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Die Wahrheit des Wortes

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Josef Ackermann und der Untersuchungsausschuss – Der Tag der Krähen

29. Juli 2009

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Diesen Spruch kennt man meist aus dem Bereich der Medizin. Im Speziellen, wenn es um Fehler von Ärzten und deren Regulierung geht. Hier soll es aber um einen ganz anderen Schutz unter Gleichgesinnten gehen. Hier wurde, gerade auch in den letzten Wochen, schon häufiger über die Nähe der Wirtschaft zur Politik geschrieben und in diesem Kontext gab es am gestrigen Tag ein weiteres, wirklich bemerkenswertes Highlight. Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, sagte vorm Untersuchungsausschuss in Sachen Hypo Real Estate (HRE) aus aber dies erst nachdem sein Unternehmen einen Milliardengewinn für das letzte Quartal verkündet hatte. In solchen Fällen wiederum spricht man oft und gerne davon, dass man daran fühlen kann.

Das Ende der Krise

Im Verlauf der damals aufkommenden bzw. gerade angekommenen Weltwirtschaftskrise, rutschte die HRE, die bis dahin nur die wenigsten kannten, in eine bedrohliche Schieflage und nun sollte man in der Bundesrepublik Deutschland zum ersten Mal erleben, was es bedeutet, wenn ein Unternehmen relevant für das System ist. Von Seiten der Politik aus wurde beschlossen die HRE zu retten, was bislang zur Folge hatte, dass gut 100 Milliarden Euro in das Unternehmen flossen und es mittlerweile so gut wie komplett dem Staat gehört. Im Moment kursieren Nachrichten in den Medien, dass Aktionäre die HRE auf Schadenersatz verklagen wollen und damit natürlich letztendlich noch weitere Ausgaben auf die BRD zu kommen könnten. Dieser riesige Deal, der letztendlich vor allem zu Lasten des Steuerzahlers geht, wurde maßgeblich durch die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), ihren Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und eben Josef Ackermann ausgehandelt. Nun gibt es erhebliche Zweifel, dass hier wirklich alles zum Wohle der Bundesrepublik Deutschland entschieden wurde und deshalb beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit dem Thema, vor dem übrigens auch noch Frau Merkel (CDU) aussagen soll.

Nicht ganz überraschend attestierte Ackermann nun seinen Verhandlungspartner nur bestes Geschick. Es scheint schon an Dreistigkeit kaum zu überbieten zu sein, dass die Deutsche Bank einige Stunden zuvor 1,1 Milliarden Euro an Gewinn verkündete, an dem maßgeblich wieder der Investmentbereich beteiligt war. Wir erinnern uns kurz zurück an die Zeit zum Beispiel des G-20-Treffens in London und die großmundigen Versprechungen auf diesem Sektor massiv zum Schutz der Gesamtwirtschaft einzugreifen. Mittlerweile sind einige Monate ins Land gezogen, in den Medien hört man immer häufiger, dass die Krise so gut wie vorbei sei und die Folgen nicht so schlimm, wie erwartet seien und scheinbar erinnern sich nur noch die wenigsten an diese Versprechungen, auch der deutschen Regierung. Was ist nun wirklich passiert? In Deutschland bekommt ein Prof. Dr. Dirk Jens Nonnenmacher gut 3 Millionen Euro im Kontext zu seinem Posten als Chef der HSH Nordbank und die Investmentzockereien gehen hier, wie überall auf der Welt, munter weiter. In London, der europäischen Finanzmetropole, freuen sich die Schneider und Immobilienmakler schon wieder über die Rückkehr ihrer Kunden mit vollen Taschen. Nun mag sich der durchschnittliche Bürger aus der Mitte der Gesellschaft darüber freuen, dass alles noch einmal so glimpflich verlaufen ist. Er sei nur gewarnt, denn das dicke Ende kommt erst noch.

Der chinesische Weg

Die Fakten sind wohl, dass die Zocker wieder Aufwind haben, die Regierung immer wieder als guter Krisenmanager dargestellt wird und dabei untergeht, dass die wirklich schlechten Nachrichten nur mit einem geschickten Trick vom Rest der Entwicklung abgekoppelt wurden. Denn vieles wird durch Kurzarbeit und ähnliche Faktoren noch abgebremst und die Hoffnung, dass nur weil es in China nun wieder aufwärts geht, auch Deutschland als Exportnation davon profitiert, muss sich erst noch beweisen. Es gibt einen Trend der sich in der Wirtschaft abzeichnet und zwar im direkten Kontext zur Globalisierung. Die Waren werden mehr und mehr in den Bestimmungsländern direkt produziert. Was dies für den Export, für die heimische Produktion aber vor allem auch für die Logistikunternehmen bedeutet, wird sich bald schon zeigen. Asien und vor allem China wird zu mindestens in diesem Jahrhundert das Rennen machen, diese Erkenntnis ist keine neue aber sie zeigt ganz klar den Weg in die Zukunft und es wäre vermessen zu behaupten, dass wir hier in Europa, hier in Deutschland auch in diesem Jahrhundert wieder bei den großen Gewinnern sind, denn es ist sehr gut möglich, dass sich das Blatt nun Stück für Stück wendet. Die Systeme vom Sozialismus über den Kommunismus bis hin zum Kapitalismus sind gescheitert und genau hier liegt des Rätsels Lösung. Man sollte nicht mehr in diesen veralteten Kategorien denken. Es ist die Zeit des neuen Weges, wie auch das Verhalten Ackermanns gegenüber dem Untersuchungsausschuss zeigte.

Man scheint in China etwas Neues in der Verknüpfung von Politik und Wirtschaft geschaffen zu haben. Es geht darum, dass Demokratie natürlich auch Wege zu lässt, die bei gewissen Interessensgruppen unerwünscht sind, es ist aber auch jedem bewusst, dass reine staatliche Planwirtschaft nur bedingtes Wachstum und Innovation am Markt zu lässt. Wenn sich aber nun die Mächte der Politik und der Wirtschaft so verknüpfen, dass alle Beteiligten im Kontext zu Machterhalt und Gewinnmaximierung zufrieden sind, ist eine neue Weltphilosophie geschaffen mit der die vermeintlichen Eliten und Experten der Welt durchaus zufrieden sein können. Und was ist mit der Bevölkerung? Die dürfen produzieren und konsumieren, denn irgendwo muss es zu einer Wertschaffung kommen, die dann von oben abgeschöpft werden kann. Viel schlimmer noch wird aber die immer weitere Überwachung und Einschränkung der Freiheit sein. Das wir in Deutschland immer mehr auf dem Weg in einen Überwachungssaat sind, zeigt sich nicht nur auf der politischen Ebene, sondern immer mehr auch in den Unternehmen von der Deutschen Bahn bis zu Daimler. Die Zensur des Kapitals wird sich immer mehr ausbreiten, es geht um eine perfekte Verschmelzung von Staat und Privatwirtschaft und wenn man sich den zu Beginn beschriebenen Sachverhalt betrachtet, scheinen die Zeichen für diese Entwicklung auch in Deutschland immer eindeutiger zu werden.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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