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Die Wahrheit des Wortes

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Jahresrückblick 2008 Teil 5 Gesellschaft

29. Dezember 2008

Nun ist das Jahr 2008 fast vorbei und auch dieser Jahresrückblick neigt sich dem Ende zu. Mit dem politischen und wirtschaftlichen Rückblick sind zwei Drittel geschafft. Bleibt die Frage offen, wie die Gesellschaft all die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse des Jahres 2008 aufgenommen hat bzw. sich mit ihnen entwickelt hat. Genau dieser spannende Aspekt wird nun hier in den letzten beiden Teilen des Jahresrückblicks 2008 behandelt. In der Armut steigt die Gewalt, genau wie der Extremismus an, dass ist ein Fakt des Jahres 2008. Aber es gab auch wieder erschreckende andere Fakten vom Fall von Josef Fritzl aus Amstetten in Niederösterreich bis zu Kindstötungen, die auch 2008 zum Bild der Gesellschaft gehörten.

Januar: Auch dieses Jahr wieder Gewalt in Gaza

Auch zum Jahreswechsel 2007 / 2008 war der Gazastreifen durch die Israelis abgeriegelt, also genauso wie zum nun anstehenden Jahreswechsel auch. Auch die Versorgungslage für die Menschen im Gazastreifen war eine ähnliche wie im Moment. Anfang dieses Jahres hatte die Eskalation allerdings ein anderes Niveau, als sie es nun zum Ende des Jahres hat. Ende Januar 2008 entlud sich all dies in der Sprengung der Grenze zu Ägypten. Die Menschen stürmten zu hunderten das Nachbarland um ihre grundlegenden Bedürfnisse zu stillen. Wenn man ein Volk so verarmen lässt, greift es irgendwann zu radikalen Maßnahmen. Nicht umsonst gilt Armut weltweit als bester Nährboden für Extremismus und Terrorismus. Wenn man sich die Entwicklung im Jahr 2008 anschaut, scheinen aber viele politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger, genau diese einfache Gleichung noch immer nicht begriffen zu haben und dieses Problem bezieht sich nicht nur auf den Gazastreifen, sondern ist, wie so vieles andere auch, global zu sehen.

Februar: Der Brand von Ludwigshafen

Anfang Februar 2008 starben neun Menschen bei einer Brandkatastrophe in einem Wohnhaus in Ludwigshafen. Da es sich bei den Opfern um Menschen mit Migrationshintergrund handelte, wurde schnell über die Medien der Verdacht verbreitet, dass es sich um einen rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Anschlag gehandelt hätte. Gerade auch die türkischen Medien hetzten gegen Deutschland. Diese Hetze ging soweit, dass der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan eine Brandrede in Deutschland hielt. Es wurde einiges an Porzellan zerbrochen in diesen Tagen und dies sowohl politisch, wie aber vor allem auch gesellschaftlich. Zum Ende der Ermittlungen sollte sich dann alles ganz anders klären, denn das Feuer war keine Folge eines rechtsradikalen Attentats mit ausländerfeindlichem Hintergrund, sondern ein technischer Defekt. Vielleicht sollte man in Zukunft nicht so vorschnell urteilen, denn dies würde helfen Integration zu erleichtern und nicht weiter einen Keil in die Gesellschaft zu treiben.

März: UNICEF und das Spendenproblem

Auch im März 2008 war der Spendenskandal bei UNICEF ein Thema. Dieser Skandal, der sogar zum Entzug des Spendensiegels führte, zeigte ein Mal mehr was für ein knallhartes Geschäft mittlerweile das Spendensammeln geworden ist. Wir reden hier von einem weltweiten Milliardengeschäft und wie es in der globalen Geschäftswelt eben üblich ist, werden auch hier Provisionen verlangt und bezahlt. Es sind aber nicht nur die Provisionen, die den Teil des Kapitals verringern der bei den Bedürftigen ankommt. Es ist die gesamte Infrastruktur, um die es auch geht. Natürlich brauchen Organisationen, wie zum Beispiel auch UNICEF, eine gut funktionierende Infrastruktur, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Die Frage die sich nur stellt ist, was benötigt man wirklich und was ist nichts anderes als das Verbrennen von Spendengeldern? Leidtragende dieser Fragen sind am Ende des Tages, die die das Geld dringend bräuchten. Denn die Spirale dreht sich noch weiter, da mit jedem weiteren Spendenskandal in der Gesellschaft auch die Spendenbereitschaft sinkt.

