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Die Wahrheit des Wortes

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Josef Fritzl und die Geschichte seiner Mutter

31. Oktober 2008

Es gibt Verbrechen, in der Geschichte der Menschheit, die unvorstellbar sind. So verhält es sich wohl auch mit dem Inzestfall der sich über fast ein Vierteljahrhundert lang im österreichischen Amstetten ereignet hat. Solch unmenschliche Verbrechen zeigen aber auch immer wieder, was in einer scheinbar intakten Gesellschaft alles passieren kann. Gerade bei einer solchen Länge eines Verbrechens, wie es auch hier der Fall war, zeigt sich das hier eine gewisse Systematik zu greifen scheint. Denn all das Geschehene, bedarf einer genauen Planung und es stellt sich natürlich auch die Frage, wie es überhaupt soweit kommen konnte. Wie wurde Josef Fritzl zu dem was er nun ist? Antworten versucht man nun offensichtlich auch in seiner Kindheit zu finden.

Die zynischen Aussagen eines Verbrechers

Die Psychiaterin Heidi Kastner, die für die Nervenklinik Wagner-Jauregg in Linz arbeitet, hat sich im Rahmen der Ermittlungen gegen den 73 Jahre alten Josef Fritzl, lange mit ihm auseinandergesetzt und in diesen Gesprächen kam einiges bisher nicht bekanntes ans Tageslicht aber auch einiges, was an Zynismus wohl nicht mehr zu überbieten ist. So spricht er, außer dass er von sich behauptet der geborene Vergewaltiger zu sein, auch davon einen guten Kern zu haben. `Ich bin zur Vergewaltigung geboren-dafür habe ich doch relativ lange durchgehalten`, sagte er unter anderem zu Kastner. Ob er das wohl mit gutem Kern meinte oder etwa, dass er sein Opfer Kerstin Fritzl, kurz bevor auch sie zu sterben drohte, einer Klinik zuführte?

Der anstehende Prozess muss nun auch noch klären, ob zu der außerordentlich langen Reihe an Anklagepunkten, auch noch ein Mord hinzukommt. Denn eines seiner Kinder verbrannte er ganz offensichtlich in einem Ofen. Die hier zu klärende Frage bleibt, warum das Kind sterben musste. Welche Bedeutung, die aus den Inzestfällen stammenden Kinder, für ihn hatten zeigt wohl der folgende Satz am besten. `Ich habe ihr ja nur so viele Kinder gemacht, damit sie immer bei mir bleibt, weil sie ja als sechsfache Mutter für andere Männer nicht mehr attraktiv ist`. Man kann dies auch so interpretieren, dass es ihm definitiv nicht um eine heile Welt mit einer Ersatzfamilie ging, sondern einzig und allein, um die Befriedigung seiner sexuellen Vorlieben. Auch dieser Faktor spricht nicht im Ansatz für so etwas, wie einen guten Kern.

Von der eigenen Mutter misshandelt

Die Gespräche zwischen Heidi Kastner und Josef Fritzl förderten aber auch noch mehr ans Tageslicht. Denn es sieht so aus, als baue er eine Verteidigung auf, wie es oftmals auch schon in ähnlich gelagerten Fällen versucht wurde, die darauf basiert, dass auch er ein Opfer gewesen sei. Laut seiner Aussage, ist er lange Jahre von seiner eigenen Mutter misshandelt worden. Er gab an, dass sie ihn bis er blutend am Boden lag prügelte und trat. Dies sei eine seiner Motivationen, was seine Einstellung zum weiblichen Geschlecht anging, gewesen. Folge dessen soll er laut `Österreich` auch schon kurz nach der Pubertät, erstmals sexuelle Attacken auf Frauen verübt haben und mit 32 Jahren soll er dann nachts bei einer gleichaltrigen Frau eingebrochen sein und diese vergewaltigt haben.

Bis seine Mutter 1980 verstarb, sperrte er diese schon in ein Zimmer, in welchem er zuvor das Fenster zugemauert hatte. Aus diesen Faktoren, sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung und das Wegsperren von Menschen, ergab sich dann wohl vier Jahre später, das 1984 begonnene Martyrium seiner Tochter. Wenn man sich nur vor Augen hält, was der 1935 geborene Josef Fritzl bis 1980 alles getan hat, wirkt dies schon unvorstellbar, dabei weiß man heute, dass all dies nur der dezente Anfang des Horrors war, der sich ab 1984 über 24 Jahre erstrecken sollte. Egal, was Josef Fritzl durch seine Mutter angetan wurde, kann und darf dies die ganzen folgenden Straftaten nicht rechtfertigen. Zu dieser Ansicht gelangte wohl auch die Gutachterin, die ihn für voll schuldfähig erklärte, was man durchaus als einen ersten Sieg der Gerechtigkeit ansehen kann. Sofern man in einem solchen Fall überhaupt von Gerechtigkeit sprechen kann.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Neues aus Österreich

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