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Die Wahrheit des Wortes

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Kapitalismus besiegt Ethik und Moral

15. Juli 2009

Man muss auch Niederlagen eingestehen können. Man muss allerdings auch immer berücksichtigen, dass jedes Spiel seine Spieldauer hat und die in diesem Spiel, ist bei weitem noch nicht abgelaufen, auch wenn manche vermeintlichen Eliten und Experten es meinen. Alle Welt ist auf die Weltwirtschaftskrise, die Finanzkrise, die Bankenkrise oder welch skurrile Namen man sich noch ausdachte, hereingefallen aber langsam werden die Absichten hinter alldem immer deutlicher. Scheinbar war es nur ein großer Test, wie weit man die breite Mittel-und Unterschicht drücken kann, um die eigene Profitgier weiter auszubauen und in dieser ersten Runde gehen die Punkte ganz klar an die Mächtigen dieser Welt, denn die arbeitende Bevölkerung hat alles abgenickt. Lohndumping, Verlust von sozialen Ansprüchen, die man sich durch Einzahlung in Sozialsysteme über Jahre oder Jahrzehente teuer erkauft hat, alles wurde gegeben nur um weiterhin ein wenig Würde durch Kapital zu behalten und so siegte der Kapitalismus über die Ethik und Moral. Wobei man natürlich auch berücksichtigen muss, dass Kapitalismus in einer vernünftigen Ausprägung gar nicht verkehrt ist aber die angelsächsischen Auswüchse hin zu einem globalisierten Turbokapitalismus oder Raubtierkapitalismus hätten verhindert werden müssen.

Dies ist keine eine Übung!

Geld verdienen, mit Fleiß mehr Werte zu schaffen, diese Mehrwerte zu versteuern, all dies sind keine Prozesse die man verteufeln müsste oder sollte. Marktwirtschaft, das Spiel zwischen Angebot und Nachfrage, all dies ist mit Sicherheit kein Teufelswerkszeug, allerdings muss man sich auch klar vor Augen halten, wo hier die Grenzen verlaufen sollten. Dies gilt für die Wirtschaft, wie aber natürlich auch für die Politik, die Gesellschaft selbst und letztendlich auch für die religiösen Vertreter dieser Welt, die sich in diesem Kontext doch außerordentlich zurückhaltend zeigen. Wenn man sich in den letzten Wochen und Monaten umsieht, gab es meistens nur sehr verhaltene Vorwürfe oder Proteste und diese gingen nur bis zu dem Punkt, wo man die eigenen Gewinne gefährdet sah. Dies gilt unabhängig davon, ob es das Nobelapartment in New York war, weshalb der Broker seinem Chef nicht ins Wort fiel oder der Arbeiter nicht auf die Strasse ging, weil er seinen Job für sicher hielt und nicht in einem schlechten Licht vorm Chef stehen wollte. Keiner sollte sich großartig beschweren, denn wirklich große Massendemonstrationen, Generalstreiks und ähnliches waren bislang die Ausnahme, denn scheinbar geht es viel zu vielen Menschen noch immer viel zu gut. Der G8-Gipfel in L´Aquila war ein gutes Beispiel, während die Elite der Welt den Zynismus besaß, sich in einem Katastrophengebiet zu treffen, blieben die großen Demonstrationen aus moralischen Aspekten aus. Wie weit man diese Grenze nach unten schrauben kann, scheint der momentane Großversuch der vermeintlichen Eliten und Experten am Rest der Bevölkerung zu sein. Es ist traurig mit anzusehen, dass viele Menschen wirklich glauben, dass alles sei nur so etwas wie eine Übung und gerade noch einmal gut gegangen.

Die Fakten belegen nur leider, dass es keine Übung gewesen ist, sondern scheinbar nur der Versuch zu schauen, wie weit man das Lohnniveau noch drücken kann und wie weit man die Sozialsystem noch aushöhlen kann. Dies klingt auf Anhieb alles nach einer sagenumwobenen Verschwörungstheorie, ist es aber ganz und gar nicht, denn der gesunde Menschenverstand, sofern er nach Dauerberieselung durch Talkshows, Castingshows und Soaps noch vorhanden ist, zeigt, wo sich die Systeme hinentwickeln und wer den Weg vorgibt. Hier wurde allerdings auch unsere Redaktion völlig kalt erwischt. Denn scheinbar haben die vermeintlichen Eliten und Experten auch kein Problem damit im Notfall, sollte ein Experiment, wie das jetzige, aus dem Ruder laufen, hinter hohen Mauern mit Stacheldraht zu leben, was letztendlich im aller schlimmste Fall das Resultat wäre. Auch in einem solchen Fall hofft man wohl auf Staatshilfen, auch wenn diese dann weniger finanziell geartet wären, als viel mehr durch polizeilichen Schutz. Das es hier um menschliche Schicksale geht, um Familie mit Kindern, die sich mittlerweile zum Teil seit Jahren keinen Urlaub mehr außerhalb der eigenen vier Wände leisten können, steht nicht auf der Agenda. `Friss oder stirb heißt die Parole`, wie es Campino von den Toten Hosen einmal so schön formulierte. Frei interpretiert, mache all das mit und du hast noch ein wenig was oder sei dagegen und verliere alles. Überdimensionierte Leistungsansprüche bei minderer Entlohnung ist die Parole dieser Tage. Sie wurde ausgegeben von den Mächtigen der Industrie und gegen die kann man wenig tun aber sie wurde gebilligt und sogar forciert durch die Politik und dies gilt für Deutschland, wie auch für den Rest Europas und der Welt.

