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Die Wahrheit des Wortes

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Josef Fritzl bekennt sich im Jahrhundertprozess voll schuldig

19. März 2009

Heute ist es soweit, einen Tag früher als erwartet rechnet man in der niederösterreichischen Landeshauptstadt Sankt Pölten mit dem Urteil gegen Josef Fritzl. Am Montag erst begann der Jahrhundertprozess gegen den Mann, der seine eigene Tochter 24 Jahre lang gefangen hielt, sie tausendfach vergewaltigte und sieben Kinder mit ihr zeugte, was ihm Namen, wie zum Beispiel `Monster` oder `Kerkermeister` einbrachte. Im Verlauf des Prozesses, der auf Grund der intimen Details und vor allem auch aus Opferschutzgründen, unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet, kam es allerdings zu einer unerwarteten Wendung. Am gestrigen Prozesstag bekannte sich Josef Fritzl plötzlich und völlig überraschend in allen sechs Anklagepunkten für schuldig. Diese grundsätzlich Änderung der Verteidigungsstrategie überraschte nicht nur seinen Verteidiger Rudolf Mayer und wirft ein Mal mehr viele Fragen auf.

Gebrochen nach einem viertel Jahrhundert?

Glaubt man manchem Bericht aus den Medien, hätte Josef Fritzl aus Sicht der Verteidigung im besten Fall mit einer Haftstrafe von sechseinhalb Jahren davon kommen können. Grundlage um an ein solch unvorstellbar geringes Strafmaß zu gelangen, wäre allerdings gewesen, dass es nicht zu einer Verurteilung im Bereich der Sklaverei bzw. der Tötung durch Unterlassung gekommen wäre. Das Josef Fritzl diese Verteidigungsspur fuhr, merkte man daran, dass er beide Anklagepunkte verneinte. Es wäre wohl schwer gewesen ihm die Tötung durch Unterlassung eines der sieben von ihm gezeugten Kinder nachzuweisen, dessen Leiche er offenbar in einem Ofen im Verlies, im Keller des Hauses verbrannt hatte. Wie man den Anklagepunkt der Sklaverei beurteilt hätte, ist rein spekulativ, da dieser Anklagepunkt, den es im österreichischen Recht erst seit 1975 gibt, noch nie verhandelt wurde. Aber all diese Rechnereien sind nun seit dem gestrigen Tag hinfällig. Nun droht ihm ein Höchststrafmaß von 20 Jahren für Sklaverei bzw. Lebenslänglich für die Tötung durch Unterlassung. Da das österreichische Rechtssystem keine Addition einzelner Haftstrafen zu lässt, gilt, egal wie immer das Urteil ausgeht, der Anklagepunkt mit der längsten Strafe als relevant.

Was nun wirklich geschah, was in ihm vorgeht, werden wir wohl alle nie erfahren. Vielleicht war es alles nur eine geplante Inszenierung, die mit seinem Tod enden sollte. Vielleicht wollte er der Welt noch ein Mal sagen und klar machen, dass er das unvorstellbare wirklich alles getan hat, um sich dann durch einen Suizid der Strafe zu entziehen. Denn feststeht, dass die Suizidgefahr bei Josef Fritzl seit dem gestrigen Tag massiv angestiegen ist. Was natürlich umgehend zu einer Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen in diesem Bereich führte. Vielleicht haben ihn die gestrigen Aussage seiner Tochter Elisabeth, die wohl auch seine letzten Lügen zusammenbrechen ließen, gebrochen. Gestern war wohl der erste Tag in dem er auch so etwas wie Gefühle zeigte. Es waren wohl Tränen zu sehen und er zitterte am ganzen Körper. Die Veränderung war aber auch am heutigen Morgen, als er den Prozesssaal betrat, zu erkennen. Bislang versteckte Josef Fritzl jeden Tag zu Prozessbeginn sein Gesicht hinter einem Ordner, so dass die Journalisten etc. keine Chance hatten ihm ins Gesicht zu sehen. Eben betrat er den Gerichtssaal mit erhobenem Haupt, ohne sich auch nur im Ansatz zu verstecken, er schaute sogar in die ein oder andere Kamera, bevor er wortlos im Gerichtssaal verschwand.

