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Die Wahrheit des Wortes

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Karneval in Köln verlängert?

24. Februar 2010

Es ist gerade einmal fast 14 Tage her, dass in Köln und vielen anderen Karnevalshochburgen die ganz große Zeit des bestellten Frohsinns begann. Allerdings war mittlerweile auch schon wieder Aschermittwoch und damit das Ende des Karnevals bis es dann am 11.11 um 11.11 Uhr wieder weitergeht. Hier in Köln bekommt man allerdings gerade auch im Kontext zum Einsturz des historischen Stadtarchivs, welcher wohl nur die Spitze eines Eisberges aufzeigte, das Gefühl, als sei der Karneval in diesem Jahr verlängert worden. In genau einer Woche jährt sich diese Katastrophe zum ersten Mal und wenn es nicht wirklich so tragisch wäre und schon mindestens zwei Menschen verstorben wären, könnte man es schon fast komisch finden, was sich im Zusammenhang mit dem Bau der U-Bahn in Köln tut. Es ist nun bald ein Jahr her, dass das historische Stadtarchiv samt angrenzender Wohngebäude zusammenbrach bzw. abgerissen werden musste und während scheinbar Licht ins Dunkel der Schuldfrage kommt, offenbaren sich immer weitere Probleme.

Der Bürger zahlt
Es war der 3. März 2009 als in der Domstadt Großalarm ausgerufen wurde, da aus scheinbar unerklärlichen Gründen, dort wo sich zuvor noch das historische Stadtarchiv befunden hatte, ein riesiger Krater voller Trümmer war. In nur wenigen Sekunden wurden so Kulturgüter von unschätzbarem Wert vernichtet. In der Folge stellte sich heraus, dass in den Trümmern auch zwei junge Männer ums Leben kamen und eine ältere Anwohnerin nahm sich, einige Zeit nachdem sie ihre Wohnung räumen musste, das Leben. Bald schon gingen die meisten davon aus, dass es wohl einen Zusammenhang mit der an der Unglücksstelle befindlichen Großbausstelle der Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) gab. Letztendlich ist dies alles aber auch gut ein Jahr nach der Katastrophe noch nicht geklärt und man fragt sich auch manchmal, was eine Aufklärung wohl im realistischen Maße bringen würde. Vielleicht würden ein paar Köpfe, zum Beispiel bei der KVB, rollen aber dies würden den Schaden, durch dann wahrscheinlich zu bezahlende Abfindungen, nur noch vergrößern. Der KVB selbst wird wohl kaum etwas passieren, da sie in der Stadt verkehrstechnisch natürlich systemrelevant ist.

Unabhängig von der Klärung der Schuldfrage, bleibt wohl ein Großteil so oder so wieder an den Bürgern hängen und zwar entweder durch höhere Gebühren oder durch weniger Leistungen durch die Stadt, denn ein zu erwartendes großes Minus im Haushalt, welches durch all dies scheinbar entstehen wird, muss irgendwie gestopft werden. Die Kosten, die allein schon durch die Verzögerungen des Baus etc. auf die KVB zu kommen, werden sich wohl über kurz oder lang in den Fahrpreisen oder einem Serviceabbau bemerkbar machen. Der aktuellen Nachrichtenlage nach, ist wohl eine große Menge an Metall nicht in der Baustelle an der Severinstraße verbaut worden, sondern an Schrotthändler verkauft worden. Sollte dies juristisch bestätigt werden, hätte man natürlich knapp ein Jahr nach der Katastrophe quasi einen Schuldigen aus dem Hut gezaubert. Aber trotzdem bleiben Fragen offen, wie zum Beispiel all dies geschehen konnte, ohne dass der Bauherr, also die KVB, davon Kenntnis hatte? Viel schlimmer scheint aber auch zu sein, dass all dies wohl kein Einzelfall an dieser Baustelle war, sondern letztendlich wohl weite Teile des U-Bahnbaus betroffen sind.

Welche Katastrophe wird die nächste sein?
Genau diese Sachlage erklärt auch, warum die KVB nun massiv andere Baustellen, wie zum Beispiel den Heumarkt, neu absichert. In Deutschland und auch anderen Teilen Europas kommt ganz langsam der Frühling an und dies bedeutet Tauwetter und Tauwetter erhöht natürlich auch in Köln immer massiv die Hochwassergefahr und führt auch zu steigendem Grundwasser. Diese Fakten könnten ganz schnell zu weiteren Katastrophen führen und wieder Menschenleben und Sachwerte vernichten. Anwohner der Gefahrenzonen, die sich so natürlich ausgeweitet haben, berichten, dass man von Seiten der KVB auch weiterhin mauert und niemand wirklich weiß, ob und wie gefährdet die Anwohner im Moment sind. Ein Zustand der eigentlich unhaltbar ist aber auch wieder deutlich macht, wie ohnmächtig in Deutschland scheinbar die Politik ist. Dies ist natürlich, gerade auch wenn es um Menschenleben geht, ein sehr trauriger Zustand. Die KVB, die so oder so häufig mit Imageproblemen, auch ohne diese Katastrophe, zu kämpfen hat, scheint sich um ihr Image allerdings kaum große Gedanken zu machen, denn anders ist ein solches Verhalten nicht zu erklären.

Diese gesamte Katastrophe und ihre Folgen sind aber auch wieder ein gutes Lehrstück zum Thema Wirtschaft in Deutschland, denn all dies zeigt auch wieder, wie mächtig solche Unternehmen sind und das diese scheinbar Dinge möglich machen können, von denen man eigentlich denken würde, sie seien völlig unmöglich. Aber es zeigt auch, dass eine gewisse Unsicherheit absolut berechtigt scheint, denn keiner scheint zum jetzigen Zeitpunkt das genaue Ausmaß von alldem zu kennen und so lange dem so ist, bleiben viele Risiken denkbar und man mag gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn das eben angesprochene Hochwasser noch im großen Stil hinzukommt. Sollte dem so sein, sollten viele Kölner hoffen, dass die nun durchgeführten Maßnahmen besser ausgeführt und vor allem wirklich unabhängig geprüft worden sind, als sie es scheinbar bisher wurden. Sollte dem nicht so sein und auch nur in einem ähnlichen Stil wie bislang verfahren worden sein, muss man sich wohl fragen, welche Katastrophe die nächste sein wird und wie viele Opfer es dann zu beklagen gibt. Bei alldem was ums Stadtarchiv passiert ist, gilt es auch festzuhalten, dass es im Verhältnis, gerade auch was die Opferzahl angeht, noch einmal glimpflich verlaufen ist, denn es hätte noch viel, viel schlimmer kommen können. Am Ende des Tages zeigt all dies aber nur wieder wie zynisch das Leben ist, auch hier in Köln.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Technik · Wirtschaft

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