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Die Wahrheit des Wortes

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Jenseits von Afrika

25. Februar 2011

Jahrhunderte lang hatte es die westliche Welt nicht nötig im großen und nachhaltigen Stil etwas gegen Unrechtsregime und vor allem gegen den Hunger in Afrika zu tun. Man bediente und bedient sich im großen Stil an Rohstoffen, versuchte die eigenen Religionen und Lebensarten zu installieren und hat dabei immer nur den eigenen Profit vor Augen. Nun ist Nordafrika und Arabien im Umbruch und es tut sich sehr viel auf dem schwarzen Kontinent. Bislang sieht es allerdings wieder so aus, als hätte nur die nächste Runde in der oben beschriebenen Taktik begonnen, denn nicht zuletzt die EU-Konferenz der Innenminister in Brüssel hat gezeigt, dass es wohl wieder nur um den Profit und weniger um die Menschen geht und dies ist fatal, vor allem für die Afrikaner aber auch für die Menschen die jenseits von Afrika leben, also für uns. Was sich in diesen Tagen abspielt, und auch hier bekam man Beweise während der angesprochenen Konferenz in Brüssel, zeigt auf, dass weiterhin nur die alten, falschen Wege genutzt werden sollen. Es zeigt aber auch einmal mehr auf, dass die Europäische Union (EU) alles andere als eine Einheit ist. Das Fass, welches man gerade in Nordafrika geöffnet hat, könnte, gerade auch für Europa, so etwas, wie die Box der Pandora werden, dies sollte man täglich bei der Betrachtung der Nachrichten berücksichtigen.

Wer zahlt wohl die Zeche?
Folgt man der These, dass die Umbrüche in Nordafrika, in der arabischen Welt kein Zufall waren und sind, sondern eine gewollte, gar forcierte Entwicklung mit klaren wirtschaftlichen Hintergründen, stellt sich doch einiges ganz anders dar. Bis jetzt gibt es keine stichhaltigen Erklärungen dafür, wie es so plötzlich, in einer solchen Fläche, die geopolitisch immer wichtiger wird, zu einem solchen Umschwung kommen konnte. Bei so klar und deutlich ablaufenden Veränderungen ist ein externer Einfluss wohl kaum das aller Unvorstellbarste. Begreift man dann noch, dass die Menschheit immer mehr realisiert, dass das Öl endlich ist und die Energiequellen der Zukunft ganz andere sein werden, wird einem gerade in Kontext Nordafrika und der Region um die Sahara noch einmal einiges klarer. Die hier verfolgten wirtschaftlichen Interessen werden aber nicht nur dafür sorgen, dass die Probleme in der Region dauerhaft nicht gelöst werden, sondern eher noch verschärft werden, sie werden auch unvorstellbare Summen kosten und zwar vor allem auch die Menschen in Europa, in der Europäischen Union (EU) und damit letztendlich auch jeden Deutschen. Denn nordafrikanische Länder, wie zum Beispiel auch Libyen, waren zum Teil auch immer ein gewisses Bollwerk gegen den Flüchtlingsstrom aus Afrika.

Mit der Neuausrichtung der politischen Lage im Norden Afrikas wird das gerade angesprochene Bollwerk, zu mindesten temporär, erst einmal zerbröckeln und in sich zusammenfallen, wie ein Kartenhaus. Dies weiß man gerade auch in der EU, nicht umsonst patrouillieren auch schon deutsche Kriegsschiffe in der Region. Man darf annehmen, dass eine große Flüchtlingswelle aus ganz Afrika auf Europa zu rollt und dies sorgt doch für ein wenig Unbehagen in der EU, hat man doch so schon Probleme genug. Flüchtlinge kosten Geld, auch dies ist ein Fakt und bekanntermaßen hört der Spaß beim Geld immer auf und nun wird es sehr interessant, denn unabhängig von der menschenunwürdigen Schacherei, welche Staaten sich nun um welche Flüchtlinge zu kümmern haben, wird es auch diesmal einen großen Profiteur der gesamten Situation geben und von hier ist kein Geld zur Bewältigung der Situation zu erwarten. Die Wirtschaft, die wohl in der Hauptsache am Ende des Tages von der politischen Neuausrichtung im Norden Afrikas profitieren wird, denn auch hier muss man einfach nur von einer weiteren Ausweitung der raubtierkapitalistischen Globalisierung sprechen, wird sich wohl kaum an den nun entstehenden Kosten beteiligen. Die Wirtschaft dürfte sich jetzt schon die Hände über besseren Zugriff auf Rohstoffe und neue Absatzmärkte reiben. Verantwortung für die finanziellen Defizite auch in den europäischen Haushalten oder gerade für humanitäre Belange der Region, darf man natürlich auch diesmal wieder ausschließen, womit die Frage geklärt wäre, wer die Zeche wieder einmal zahlen darf.

