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Die Wahrheit des Wortes

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Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg-Der Mann und die Krise

10. Februar 2009

Wie erwartet und schon angedeutet, gibt es einen neuen Bundeswirtschaftsminister. Mit 37 Jahren wird der Jurist Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg (CSU) Nachfolger des amtsmüden Michael Glos (CSU). Guttenberg schloss das Studium der Rechts-und Politikwissenschaften mit einem Prädikatsexamen ab und ist schon seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages (MdB). Zuletzt war der zweifache Vater seit November 2008 Generalsekretär der CSU. Er gilt als ausgewiesener Auslandsexperte, unter anderem da er beruflich auch Station in New York machte. Außer das er für seine jungen Jahre schon lange auf der politischen Bühne tätig ist, arbeitet er auch in leitender Funktion im elterlichen Betrieb. Aber auch im Medienbereich hat er einiges, von einer freien Mitarbeit bei der Tageszeitung Die Welt bis hin zur Mitgliedschaft im Fernsehrat, vorzuweisen. Trotz dieses makellosen Werdegangs, kommen nun sehr harte Zeiten auf ihn zu. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer nannte es einen Quantensprung an Herausforderungen.

Bayrische Stammeskämpfe

Nachdem das Gerangel um die Nachfolge des scheitenden Bundeswirtschaftsministers Glos (CSU) am späten Montagvormittag beendet war, wurde es natürlich Zeit den Amtsnachfolger zu präsentieren. Was einem bei Guttenberg auffällt ist, dass hier ganz offensichtlich der Fakt, dass er als Franke gilt, eine maßgebliche Rolle bei der Besetzung dieser Position gespielt hat. Genau hier wird es dann aber kritisch, denn sollte man ein solch wichtiges Bundesministeramt an solch lokalpatriotischen Fakten festmachen und das in Zeiten, wo sich gerade auch Europa immer mehr eint? Es scheint auch, als wären sowohl der Landesschatzmeister Thomas Bauer (CSU) und auch der bayrische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) erst ein Mal an diesem Kriterium gescheitert. Allerdings konnte man Seehofers (CSU) Ausführungen in dieser Sache auch anhören, dass es gegebenenfalls hier, nach der Bundestagswahl Ende September diesen Jahres, noch zu einem Umdenken kommen könnte. Schließlich hätte man dann ausreichend Zeit die Posten so zu verteilen, dass es nicht zu Unstimmigkeiten käme. Die gerade beschriebene Zeitschiene dürfte ein weiteres Problem für Guttenberg (CSU) werden, denn er hat gerade ein Mal bis in den Herbst Zeit, sich zu profilieren und mit seiner Arbeit Akzente zu setzen.

Auf allzu viel Unterstützung des Koalitionspartners SPD sollte er dabei nicht hoffen, denn das vergangene Wochenende hat schon gezeigt, wie hart man bei der SPD mit dem kleinsten Koalitionspartner in den Zeiten des Wahlkampfes umgeht. Wichtig dürfte es nun auch werden, sich ein wenig vom rein bayrischen Gedankengut zu trennen und auf die Bundesebene umzuschalten, schließlich ist Guttenberg (CSU) nun Bundeswirtschaftsminister und muss nicht nur für Bayern, sondern auch für den Rest der Republik kompatibel sein. Man muss allerdings auch festhalten, dass er ein Sympathieträger ist, dass haben seine Auftritte bislang schon gezeigt. Er hat diesen `Lieblingsschwiegersohn-Faktor` mit dem er gut punkten dürfte. Charismatisch, jung und dynamisch, wenn auch natürlich allein schon auf Grund seines Alters etwas unerfahren, ist er. Dass Letzteres natürlich kein Kriterium sein muss, welches einen von der Macht fernhält, beweist im Moment schon der amerikanische Präsident Barack Obama, der auch nicht gerade auf eine Jahrzehnte andauernde politische Erfahrung zurückblicken kann. Allgemein gibt es in diesem Vergleich noch etwas, was sich durchaus nun auch hier abzeichnet. Wir bekommen gerade alle einen massiven Generationswechsel in der Politik mit.

