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Die Wahrheit des Wortes

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Josef Fritzl und die Kirche

16. März 2010

Es ist nun ziemlich genau ein Jahr her, dass Josef Fritzl für seine grausamen Taten verurteilt wurde und dies ist natürlich umso spannender, betrachtet man die aktuelle Lage der katholischen Kirche in Deutschland aber natürlich auch in Österreich. In Amstetten ist langsam wieder Ruhe eingekehrt, wobei wohl kaum jemand dort vergessen wird, was sich hier in der Mitte der Gesellschaft abgespielt hat. Ob Josef Fritzl wirklich glaubt und an was so ein Mensch glauben mag, ist die eine Frage. Eine ganz andere Frage ist, wie Geistliche der katholischen Kirche überhaupt noch angehören können, wenn sie zu den Tätern des aktuellen Missbrauchsskandals gehören. Und diese Frage ist völlig frei von Verjährungsfristen und ähnlichem zu sehen, denn solche Taten verjähren moralisch gesehen wohl niemals. In beiden Fällen reden wir von unglaublicher Kriminalität, die über Jahrzehnte Bestand hatte, allerdings beurteilt man hier die Täter ganz offensichtlich unterschiedlich. Denn Begriffe wie zum Beispiel `Monster`, wie man Fritzl auch immer wieder nannte, tauchen im Bereich der Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche doch eher sehr selten auf.

Der Meister
Da dachte man in Deutschland bislang, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mindestens so gut ist, wie Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU), wenn es um das Thema aussitzen geht. Nun wird einem allerdings bewiesen, dass dies eine große deutsche Tugend zu sein scheint und der wahre Meister dieser Disziplin im Vatikan (aus)sitzt. Viele Menschen haben damit gerechnet, dass sich Papst Benedikt XVI. zu all den Vorwürfen am Wochenende äußern würde aber dem war nicht so. Man kennt den Werbeslogan des VW-Käfer `und er läuft und läuft und läuft…` . Beim Papst müssten man wohl sagen: `Und er schweigt und schweigt und schweigt…`. Aussagen aus seinem Umfeld, die darauf hinweisen, dass es sich hierbei um ein Problem in Deutschland handeln würde und damit die deutschen Bischöfe gefordert seien und nicht der Papst, stimmen so nicht ganz. Nicht nur das sich der Skandal schon lange auch auf Österreich ausgedehnt hat, zeigt das es ein Problem in Europa ist und wer die Sachlage etwas genauer betrachtet, erkennt schon bald, dass es letztendlich ein weltweites Problem der katholischen Kirche ist und somit ist auch der Papst gefordert. Das Papst Benedikt XVI. scheinbar nicht im Ansatz angemessen reagiert, lässt natürlich auch wieder Rückschlüsse auf die katholische Kirche im Ganzen zu.

Kommen wir aber noch einmal zu Josef Fritzl zurück. Dieser hatte seine eigene Tochter 25 Jahre lang in einem Kellerverlies gefangen gehalten und sie immer wieder missbraucht, so dass er mit ihr sogar einige Kinder zeugte, die er zum Teil ebenfalls einkerkerte. Die Empörung über eine solche Tat war in den Medien aber auch in der Gesellschaft unvorstellbar groß. Nun haben wir es auch bei den Missbrauchsvorwürfen gegen die katholische Kirche mit Jahrzehnten zu tun, hier ist nun wohl niemand in der Form der Freiheit beraubt worden, wie im Fall Fritzl, allerdings muss man bei den Katholiken schon von einer gewissen Abhängigkeit zwischen Opfern und Tätern sprechen und natürlich ist die Anzahl der Opfer auch um ein vielfaches größer. In den Medien konnte man zuletzt eine Grafik sehen, in der die circa 30 einzelnen Tatorte zu sehen waren, in denen es in Deutschland scheinbar Missbrauchsfälle gegeben hat und da wird einem erst wirklich klar über was für eine Ausdehnung man hier spricht. Spätestens an dieser Stelle kommt die Frage auf, warum man hier scheinbar versucht unterschwellig alles zu bagatellisieren, während man bei Josef Fritzl keine Art der Verurteilung ausließ. Meinen die Menschen wirklich, die Täter aus der katholischen Kirche seien besser als ein Josef Fritzl?