Wie gespalten ist die EU?
Setzt man einmal auf Grund der gerade beschrieben Schilderung voraus, dass die Installation von Demokratien nach westlichem Vorbild, und dies ist ein unbestrittenes Ziel auch für die angesprochen Region, vor allem wirtschaftliche Hintergründe hat, die man wohl mit den bestehenden Machthabern für nicht mehr durchsetzbar hielt, müsste man politisch gesehen, eigentlich die wirtschaftlichen Profiteure, die es bald schon geben wird, auch zur Kasse bitten. Um so etwas durchzusetzen, bräuchte man allerdings politische Einheit und Stärke, dass es genau dies in Europa und gerade auch in der EU nicht wirklich gibt, zeigt sich nicht erst in der nun auf den Kontinent zu rollenden Situation. Die Weltwirtschaftskrise ist noch nicht einmal im Ansatz bewältigt und auch hier spielte die Uneinigkeit innerhalb der EU ebenfalls eine große Rolle, kommt die nächste Schockwelle und anstatt diese gemeinsam zu meistern, kämpft man auch diesmal gegeneinander. So erklärte der Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gerade erst, dass Deutschland im Jahr 2010 gut 40.000 Asylbewerber aufgenommen hat und Italien gerade einmal nur 7.000. Solche Aussagen zeigen welchen Weg man einschlagen möchte. Sein Hinweis, dass man all dies nicht mit den damaligen Flüchtlingen aus Ostdeutschland vergleichen dürfte, da dies schließlich Deutsche gewesen seien, erinnert dann schon wieder massive an die Thesen eines Thilo Sarrazins (SPD), der bekanntermaßen, gerade auch zu Menschen arabischer Herkunft, seine ganz eigene Meinung vertritt. Bei solchen Äußerung kann man natürlich auch das C im Parteinamen des Innenminister wieder massiv in Frage stellen.

Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die Kirchen auch dieses Problem scheinbar nicht als ihres ansehen, denn auch in diesem Kontext, hört man von dort kaum etwas und schließlich bietet sich Afrika auch immer gut an um Spendengelder zu generieren. Aber nicht nur die Kirchen sind wieder ordentlich dabei, wenn es um das große Schweigen geht. Auch die Meisterin des Moderierens, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), hat zu alldem scheinbar keine große Meinung, was natürlich einfach zu der Art passt, wie sie Deutschland regiert oder besser gesagt moderiert. Nicht nur Konsortien, wie zum Beispiel Desertec, dürften ein nachhaltiges Interesse an der politischen und gesellschaftlichen Neuausrichtung Nordafrikas haben und genau solche Wirtschaftsinteressen werden es sein, die auch den deutschen Steuerzahler wieder mehr kosten werden, als sie ihm Nutzen bringen. Dies zeigte sich gerade erst im Kontext der Bankenrettung und hier wäre die deutsche aber natürlich auch die internationale Politik gefordert sich so zu verhalten, dass es endlich einmal gerecht zu geht. So lange sich auf dieser Ebene nichts tut, wo nach es auch nach der EU-Innenministerkonferenz von Brüssel aussieht, muss man davon ausgehen, dass die Politik nur noch ein großes, von der Wirtschaft gesteuertes Marionettensystem ist. Da stellt sich kaum die Frage, wie gut es ist, dieses System nun auch noch im Norden Afrikas auszuweiten und zu etabliereb. Feststeht, es wird am Ende viele Verlierer geben, natürlich auch weiterhin vor allem in Afrika aber eben auch jenseits von Afrika und das ist natürlich nicht im Sinne der Menschheit.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik · Wirtschaft

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