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Die Wahrheit des Wortes

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Kein Aprilscherz

1. April 2011

Es ist der Tag an dem man traditionellerweise immer wieder über Scherze stolpert, gerade auch in den Medien, da werden einem die merkwürdigsten Nachrichten geboten, um diese später als Aprilscherz zu entlarven. Unsere Redaktion ist allerdings in diesem Jahr nicht zum Scherzen aufgelegt, denn genau vor drei Wochen begann in Japan eine Katastrophe, deren wahres Ausmaß bis zum heutigen Tage niemand abschätzen kann oder will. Bei vielen dieser Nachrichten würde man sich wünschen, es würde sich um einen Aprilscherz handeln aber leider sind es nichts anderes, als grausame Tatsachen. Eine dieser Tatsachen ist, dass die Nachrichtenverbreitung aus dem Katastrophenatomkraftwerk jetzt schon massiv abnimmt und dies obwohl die schlechten Nachrichten nicht weniger werden, es ist eher das Gegenteil der Fall. In der Breite der Berichterstattung geht man aber nun mehr und mehr zur Tagesordnung über. Man sieht auch Nachrichten haben ihre Halbwertszeit und dies ist gerade auch in diesem speziellen Fall ganz und gar nicht gut oder gar hinnehmbar.

Kunstharz und andere schlechte Scherze
Vor genau drei Wochen erschütterte eines der schwersten Beben überhaupt den Meeresgrund vor der im Norden Japans gelegenen Stadt Sendai. Dieses Seebeben führte zu massivsten Zerstörungen in Nordjapan, was natürlich vor allem auch durch den, durch das Beben ausgelösten Tsunami passierte. Eine der Folgen dieser Katastrophe waren eine ganze Reihe an Störfällen im Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima. Mittlerweile glaubt wohl niemand mehr daran, dass es sich hierbei nicht um einen GAU handelt, die Frage muss viel mehr lauten, ist nicht schon längst der Super-GAU eingetreten? Ein Super-GAU ist ein nicht mehr kontrollierbarer Atomunfall und vom völligen Kontrollverlust muss man in Fukushima eigentlich schon vom ersten Moment an sprechen. Die Verstrahlung steigt immer mehr an und alle Rettungsversuche scheinen zu scheitern. In den letzten Wochen gab es immer wieder beruhigende Erfolgsaussichten, wie die Wasserkühlung, die zu einer Salzkruste führte, die das Kühlen letztendlich immer schwieriger bis hin zu unmöglich machte.

Es war aber auch die Rede davon endlich wieder Strom an die zerstörten Anlagen zu bekommen aber auch dies brachte keine nachhaltige Wende. Nun geht diese Katastrophe in die vierte Woche und die aktuellen News besagen, man will die Problemfelder mit Kunstharz besprühen, um so die Radioaktivität zu binden. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man meinen, es könnte sich bei einer solchen Nachricht nur um einen Aprilscherz handeln. Wie es zwischenzeitlich um die Reaktoren selber bestellt ist, scheint kaum noch ein Thema zu sein, es wirkt manchmal, wie das Warten auf den großen Knall oder viel mehr das Prinzip Hoffnung, dass alles gut wird. Der Umgang der Betreibergesellschaft Tepco aber auch der Umgang der japanischen Regierung mit diesem wohl gravierendsten Teil der Katastrophe ist durchaus als unangemessen zu bezeichnen und muss einen in Angst und Schrecken versetzen, denn am Ende des Tages geht es hier um Menschenleben. Als unfassbar muss man deshalb dann auch das Verhalten des Tepco-Chefs Masataka Shimizu bezeichnen, der sich erst einmal krank schreiben ließ. Auch die radioaktive Verstrahlung des Pazifiks nimmt immer weiter zu, was bislang ungeahnte Auswirkungen auf die Schifffahrtsrouten und damit auf den globalen Handel hat aber auch dies thematisiert man lieber nur am Rande.

Ein wenig Plutonium und ein bisschen Dioxin
Auch in Deutschland bekommt man das Gefühl, dass die Gefahren gerne heruntergespielt werden und man erklärt, wie gering die Strahlenbelastung doch sei. Auf der anderen Seite zeigt sich aber auch die völlige Ohnmacht, da man zum Beispiel scheinbar gar nicht darauf vorbereitet ist, was man in Hamburg mit verstrahlten Schiffen machen soll. Natürlich nimmt die Stärke der Gefährdung mit jedem Kilometer ab und man ist in Deutschland in der glücklichen Lage 9.000 Kilometer vom Katastrophenort entfernt zu leben, dies bedeutet aber nicht, dass nicht auch hier ein gewisser Teil an Radioaktivität landen wird. Hier verhält es sich aber ähnlich, wie bei anderen massiven Gesundheitsgefährdungen auch, man tut so, als sei all dies nicht ganz so schlimm. Ein wenig Plutonium hier, ein bisschen Dioxin da, dass werden immer mehr alltägliche Fakten und auch der Umgang mit diesen erreicht eine immer erschreckendere Normalität. Da darf man am Ende des Tages nicht überrascht sein, wenn Krankheitsbilder, wie zum Beispiel Krebs, Missbildungen und Allergien auf dem Vormarsch bleiben. Auch hier spricht man aber letztendlich von der Gesundheit und dem Leben von Menschen, auch das muss klar eingeräumt werden.

Natürlich sind die Probleme in Deutschland nicht im Ansatz mit denen in Japan vergleichbar, denn hier kommt es zu so perversen Situationen, wie die, dass man die Evakuierungszone um die todbringenden Reaktoren scheinbar auch deshalb so klein hält, weil man gar nicht weiß wohin mit den Menschen. An dieser Stelle gehen die Vorwürfe natürlich ganz klar an die japanische Regierung. Aber man muss davon ausgehen, dass es auch in Deutschland nicht anders aussehen würde. Nimmt man sich einmal den letzten großen Skandal vor in dem in Deutschland die Gesundheit der Menschen bedroht war, der große Dioxinskandal, machte auch die deutsche Regierung und hier vor allem die Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) keine wirklich gute Figur, was im Bereich der Reaktorsicherheit auch für den Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) gelten dürfte. Bei solchen Vorgaben mag man sich gar nicht überlegen, was die Folgen wären, wenn in diesem Land einmal eine Katastrophe, wie die in Japan passieren würde. Ganz allgemein scheint mit dem Einzug der raubtierkapitalistischen Globalisierung gerade auch die Gesundheit der Menschen hinter den Interessen der Wirtschaft zu kommen. Die Angriffe auf die Gesundheit stellen sich in den allermeisten Fällen auch noch so dar, dass die Schäden langfristig und nicht akut sind, was auch eine direkte Zuordnung an gewisse Ereignisse in den meisten Fällen unmöglich macht. Man sieht, auch der April beginnt nicht wirklich gut und dies liegt nicht an einem Mangel an Aprilscherzen.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Der BALLacker » Keiner braucht Bombenstimmung! // 1. Apr 2011 at 07:10

    [...] erschienen, hätte man ihn vielleicht fälschlicherweise für einen äußerst makaberen Aprilscherz gehalten. Scheinbar gab es die Absicht einen grausamen Anschlag auf das Stadion von Borussia [...]

Schreib was dazu