Kirchensteuer als Entschädigung
Hier wurde schon häufiger angeregt der katholischen Kirche einfach ihren Anspruch an der Kirchensteuer zu streichen, sollten sie auch weiterhin unkooperativ sein, schließlich bestraft man auf genau diesem Weg auch Hartz-IV-Empfänger, wenn sie unkooperativ sind. Außer das man sich mit der Aufarbeitung des Skandals scheinbar doch noch immer etwas zurückhält, sucht man nun wohl auch nach Möglichkeiten, die Opfer finanziell nicht entschädigen zu müssen und manch einer argumentiert damit, dass Geld an einer solchen Stelle auch nichts ändern würde. Über diese Aussage kann man geteilter Meinung sein und sollte auch hier das Verhalten der katholischen Kirche genau im Auge behalten. Im Notfall wäre es eine Überlegung einen Opferfonds zu bilden, wo dann die Kirchsteuer der katholischen Kirche hineinfließt bis auch der letzte Fall lückenlos aufgeklärt ist, denn scheinbar hilft hier nur noch externer Druck damit sich überhaupt etwas bewegt. Natürlich hört man im Moment immer wieder, dass es sich um ein gesellschaftliches Problem handelt, welches nicht rein die katholische Kirche betrifft. Dies ist soweit auch richtig, klingt aber gerade von Seiten der katholischen Kirche meist nur wie ein billiges Ablenkungsmanöver. Noch besteht die Möglichkeit für die Katholiken sich in Schadensbegrenzung zu üben, allerdings ist jeder weitere Fall, jegliche weitere Abschottung nach außen, nur ein weiterer Schritt in Richtung Untergang.

Bei jeglicher anderen Form von einem Zusammenschluss von Menschen, wie es auch in der katholischen Kirche der Fall ist, hätte man bei einer solchen oder ähnlichen Struktur von Missbrauchsfällen, wohl auch schon längst von einer kriminellen Vereinigung gesprochen, denn die große geografische Ausdehnung  der Fälle, wie natürlich auch die bislang bekannten Opferzahlen, lassen einen durchaus so etwas, wie eine gewisse Systematik erahnen. Es ist Zeit für tiefgreifende Veränderungen in der katholischen Kirche und das sollte man dort von selbst schaffen und wenn dem nicht so ist, muss eben die Politik etwas unternehmen, um all die verlorenen Schäfchen wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Aber auch die Gesellschaft kann vieles bewegen, in dem sie zum Beispiel gegen all das demonstriert. Dieser Wechsel ist auch deshalb so wichtig, da die aktuelle Struktur der Taten, es nicht unmöglich macht, dass es auch noch viel aktuellere Straftaten in diesem Kontext gibt und diese dürfen dann nicht wieder erst in Jahrzehnten aufgedeckt werden, wenn juristisch alles zu spät ist. An dieser Stelle sei auch daran erinnert, dass der Staat auch für die Sicherheit seiner Bürger zuständig ist und scheinbar muss die Gesellschaft zu mindestens vor einem gewissen Teil der katholischen Kirche geschützt werden, dass dies in der Vergangenheit scheinbar nicht im ausreichenden Maße der Fall war, zeigt die Vielzahl der Missbrauchsfälle über die aktuell diskutiert wird. Da Gottes Gesetze hier scheinbar gar nichts bringen, muss man all dem eben mit rechtsstaatlichen Mitteln ein Ende setzen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik

Bis jetzt 5 Kommentare ↓

  • 1 Manfred Vogl // 16. Mrz 2010 at 13:38

    Mt 7,15-20:
    “Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind!
    An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.
    Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln?
    So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte.
    Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen.
    Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
    Darum werdet ihr sie an ihren Früchten erkennen.”

    Mehr kann man dazu nicht sagen.

  • 2 Eva Ihnenfeldt // 16. Mrz 2010 at 17:30

    äh, ist da aus Versehen die Werbung gegen Abtreibung reingerutscht – oder wie? Sorry, aber ich dachte, das Thema wäre langsam (außer bei fundamentalistischen Katholiken) durch!

  • 3 Thorsten // 16. Mrz 2010 at 17:40

    Hallo liebe Eva, kann schon mal passieren, ansonsten gib ich dir natürlich inhaltlich recht.

  • 4 Manfred Vogl // 17. Mrz 2010 at 13:39

    In Österreich z.B. werden keine Statistiken zum Thema Abtreibung geführt.
    Daß das Töten von ungeborenen Menschen psychische Folgen für die Mütter hat, leugnet aber wohl niemand … nur daß es eigentlich ein Mord ist, wird bestritten … von fundamentalistischen IrgendwasInnen.

  • 5 arniston // 17. Apr 2010 at 14:31

    über f , diese xxx noch zu schreiben ist der hammer !

    Von der Redaktion entschärft

Schreib was dazu