Merkwürdigkeiten eines Jahrhundertprozesses

Mit dem Inzestfall von Amstetten, der ganz Österreich und den Rest der Welt erschütterte, kamen natürlich viele Fragen auf und einiges war und bleibt wohl auch sehr merkwürdig. Natürlich hat all das Geschehene auch die bekannten `Nebenwirkungen` gehabt, wie zum Beispiel einen unvorstellbar großen Medienrummel, der selbst noch ein Mal den, um das Entführungsopfer Natascha Kampusch, die selbst über acht Jahre gefangen gehalten wurde, übertraf. Merkwürdig war die Aussage des Verteidigers Rudolf Mayer, die kurz nachdem er das Mandat annahm, aufkam. Denn es hieß, dass sein Leben bedroht würde, was bei dem Ausmaß des Schrecken, welcher sein Mandant auslöste, auch nicht wirklich überrascht hätte. Allerdings stellte im Verlauf des Prozesse, die Polizei von Sankt Pölten auf Nachfrage in einer Pressekonferenz klar, dass ihr von einer solchen Bedrohungslage nichts bekannt sei. Dies bedeutet, entweder war das Bedrohungsszenario nicht so massiv, dass sich der Anwalt wirklich bedroht fühlte und die Polizei deshalb nicht informierte oder es war gar nicht vorhanden und er versuchte so ein Gesamtbild aufzubauen bzw. zu etablieren, welches sich positiv für den Täter hätte auswirken sollen. Denkbar sind hier wohl verschiedene Modelle.

24 Jahre Horror, Gewalt und Gefangenschaft. Dies alles wird nun wohl innerhalb von vier Prozesstagen abgearbeitet, da ist man nicht irritiert, dass viele Menschen die Kürze des Prozesses für unglaublich halten. Man muss sich vor Augen halten, dass hier alleine gut elf Stunden Video-bzw. DVD-Material gezeigt wurden, auf denen die Opferaussagen festgehalten wurden. Hier schilderte Elisabeth Fritzl ihr Martyrium, um diese unvorstellbare Tat, gerade auch für die Geschworenen, fassbarer zu machen, auch wenn dies bei einer solchen Straftat fast unmöglich scheint. Man sieht nur schon an diesem einen Punkt, um welches inhaltliches Volumen es in diesem Prozess geht und dies alles in vier Tagen abzuhandeln, ist auch wirklich schon erstaunlich und stellt wohl auch für die österreichische Justiz einen Rekord dar. Ebenso merkwürdig ist allerdings auch, dass keine familienexternen Zeugen gehört wurden. So wird sich wohl nie die Rolle des Umfeldes von Josef Fritzl klären lassen. Die Frage nach der Schuld oder Mitwissenschaft der Gesellschaft wird also im dunklen bleiben. Denn natürlich bleiben die Fragen, wieso es niemandem auffiel, dass er ein vielfaches an Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Lebens brauchte, offen. Was ist mit den Massen an Baumaterial und Bauschutt, der im Rahmen des Baus des Verlieses angefallen sein muss oder gar mit dem Baulärm, den eine solche Baumaßnahme mit sich bringt? Es bleiben wohl sehr viele Fragezeichen nachdem Ende dieses viertägigen Jahrhundertprozesses.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Neues aus Österreich

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Ulf, der Freak, auch Catweazle genannt // 19. Mrz 2009 at 16:52

    Was dieser Mann sich ausgedacht hat, übersteigt meinen Horizont. Wozu ist ein Mensch fähig? Wie kommt man auf solche Ideen?

  • 2 Askan Cless // 26. Mrz 2010 at 13:36

    Dieser Mann hat den Tod verdient. Keine Diskussion!!! Und ein jeder,der ähnliche Taten wie diese begeht, ebenfalls!!! Unser Rechtsystem schütz eher Sexualstraftäter,als das es solche konsequent bestraft und und die Menschen unseres Landes vor ihnen wirksam schützt. Wie jammerschade,dass dieser Mann nicht in Amerika oder im Iran lebt. Da werden solche Leute so bestraft, wie sich das gehört . Uns zwar knallhart.In Polen werden Sexualstraftäter inzwischen chemisch kastriert. Zum Glück sind DA die Menschen noch vernünftig,was DAS betrifft. Da kann sich unsere Frau Merkel mal ein gutes Vorbild nehmen!!!! Wäre ICH der Bundesjustizminister, dann würde für Sexualstraftaten JEDER ART schon längst die Todesstrafe in Deutschland gelten. Und meine europäischen Amtskollegen würde ich versuchen sie dazu zu bewegen, es mir gleich zu tun. Sexuallstraftäter gehören HINGERICHTET!!!!!!!! Ohne Wenn und Aber. Punkt!!! Wann wacht unser Land endlich auf und tut was?? Der Pabst ist auch Deutscher, ein Landsmann. und der schweig auch nur zu dem Missbrauchskandal. Und der könnte gut etwas dabei bewirken. Er ist eine Riesenschande für unser Land und das Christentum.

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