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Die Wahrheit des Wortes

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Karneval oder auch Prost, Mahlzeit!

11. Februar 2010

Nun ist es wieder soweit, die große Zeit des Straßenkarnevals nimmt für fast eine Woche ihren Lauf. Dies bedeutet viele bunte Kostüme, ein wenig politische Abrechnung und vor allem viel Spaß und Freude. Aber hat man da nicht noch etwas vergessen? Doch, die Massen an Alkohol und vor allem das Aufeinandertreffen von Alkohol und Jugendlichen über, wie aber auch unter 18 Jahren. Auch in dieser Altersgruppe ist der Anteil an frustrierten Menschen verständlicherweise nicht gerade gering, gerade auch wenn man berücksichtigt, dass man ständig hört, dass es im Moment die Finanzwerte unserer Zukunft sind, also die unserer Jugend, die aufs Spiel gesetzt werden. Ein kleiner Blick, nicht allzu weit zurück in die Vergangenheit zeigt schon, dass es wahrscheinlich noch schlimmer werden wird, als bisher vermutet, da kann man ein hohes Maß an Frustration sogar verstehen. Dies soll natürlich unter keinen Umständen die Art rechtfertigen, wie Gewalt bei Jugendlichen oftmals zelebriert wird aber man muss sich natürlich auch realistisch vor Augen halten, wie es zu solchen Situationen kommt, wenn man sie wirklich verändern will.

Jedes Jahr von Weiberfastnacht bis Rosenmontag
Karneval bietet jedes Jahr vor allem in der Kernzeit zwischen Weiberfastnacht und Rosenmontag massive Probleme und die haben auch immer mehr mit Kindern und Jugendlichen zu tun, denn der Alkoholmissbrauch nimmt immer größere Ausmaße an und die Betroffenen werden immer jünger. Aber wie gesagt, wir sprechen hier von den Erben nie da gewesener blühender Landschaften und der Agenda 2010. In Deutschland reagiert man auf so etwas erfahrungsgemäß mit immer neuen Verboten und verschließt die Augen nur zu gerne vor den eigentlichen Gründen. Wenn der Familiengedanke in einem Land immer weiter verkommt, weil die Erziehende immer mehr Arbeit ableisten müssen, um einem Bild gerecht zu werden, welches von den Medien geschaffen und immer weiter vergrößert wird, wirkt sich dies natürlich auch auf den Nachwuchs aus. Es dürfte niemanden überraschen, dass diese Kinder und Jugendlichen, dann den Weg zur Problembewältigung befolgen, denen ihnen `die Großen` und das sind in den meisten Fällen eben die Erwachsenen, die Erziehungsberechtigten, vorleben. Es scheinen sich aber nur die wenigsten aus diesem Personenkreis Gedanken darüber zu machen, dass auch ihr Nachwuchs einmal groß wird und unser aller Zukunft ist.

Am Sonntagmorgen zum `entspannten Frühstück` erst einmal ein Prosecco. Beim Plausch mit dem Nachbarn, nachdem der Rasen gemäht ist, erst einmal ein Bier. Und Abends beim Kegeln, was man in der heutigen Zeit Bowling nennt, dürfen Bier und ein paar Kurze so oder so nicht fehlen. Die alkoholfreie Schrebergartenanlage muss so oder so erst noch erfunden werden. Bei alle dem redet man bis lang vom ganz normalen Alltag, von manch Alkoholexzess eines Erwachsenen an Karneval spricht man hier noch nicht einmal. Es ist der Wahnsinn des Alltags. Was soll da der Nachwuchs denken, wie soll er nun seine Probleme bewältigen, außer es einmal mit dem Zaubermittel der Erwachsenen zu versuchen, was meistens hilft, wenn es ihnen schlecht geht. Über so etwas redet man natürlich in der Gesellschaft außerordentlich ungern, weil wer möchte sich schon gerne einschränken. In der Politik diskutiert man dies so oder noch viel weniger gern, denn wer möchte schon eine nüchterne Wählerschaft, die all das was man ihnen zumutet auch noch versteht, scheint die Devise zu sein, denn anders ist das Verhalten der Politik an dieser Stelle nicht zu erklären. Immerhin stehen immer irgendwelche Wahlen an und ein aufgeklärtes und aufgewecktes Wahlvolk würde da den ein oder anderen mit Sicherheit stören.

Die neuen Sklaven des Raubtierkapitalismus
Aber zurück zu den Schwächsten in unserer Gesellschaft, aus denen man auch gerne ein neues Feindbild bastelt, vor allem wenn sie einen Migrationshintergrund haben und wie es Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) so schön formulierte `aufwachsen wie kleine Könige`. An dieser Stelle muss man natürlich auch einmal fragen, was frustrierender ist, aufwachsen wie ein kleiner König oder durch scheinbar versklavte Eltern, auf ein Leben als Sklave des Raubtierkapitalismus vorbereitet zu werden. Fakt ist auch hier, dass viele meinen von einer bösen Mischung aus Jugendlichen, einem Gruppenverhalten und Alkohol sprechen zu müssen und natürlich auch ganz schnell die Lösung parat haben. Man verbietet Alkohol einfach ab einem früheren Lebensalter. Ein Verbot bedingt natürlich auch wieder Personal, welches durch den so oder so arg gebeutelten Steuerzahler finanziert werden muss. Um dies zu finanzieren, könnte man dann natürlich die Steuer auf alkoholische Getränke erhöhen und würde so den Konsum eventuell im Ganzen etwas absenken. Alles schöne Theorien aber leider auch alles sehr fernab jeglicher Realität.

Wenn man in diesem Staat, wie natürlich auch in unseren Nachbarländern in Europa, dieses Problem vernünftig in den Griff bekommen mag, muss sich das System verändern und die Familie, die Erziehung muss wieder vor dem Geld und der Arbeit stehen. Nun reden wir nicht von leeren Versprechen irgendwelcher Politiker, die hier ein wenig das Kindergeld erhöhen wollen oder unter Familie eine Ganztagsbetreuung durch fremde Dritte verstehen. Wir reden hier von einem Systemwandel, der Familienleben wieder lebenswert bzw. lebensmöglich macht und ganz nebenbei auch gegen die negative demografische Entwicklung im Land wirken würde, da sich mit Sicherheit mehr Menschen für Kinder und eine Familie entscheiden würden. Andernfalls, und auch dies ist eine Realität, wird der Anteil derer in der Gesellschaft rapide ansteigen, der schon in jüngsten Jahren Erfahrung mit Gewalt und Brutalität gemacht hat und dies wohl auch in seinem zukünftigen Leben, ähnlich wie den Alkohol, für sich als Problemlösungsbestandteil einsetzen wird, ganz zu schweigen, dass so etwas erziehungstechnisch auch in einer gewissen Größenordnung an die nächste Generation weitergegeben wird, wie man weiß. Würde letzteres passieren, müsste man wohl sagen: `Prost, Mahlzeit!`

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik

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