Jeder hat eine Stimme!

So lange in einem Land wie Deutschland Kinder kein Geld für Schulhefte, angemessenes Essen oder Ausflüge haben aber sich die Manager an der Wall Street nun soweit regulieren lassen, dass sie ihre 600 Dollar teuren Schuhe mit Kratzern nicht mehr wegwerfen, sondern polieren lassen, sollte jeder verstehen, dass sich nicht wirklich etwas geändert hat, sondern sich die Situation noch weiter verschlimmert. Jeder Mensch in einer Demokratie hat das Recht und wohl auch die Pflicht seine Stimme zu erheben, auf die Strasse zu gehen und dagegen zu protestieren, wenn dies allerdings aus Eigennutz und egoistischer Profitgier, egal auf welch kleiner Ebene, ausbleibt, verwirken diese Menschen wohl ihr Recht auf Mitleid. 61 Milliarden Euro wurden laut der ARD für ferne Urlaubsziele in 2008 investiert, dies zeigt natürlich, dass wir in der Bundesrepublik Deutschland nicht wirklich klagen dürfen aber das Urlaub in Deutschland, in den Medien immer mehr vorangetrieben wird und Urlaub auf Balkonien als positive Abwechslung verkauft wird, zeigt auch wo viele Vertreter der Massenmedien im Moment noch stehen. Sie spielen das Spiel einfach mit. Wenn man sich in der Branche umschaut, versteht man allerdings auch schnell das Problem. Ein immer größer werdender Teil der Mitarbeiter sind Freelancer, die schon nach neuen Herausforderungen suchen, wie man es in der heutigen Zeit wohl nennt, wenn man keinen ausreichend bezahlten Job mehr hat. Die Alternative ist es da wohl, brav das zu verbreiten, was der Auftraggeber und damit natürlich auch der Geldgeber verlangt. Das dieser Zustand nicht gerade die Unabhängigkeit in den Medien fördert, dürfte klar sein. Auch hier sieht man sehr schön, wie es um Ethik und Moral, von Idealismus einmal ganz zu schweigen, bestellt ist. Ob man noch in den Spiegel schauen kann, ist in der heutigen Zeit offensichtlich irrelevant geworden. Wie man sieht hat jeder für sich seine eigenen, ganz persönlichen Motive warum er schweigt und genau auf dieser Basis wird das vermeintlich gescheiterte System auch noch auf Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte überleben.

Am Anfang von all dem, was uns diese nie da gewesene Staatsverschuldungen brachte, stand eine vermeintliche Banken-oder auch Investmentkrise aber was ist aus ihr geworden? Nehmen wir Goldman Sachs, die größte und einflussreichste Investmentbank der Welt, die zum Glück, wie viele behaupten, mit gut zehn Milliarden Dollar gerettet werden konnte, die mittlerweile zurückbezahlt wurden. Laut ZDF-Angaben, in Bezug auf andere Medien, werden hier in diesem Jahr wieder 20 Milliarden Dollar an Bonus ausgezahlt. Die ARD meldet für Goldman Sachs einen Quartalsgewinn von 2,7 Milliarden Dollar. Im Schnitt sollen sie für jeden Mitarbeiter 900.000 Dollar jährlich bezahlen. Da sieht man wohin die Entwicklung geht. Man sieht schnell, dass sich die Regeln am Markt geändert haben, so zum Beispiel auch die US-Bilanzregeln, die Unternehmen nun glänzen lassen. Allerdings gibt es keine, dem Volk versprochene, positive Änderung für die zukünftigen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Fakt ist, dass dieser Tage viele Menschen in Deutschland, aber auch sonst wo auf der Welt, vom Licht am Ende des Tunnels sprechen. Eine Botschaft die überall positiv aufgenommen wird, egal auf welcher Seite der Schere von Arm und Reich, die immer weiter auseinander klafft, man steht. Es wird nur scheinbar vergessen, dass es hier offensichtlich zwei Lichter gibt. Zum einen den entgegen kommenden Zug, der irgendwann die arbeitende Bevölkerung mit noch größerer Wucht treffen wird und zum anderen ein zweites, ein hellscheinendes positives Licht am Ende des Profithimmels für noch mehr Gierbefriedigung auf Seiten der Mächtigen. Die Krise ist in weiten Teilen der Finanzwelt aber zum Teil auch in der Industrie als so gut wie beendet erklärt worden, dies gilt aber nur für die Big-Player, für den Rest bleiben Billionen an Staatsverschuldung die auf Generationen Haushalte und damit auch Sozialsysteme an den Boden drücken werden.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Virgilja // 10. Aug 2009 at 16:17

    Interessanter Beitrag habe es in die Favoriten aufgenommen. Danke

Schreib was dazu