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Die Wahrheit des Wortes

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Kapital. Macht. Politik

25. März 2008

Nehmen wir einfach zwei Satzzeichen aus der Überschrift und verändern ein Mal die Groß-und Kleinschreibung und schon haben wir aus den drei wichtigen Faktoren, die die olympischen Spiele 2008 in Peking betreffen, einen wohl auch sehr zur Situation passenden Satz gebildet. Kapital macht Politik. Gestern wurde im griechischen Olympia die olympische Flamme entzündet, die sich nun auf ihren weiten Weg über alle Kontinente aufgemacht hat. Auf dieser mehr als 130.000 Kilometer langen Strecke wird sie auch Tibet erreichen und man darf gespannt sein, was sich auf dem Weg dieser Flamme bis zum 08. August 2008 noch alles ereignet. Wobei die Vorzeichen nichts Gutes erwarten lassen.

Pressefreiheit ist relativ

Zur Zeit gibt es eher nur traurige Neuigkeiten aus China. So zum Beispiel das letzte Woche die beiden letzten noch verbliebenen Journalisten aus Tibet ausgewiesen wurden. Somit gibt es keinerlei verlässlich Berichterstattungsmöglichkeit mehr aus der Region. Laut staatlichen, chinesischen Angaben wurde bei Unruhen in der Provinz Szechuan ein Polizist getötet. Laut Angaben von Exiltibetern wurden bislang über 1.000 Tibeter verhaftet und es gab über 140 Tote. Wie gesagt, all diese Angaben kommen von der einen oder anderen Seite, wo nun die Wahrheit liegt, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu klären. Genau dieser Punkt ist allerdings aus Mediensicht so skandalös, denn die freie Berichterstattung ist genau einer der Gründe, worauf sich unter anderem auch Medienvertreter so oft, gerade auch in der Frage nach einer Boykottablehnung, berufen. Mittlerweile schränkt man diese Pressefreiheit schon auf die Spiele selbst ein, was dann nur eine temporäre Veränderung darstellen würde aber noch weit entfernt von der eigentlichen Pressefreiheit wäre.

Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, setzte heute im ZDF, wie viele andere Funktionäre auch, auf Dialog und freie Berichterstattung über alles was mit den Spielen zusammenhängt. Ketzerisch muss natürlich die Frage erlaubt sein, ob Menschenrechtsverletzungen in Tibet etwas mit den Olympischen Spielen in Peking zu tun haben. Über 25.000 akkreditierte Journalisten gibt es für die Zeit der Spiele, die Frage die bleibt ist, wie frei sie sich bewegen dürfen und wie frei sie ihre Berichte erstellen dürfen. Es ist wohl davon auszugehen, dass hier der Begriff der Freiheit auch durch das Gastgeberland bestimmt wird und das dieser nicht gerade westlichen Standards entspricht, hat China bis zu letzt immer wieder bewiesen. Ich bleibe dabei, dass der Eindruck massiv bleibt, dass niemand daran interessiert ist China wirklich die Stirn zu bieten und dies scheinbar aus rein Kapitalfixierten Gedankengängen heraus.

Meinungsfreiheit als Störfaktor

Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mahnte an, dass die Spiele in einer `friedlichen Umgebung stattfinden` müssten. Das wird aller Voraussicht nach auch der Fall sein, denn die Olympischen Spiele finden in Peking und nicht in Tibet statt. Das Herr Rogge sich nicht konkret zu den Geschehnissen in Tibet äußerte zeigt einen klaren Weg auf. Dieser wird auch zum Teil von den Medien aufgegriffen, wo immer wieder die Rede von der `Störung` der Feierlichkeiten in Olympia war. Ich empfand die Nachbildung der Olympischen Ringe durch Handschellen, durch einen französischen Reporter ohne Grenze nicht als störend, sondern als eine freie Meinungsäußerung, an angemessener Stelle. 1968 streckten schon zwei schwarze Sprinter, ein halbes Jahr nach der Ermordung von Martin Luther King, bei den Olympischen Spielen in Mexiko, ihre Fäuste in die Luft. Sie taten dies um auf die Rassentrennung in den USA hinzuweisen. Auch dies wurde als Störung empfunden und sie aus dem Verband entfernt.

Wenn deutsche Sportfunktionäre sich immer wieder darauf berufen, dass Boykott keine Lösung sei und auch der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau nicht verhindert hätte, dass auch nur ein russischer Soldat weniger an der Invasion Afghanistans teilgenommen hätte, mag dies natürlich richtig sein aber ohne diesen Boykott würde man heute gar nicht mehr darüber sprechen. Persönlich halte ich einen Boykott auch nur für so etwas, wie den finalen Rettungsschuss in der Gesamtsituation. Trotzdem muss man sich auch vor Augen halten, was zur Zeit geschieht und wenn man dann junge Sportler aus dem Judokader hört, die jammern, dass sie sich so lange darauf vorbereitet hätten und ein Boykott letztendlich das Ende eines Traumes sein würde, mangelt es mir etwas an Verständnis. Denn während diese Sportler nur einen Traum verlieren, verlieren zur gleichen Zeit Menschen ihr Leben. Da müsste die Gewichtung eigentlich glasklar sein.

Mehr Ehrlichkeit auch im Sport

Wir leben in einer erfolgssüchtigen Gesellschaft, wo es scheinbar nur noch um Gewinnmaximierung geht, allein dies ist schon ausreichend Stoff für Diskussionen aber noch schlimmer ist die Verlogenheit die scheinbar mehr und mehr zur Normalität wird. Denn das immer wieder aus dem Hut gezauberte Argument, dass Sport nicht für politische Zwecke missbraucht werden darf, hinkt. Denn so frei, wie der Sport dargestellt wird, ist er lange schon nicht mehr und im vertreten Gewinnorientierter Positionen, gerade auch im Kontext zur Weltwirtschaft und China, setzt sich der Sport gerne ein. Auch das ist Politik und zwar Wirtschaftspolitik.

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Kategorie: Free Tibet · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 flamm // 14. Mai 2008 at 04:56

    [...] Dies war aber nicht der erste und wohl auch nicht der letzte Eklat im Kontext der Olympischen Spielhttp://www.fairschreiben.de/index.php/kapital-macht-politik/2008-03-25/Flamm, Boroff &amp Bacine, PCPhiladelphia business law, estate planning, employment attorneys in [...]

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