April: Josef Fritzl aus Amstetten

Im April 2008 begann die Aufklärung eines Kriminalfalls der bis heute die Gesellschaft und die Medien beschäftigt und dies wohl auch noch eine lange Zeit tun wird. Es geht um die unvorstellbar grausamen Taten des Josef Fritzl aus dem niederösterreichischen Amstetten. Vor fast einem Vierteljahrhundert entführte er seine eigene Tochter und kerkerte diese im Keller seines Hauses ein. In dieser Zeit zeugte er sieben Kinder mit ihr. Eines verbrannte er in einem Ofen. Drei nahm er in seiner Familie mit auf und die restlichen drei blieben bei ihrer Mutter im Kerker und sahen bis zu ihrer Befreiung nicht ein Mal das Tageslicht. Nicht das die Taten alleine schon grausam genug wären, stellen sich natürlich auch gesellschaftlich sehr relevante Fragen. Wie konnte ein solches Verbrechen, in einer intakten Gesellschaft, Mitten im so zivilisierten Europa überhaupt geschehen? Denn niemand will überall die Jahre irgendetwas mitbekommen haben. Diesen Fakt mag man kaum glauben und er wirft natürlich auch kein gutes Licht auf den Zustand einer Gesellschaft.

Mai: Amstetten ist auch im Sauerland

Das der Fall des Josef Fritzl leider kein Einzelfall war, zeigte sich schon einen Monat später im beschaulichen Möllmicke im Sauerland. Hier fand man drei Kinderleichen, die fast 20 Jahre in der Tiefkühltruhe der Mutter gelegen haben. Die erschreckende Parallele des Falls um Monika H., zum Fall von Amstetten ist, dass auch hier niemand etwas mitbekommen haben will. Weder will irgendjemand in dem idyllischen Sauerlanddorf irgendetwas von den drei Schwangerschaften der Frau mitbekommen haben, noch wollen die restlichen Familienmitglieder irgendetwas Verdächtiges bemerkt haben. Auch hier stellt sich die Frage über was für eine Gesellschaft wir reden, in der so grausame Verbrechen, wie die von Amstetten und Möllmicke geschehen können. In der Menschen einfach verschwinden ohne das es jemandem auffällt, in der Menschen drei Schwangerschaften vertuschen können ohne das es jemand merkt. Es zeigt sich vor allem wieder ein unglaublich hohes Maß an Ignoranz und Egoismus in unserer Gesellschaft.

Juni: So gehen Verlierer

Die EURO 2008 war eines von zwei großen sportlichen Highlights des Jahres 2008. Das große Fußballereignis, in dem die besten 16 europäischen Fußballmannschaften in Österreich und der Schweiz gegeneinander antraten, wurde von den Spaniern gewonnen. Aber es war weit mehr als nur ein sportliches Highlight, es war ein Mal mehr, wie mittlerweile jedes größere Sportereignis mit deutscher Beteiligung, ein Sommermärchen. Deutschland wurde Vize-Europameister. Glücklicherweise blieben allerdings dies Mal Kommentare, wie `Meister der Herzen` die Ausnahme. Dafür wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Fußballkanzlerin der Nation und auch an diesem Fakt zeigte sich sehr schön der tiefere Sinn eines solchen Märchens, es schafft Ablenkung. Brot und Spiele, heißt es ganz offensichtlich auch heute noch. Denn auch Deutschland begann langsam aber sicher immer mehr in die Krise abzurutschen. Wenn sich dann noch jemand, wie Oliver Pocher, meint über andere Länder lustig zu machen, sagt dies vor allem etwas über das Niveau, welches ganz offensichtlich in weiten Teilen des Landes vorherrscht, aus.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Jahresrückblick 2008 · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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