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Die Wahrheit des Wortes

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(K) eine Frage der Ehre

7. Januar 2009

Das Jahr 2009 beginnt auch wirtschaftlich gesehen ebenso grau, wie das alte Jahr endete und Besserung scheint nicht in Sicht. Russland dreht Europa den Gashahn ab. Die allgemeine wirtschaftliche Lage ist offensichtlich so schlimm, dass sich mit Adolf Merckle eine erste Person aus der Führungselite der Deutschland AG das Leben nahm. Bei all dem scheint bald schon klar zu werden, dass Tugenden, die sich jahrelang beim Aufbau Deutschlands ausgezahlt haben, einfach nicht mehr vorhanden sind. Ehre, Anstand und Moral scheinen in der heutigen Zeit in der völligen Bedeutungslosigkeit zu versinken. Stattdessen geht es um Humankapital und Rendite. Die Entwicklungen dieser Tage sollten uns alle noch ein Mal anregen darüber nachzudenken, ob die heutigen Wirtschaftssysteme wirklich auf Dauer für alle tragfähig sind?

Die mediale Eiszeit

In dem Moment als Russland zu Neujahr der Ukraine den Gashahn abdrehte, stand eigentlich fest, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist bis auch die Staaten der EU in Mitleidenschaft gezogen würden. Wer aber nun darauf hoffte, über die Medien zu den anstehenden Problemen ausreichend informiert zu werden, wurde enttäuscht. Gebetsmühlenartig wurde noch vor einigen Tagen darauf hingewiesen, dass es für Europa und vor allem auch für Deutschland keine Probleme geben würde. Dann betraf es plötzlich Südosteuropa und spätestens seit dem heutigen Morgen auch ganz konkret Deutschland. Nun erzählen uns die Menschen, die uns noch vor einigen Tagen erklärt haben Deutschland sei nicht betroffen, dass das was im Moment passiert kein Problem darstellt. Wie glaubwürdig dies noch ist, kann und sollte sich jeder selber überlegen. Russland zeigt ganz klar, welche Mittel es bereit ist einzusetzen, wenn es um die Vermarktung der eigenen Bodenschätze geht. Hierzulande hat man die einfache Antwort, dass sich die Lage ab dem Jahr 2011 durch die Ostseepipeline verbessern wird. Auch an dieser Aussage kann man durchaus zweifeln, denn die Inbetriebnahme dieser neuen Pipeline, bedeutet vor allem, dass der russische Gasanteil in Deutschland von 40 auf 60 Prozent heraufgesetzt wird und das spricht wohl kaum für mehr Sicherheit.

Natürlich sind das alles Szenarien, die die Menschen erstarren lässt, gerade auch bei Temperaturen die sich teilweise auf die -30 Grad Celsius zu bewegen. Über all dies wird aber das größte Problem übersehen, denn man muss einfach davon ausgehen, dass die Energieversorgung in Deutschland stabil bleibt aber zu welchem Preis? In ein bis zwei Monaten erinnert sich wahrscheinlich niemand mehr an die Gasproblematik die im Moment vorherrscht und alle werden sich über die steigenden Energiekosten wundern. An dieser Stelle drängt sich wieder ein Mal der Verdacht auf, dass Medien in der heutigen Zeit oftmals nicht nur Teil moderner Kriegsführung sind, sondern auch Politik machen, wie zu letzt im Fall des baldigen amerikanischen US Präsidenten Barack Obama. Vor allem machen Medien aber auch immer mehr Wirtschaft. Dieser Tage hat man vor allem das Gefühl, dass sie dazu missbraucht werden, für Ruhe in der Bevölkerung zu sorgen und da ist es ganz offensichtlich nicht opportun die Wahrheit über Gas-oder Energiepolitik zu verbreiten. Es ist die gleiche Medienphilosophie, der hier gefolgt wird, der man schon seitdem Beginn der Weltwirtschaftskrise folgt. Es wird alles klein bzw. schön geredet und die traurige Wahrheit kommt, wenn überhaupt, nur in ganz kleinen, verspäteten Happen an die Öffentlichkeit. Auch diese Art der Informationspolitik dürfte einer moralischen Prüfung wohl kaum standhalten.

Freitod in der Führungselite

Die kritische Energielage ist aber nur ein Teil des gesamten Problems. Außerdem muss man an dieser Stelle festhalten, dass es Deutschland im Moment noch verhältnismäßig gut geht. In der Slowakei ist schon der Notstand ausgerufen und in Österreich arbeitet man massiv an einem Krisenplan. Die Welt ist im Wandel und dieser Wandel wird sehr schmerzlich und diese Wahrheit sollte doch auch in den Medien eine viel größere Rolle spielen. Wie steht es wirklich um eine Wirtschaft, in der sich einer ihrer großen Kapitäne vor den Zug wirft? Adolf Merckle hat sich, wie man es so schön formuliert, verzockt und dies ist ihm scheinbar sehr an die Ehre gegangen, so dass er nur noch den Ausweg des Freitodes mit 74 Jahren sah. Nun ist schnell die Rede vom ersten Todesopfer der Finanzkrise. Eine weitere Unwahrheit. Denn zum einen sollte man endlich offen über die Weltwirtschaftskrise sprechen und sie nicht immer als Finanzkrise bagatellisieren und außerdem muss man wohl davon ausgehen, dass sich auch schon vor Herrn Merckle Menschen aus finanzieller Not, die das Ergebnis der Weltwirtschaftskrise war, das Leben genommen haben. So tragisch der Fall auch für die Angehörigen ist, ist es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit leider kein Novum und auch kein Einzelfall in Deutschland.

Diese Fakten zeigen ein Mal mehr auf was für tönernen Füßen das heutige globale Wirtschaftsgebäude steht. Der Verlust von Ehre, Anstand und Moral wird auch in Zukunft viele Opfer fordern und von uns allen Opfer verlangen. Manch einer wird sich noch mit Wehmut an Zeiten erinnern, in denen diese Worte größere Bedeutung hatten und man noch Geschäfte per Handschlag machen konnte und nicht gleich eine Armee von Anwälten und Notaren brauchte. In einer Zeit in der Menschlichkeit der Rendite weichen muss, darf man nicht überrascht sein, wenn dies auf lange Sicht eine Gesellschaft ruiniert. Mehr Ehrlichkeit ist gefragt. Die wirklichen Fakten müssen höher gewichtet werden. Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, Präsident des renommierten Ifo-Instituts spricht nun schon von Krisenjahren bis 2010 aber plötzlich zweifelt man den Experten, auf den man sich Jahre lang verlassen hat, an. Es ist schon merkwürdig und es zieht sich durch diese Gesellschaft und vor allem auch durch die Wirtschaft und natürlich auch durch die Politik, dass man die Realität als Pessimismus deklariert. Wie wichtig es in diesen Tagen ist Ehre, Anstand und Moral wieder weiter in den Vordergrund zu stellen, haben die Ereignisse zu Jahresbeginn 2009 nun ein Mal wieder massiv gezeigt. Was wir alle daraus machen, bleibt letztendlich jedem selbst überlassen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

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