Die Alten gehen

Oder sollte man sich nicht vielleicht Fragen, ob sie das sinkende Schiff verlassen? Es ist dieser Tage schon merkwürdig mit anzusehen, wie viele derer, die an der jetzigen Lage nicht ganz unschuldig sind, großmütig jüngeren Kollegen Platz machen. Man darf wohl bezweifeln, dass dies immer reine Nächstenliebe ist. Aber was ist es dann? Entweder ist bei der älteren Generation mittlerweile wirklich so etwas wie Ermüdung eingetreten oder sie wissen wirklich, wie aussichtslos die Lage in Zeiten dieser Weltwirtschaftskrise ist und suchen nun schon ein Mal nach Schuldigen, die sie später opfern können. Man muss in diesen Zeiten sehr wachsam sein und sich sehr genau überlegen, wem man noch trauen kann. Denn wie schon oft beschrieben, fiel das Ende der Sozialen Marktwirtschaft nicht von jetzt auf gleich vom Himmel und genauso verhält es sich natürlich auch mit der Weltwirtschaftskrise und diese ist zu einem großen Teil ganz offensichtlich durch die entstanden, die nun den Jüngeren die Plätze, auf den Stühlen mit den angesägten Beinen, anbieten. Natürlich ist diese Krise auch für junge, aufstrebende Politiker eine Zeit in der man sich profilieren kann und sich ganz weit nach vorne katapultieren kann, man hat in diesen Zeiten aber auch ebenso schnell den Rand des Abgrundes überschritten.

Weg von all den Positionsfragen und Positionierungsabsichten der beteiligten Protagonisten, geht es natürlich auch noch darum, was uns alle wirtschaftspolitisch nun unter dem neuen Bundeswirtschaftsminister erwartet. Auch hierzu gibt es schon ganz klare Aussagen. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg (CSU) macht sich, wie wir es aus Bayern schon länger gewohnt sind, für Steuersenkungen stark aber er will auch den Kurs der Sozialen Marktwirtschaft wieder einschlagen. Wenn dies ein ernst gemeinter, mehrheitsfähiger Ansatz ist, wäre dies ein positives Novum in Berlin, nach jahrelanger Abkehr von diesem Wirtschaftssystem. Guttenberg (CSU) möchte nicht irgendwas zwischen Sozialismus und Liberalismus, sondern eine wertegebundene Marktwirtschaft. Wobei in dieser wirtschaftspolitischen Aussage noch eine weitere Unionsprofilstärkende Aussage steckt. Denn durch den Begriff Sozialismus macht er noch ein Mal die klare Abtrennung von jeglichem linken Gedankengut, von der SPD bis zu den Linken, klar, grenzt aber auch gleichzeitig mit dem Hinweis auf den Liberalismus die FDP etwas aus. Man sieht es kommen noch spannende Monate bis zur Bundestagswahl auf uns zu, sowohl politisch, wie auch wirtschaftlich.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Prinz1966 // 15. Feb 2009 at 11:44

    Ich bin sehr zornig. Wie kommt ein Mann dazu, ein ganzes Volk zu veräppeln? Siehe Bericht Panorama, ARD. Wirtschaftliche Kompetenz, 0%. So einen getürkten CV ist mir noch nie untergekommen! Wäre er mein Mitarbeiter, würde er sofort fristlos entlassen! Wir ernten, was wir säen! Schauen Sie gerne mal vorbei, in meinen Blog: Oekonom aus Leidenschaft! Auch ich habe beschlossen, nicht mehr tatenlos und schweigend zuzusehen. Schon wegen meiner Tochter. Jede geschriebene Zeile wird wahrgenommen.
    25 % der Deutschen haben keine Geldreserven oder sogar Schulden. Also über 20 Millionoen! Und dieser Multi-Millionär möchte die bescheidenen Mindestlöhne wieder abschaffen. Die komplexen Zusammenhänge der Wirtschaft für den Wohlstand einer Nation werden dann politsch vereinfacht.
    Unser Mittelstand ist um 5% die letzten Jahre zurückgegangen! (Lt. Quandt-Stiftung). Bei einer Discussion am 20.5.2008 in Wesel fragte ein Junger Beamter (so alt wie G.), ist das denn viel? Das sind über eine Million Menschen, die bewusst den sozialen Abstieg merken! Und nochmal soviele, die auf einmal ANGST bekommen, vor dem Abstieg! Diese Menschen halten sich zurück in Ihren Investitionen. Wenn in einer Gesellschaft die Angst beseteht, abzusteigen, hat das fatale, komplexe Verhaltensmuster zur Folge, die NICHT kalkulierbar sind!
    Juristen lernen, alles ist kalkulierbar, Oekonomen lernen, das mathematische Modelle nicht ausreichen, Volkswirtschaften zu analysieren. Das sind gedanklich zwei unterschiedliche Welten und Erfahrungsmuster, die verschiedener nicht sein können!

Schreib was dazu