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Die Wahrheit des Wortes

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Jahresrückblick 2008 Teil 6 Gesellschaft

30. Dezember 2008

Fünf von sechs Teilen des Jahresrückblicks 2008 sind nun schon veröffentlicht. Die ersten beiden Teile beleuchteten die politische Entwicklung in Deutschland und dem Rest der Welt, während sich Teil drei und vier mit der wirtschaftlichen Lage beschäftigten. Der vorletzte Teil dieser Reihe mit Rückblicken auf das Jahr 2008 beschäftige sich damit, wie sich parallel zur Wirtschaft und Politik die Gesellschaft im ersten Halbjahr 2008 entwickelte. Natürlich knüpft dieser letzte Teil genau dort an und fasst zusammen, was sich in Deutschland und dem Rest der Welt in der zweiten Jahreshälfte 2008 auf gesellschaftlicher Ebene alles abspielte. Ob es, gerade auch aus gesellschaftlicher Sicht gesehen, ein vergleichbar positives Jahr war, wird wohl erst die Geschichte zeigen, denn 2009 steht vor der Tür und dies eher mit dunklen Vorzeichen.

Juli: Adolf Hitler kehrt zurück nach Berlin

Die viele Sonne des Sommers 2008, der ein Jahrhundertsommer werden sollte aber dann doch keiner wurde, schien doch einigen Mensch zu Kopfe gestiegen zu sein. In Berlin eröffnete eine Filiale von Madame Tussauds Wachsfigurenkabinetten. Wie es für ein Wachsfigurenkabinett so üblich ist, werden auch in Berlin Figuren gezeigt, die einen Bezug zur Stadt haben oder hatten. Man nimmt sich allerdings nicht das Recht heraus, hier über Gut und Böse zu entscheiden, somit gab es auch eine Figur von Adolf Hitler. Hitler fiel allerdings einer Bierwette zum Opfer, denn ein 41 Jahre alter Besucher schubste, das extra für dieses Objekt bereitgestellte Wachpersonal zur Seite und riss der Wachsfigur den Kopf ab. Vor allem war dieser Vorfall allerdings gut für die PR des Hauses, denn ein solcher Skandal zur Eröffnung bringt natürlich vor allem, die heute so wichtige, mediale Aufmerksamkeit. Es war allerdings auch wieder ein Beweis dafür, wie man in Deutschland mit Geschichte umgeht.

August: Freiflug für den Chefgewerkschaftler

Es sehen ganz offensichtlich nur die Wenigsten einen Interessenskonflikt darin, dass der mächtigste Gewerkschaftsboss der Republik Frank Bsirske, unzählige Arbeitnehmer vertritt und zur gleichen Zeit im Aufsichtsrat der Lufthansa, einer der größten Arbeitgeber in Deutschland, ist. Nicht nur das ein Aufsichtsrat auch immer für die Interessen eines Unternehmens einstehen muss, erhält man für eine solche Tätigkeit auch Vorteile, wie im Fall der Lufthansa zum Beispiel Freiflüge. Da in diesem Land scheinbar kaum noch etwas irritiert, muss man wohl auch davon ausgehen, dass es sich um einen reinen Zufall handelte, dass der Streik bei der Lufthansa kurz nach einem Freiflug nach Los Angeles endete. Aber was sollte einem in einem Land, wo Gewerkschaftler plötzlich Personalpolitik für den Konzern machen, gegen den sie zuvor noch als Gewerkschaftler gekämpft haben, wie es bei der Deutschen Bahn der Fall war, schon noch irritieren? Natürlich verlieren in Folge solcher Skandale die Gewerkschaften immer mehr Mitgliedern, was unter dem Strich natürlich vor allem den Arbeitgebern nutzt aber auch diese Entwicklung scheint unterzugehen.

September: Der Steuerzahler als Depp der Nation

Mit dem Herbst begannen auch die Einschläge der Weltwirtschaftskrise in Europa und Deutschland deutlicher zu werden. Dies bedeutete natürlich nicht, dass man nun von Seiten der Politik oder der Wirtschaft großartige Schritte unternommen hätte, um die, wohl kaum zu verhindernde, Krise abzufedern. Die Rangfolge ist auch hier eine ganz einfache, als aller erstes kommt die Wirtschaft, dann die Politik und wenn all die versagt haben, kommt die Gesellschaft ins Spiel. Denn irgendjemand muss am Ende des Tages nun ein Mal die Zeche zahlen. Man hat noch die Bilder im Kopf, wie bitter enttäuscht die Menschen waren, die trotz Lohnverzicht und ähnlichem zu Jahresbeginn von Nokia auf die Straße gesetzt wurden aber gelernt hat scheinbar kaum jemand etwas. Denn der Trend setzt sich fort, um nicht zu sagen er verstärkte sich noch. Denn das Novum in 2008 war es, dass nun die Steuerzahler in breiter Masse für die Fehler der vermeintlichen Elite dieses Landes zahlen dürfen und zwar mit ihren Steuergeldern. Da wird das Geld des Bürgers einfach verbrannt aber zu mindestens in Deutschland, ist so etwas kein Anlass um Massen auf die Straßen zu bewegen.

