies muss man wohl einmal mehr als den totalen Hohn umschreiben, dass genau die, die an der aktuellen Situation so mitgewirkt haben, nun meinen den Gesundheitsengel geben zu müssen. Hätte man damals die Discounter etc. nicht in diesem Maße geadelt, wie es vielfach geschehen ist, wären viele der heutigen Probleme gar nicht so massiv vorhanden. Man kann hier aber natürlich nicht nur den Medien alleine einen Vorwurf machen, schließlich hat die Politik auch hier in den letzten Jahrzehnten sehr viel versäumt. Der Schutz der Bürger vor ungesunder Ernährung stand erst in dem Moment auf der Agenda, als das Kind schon in den Brunnen gefallen war. Man hätte damals schon viel reglementierender eingreifen müssen, um eine verbraucherschädliche Gewinnmaximierung zu unterbinden aber am Ende des Tages tut man dies auch aktuell kaum. Denn passieren tut in der Regel auch jetzt nur etwas, wenn es viel zu spät ist, wie das Verhalten der obersten Verbraucherschützerin Ilse Aigner (CSU) im aktuellen Dioxinskandal auch zeigt.

Der Sparzwang
Ein weiteres großes Problem im Kontext der guten Ernährung muss ebenfalls der Politik angelastet werden, denn gute Ernährung hat seinen Preis. Wenn man qualitativ wirklich gut einkaufen möchte, geht dies natürlich nicht zum Nulltarif und natürlich auch nicht zu den Tarifen, die es bei den Discountern oder auch Supermärkten gibt. Auch Ernährung ist ein Gebiet auf dem Investitionen nötig sind und diese werden natürlich für die Bürger immer schwerer, da man ihnen immer mehr vom zur Verfügung stehenden Einkommen abnimmt. Wenn ein Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) das Gesundheitswesen so reformiert, dass es am Ende des Tages für alle Beteiligten teurer wird, immer mehr Leistungen aus der eigenen Tasche gezahlt werden müssen und auch noch das paritätische Prinzip zu Gunsten der Arbeitgeber ausgehebelt wird, ist es eine logische Folge, dass ein gewisser Sparzwang bei den Bürgern entsteht. Nun ist es natürlich jedem freigestellt an welcher Stelle man spart und niemand ist gezwungen dies im Bereich der Ernährung zu tun aber dies ist dann auch schon der zweite Schritt und dieser sollte nicht vom ersten ablenken. Sobald den Bürgern nachhaltig mehr in der Geldbörse bleibt, würden sich auch bessere Chancen im Kontext Ernährung ergeben.

Außer den finanziellen Gründen ist es natürlich auch der Zeitgeist von Fast-Food-Ketten bis Cafe to go der sich negativ auf die Ernährungsgewohnheiten auswirkt. Um in an das System angepassten Lebensumständen zu leben, müssen in der heutigen Zeit zum Beispiel, sofern es sich nicht um einen im Trend liegenden Singlehaushalt handelt, beide Partner arbeiten gehen und dies am besten noch mit ausreichend Überstunden, damit man nicht in Gefahr gerät seinen Job zu verlieren. Hier noch ausreichend Zeit zu finden in Ruhe einkaufen zu gehen und gezielt die Lebensmittel auszuwählen, wird immer schwieriger. Viel einfacher ist es da im Discounter oder Supermarkt in kurzer Zeit noch ein paar Schnäppchen zu jagen und damit auch direkt wieder einen Teil des Sparzwangs bewältigt zu haben. Da die durch falsche Ernährung entstehenden Gesundheitsschädigungen keine akuten sind, sondern langfristiger Natur sind, ist es natürlich auch schwer an dieser Stelle ein Bewusstsein zu schaffen. Auch hier könnten die Medien viel mehr machen aber auch hier scheut man sich offensichtlich und meint mit ein paar Kochshows, über dessen Niveau man auch durchaus diskutieren könnte, seinen Job erledigt zu haben, was natürlich auch grundlegend falsch ist. Man sieht das auch dieses Problem wesentlich breiter aufgestellt ist, als man meinen mag.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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