Oktober: Eine Leiche in der Waschmaschine

In Großkugel, in der Nähe von Magdeburg, fand ein 28 Jahre alter Mann in seiner Waschmaschine den Leichnam seiner Tochter. Die 27 Jahre alte Mutter hatte die Leiche dort deponiert. Ein weiterer Fall von Kindstötung in Deutschland. Man muss diese Morde wohl auch als gesellschaftlichen Indikator ansehen. Denn oftmals sind ökonomische Ängste und die Überforderung durch den Alltag Anlass für diese Taten. Solche Motive dürfte es eigentlich in einer Gesellschaft, die man durchaus mit Recht, als Wohlstandsgesellschaft bezeichnet, nicht vorhanden sein. Sie zeigen allerdings auf, wie viel in dieser, unseren Gesellschaft im Argen liegt. Nicht nur das sich die Familienstrukturen immer mehr auflösen, ist es auch eine große Gleichgültigkeit gegenüber seinen Mitmenschen, die solche Taten forcieren. Nun ergibt sich aber natürlich für die Zukunft noch die Problematik, dass gerade die ökonomischen Faktoren noch schlechter werden und der Kahlschlag im Sozialstaat auch immer massivere Formen annimmt. Somit muss man wohl auch in Zukunft mit solch schrecklichen Schlagzeilen leben.

November: Der Blick der Österreicherin

Seit dem Herbst 2008 verfügt fairschreiben.de auch über eine Redaktion in Österreich und kann so natürlich noch genauer auch aus anderen Teilen Europas berichten. Die ersten Artikel zeigten schon bald, wie ähnlich gelagert die Probleme in Europa sind. Allerdings zeigte sich im November auch noch ein Mal, dass die Zukunft wesentlich härter wird als es viele Politiker und Wirtschaftsexperten einräumen wollen. An diesem Punkt stellt sich dann immer wieder die Frage, ob man hier von einer bewussten Täuschung der Gesellschaft ausgehen muss oder ob es wirklich um die Unfähigkeit dieser vermeintlichen Elite geht. Egal welcher dieser beiden Thesen man folgt, zeigt sich vor allem, dass viele unserer Entscheidungsträger, das Geld, welches sie verdienen, ganz offensichtlich nicht wert sind. Es zeigt sich aber auch, dass all dies noch nicht ausreicht um ein Umdenken bei den Verantwortlichen, aber auch in der Gesellschaft selbst, herbeizuführen. Die Spätfolgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 waren gerade in Europa mehr als schrecklich, vielleicht hat man zu mindestens daraus gelernt und lässt es dies Mal nicht soweit kommen.

Dezember: Welche Sprache spricht man in Deutschland?

Eine spannende Frage beschäftigte Deutschland, aber vor allem auch die CDU zum Jahresende auf ihrem 22. Parteitag in Stuttgart. Soll man die deutsche Sprache in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verankern? Man könnte jetzt meinen, dass man in diesem Land zum Jahresende andere Schwierigkeiten hätte aber nur weil Deutschland in die Weltwirtschaftskrise abgerutscht ist und Experten ein schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um bis zu vier Prozent für möglich halten, heißt das nicht, dass man sich nicht auch solcher Sachverhalte annehmen könnte. Abgesehen von der schlechten Zeitwahl für eine solche Diskussion, war es auch erschreckend, dass einige türkische Verbände Sturm liefen. Ein Fakt der wieder ein Mal zeigt, wie viel in Deutschland im Kontext der Integration noch zu tun ist. Man bekommt nur leider in solchen Situationen oft das Gefühl, als sei Integration ein sehr einseitiges Anliegen und für ein gutes Miteinander müssen nun ein Mal immer alle Beteiligten mitspielen, dass ist einer von vielen Aspekten der sich im Jahr 2009 in jedem Fall zum positiven ändern sollte.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Jahresrückblick 2008 · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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