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Die Wahrheit des Wortes

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Jahresrückblick 2007 Teil 5 Gesellschaft

27. Dezember 2007

Nachdem ich mich nun in vier Teilen mit den Geschehnissen in Politik und Wirtschaft im Jahr 2007 beschäftigt habe, neigt sich der etwas andere Jahresrückblick 2007 genauso, wie das Jahr, dem Ende zu. Mit diesem fünften Teil, der den Auftakt des Endes der drei Bereiche darstellt, soll es um die gesellschaftlichen Geschehnisse des Jahres 2007 gehen und das in der gewohnte Art und Weise. Dies bedeutet, wie auch schon in den vorangegangenen Teilen, habe ich eine Schlagzeile pro Monate recherchiert und kommentiere sie im dazugehörigen Artikel.

Januar: Ein stürmischer und folgenschwerer Beginn

Das Jahr begann stürmisch und das ist in diesem Fall ein Mal mehr im Sinne des Wortes zu sehen. Dies Mal hatte im Vorfeld jeder gewarnt, vor dem großen Sturm, der da auf Europa und die Republik zu kam aber was da kam war mehr als erwartet. 5 Milliarden Euro und weite Flächen des deutschen Waldes zerstört und der Beginn des Bahnchaos. Nicht nur, dass ein Stahlträger am neuen Berliner Hauptbahnhof wegbrach. Nein, auch als ich Tage später versuchte Bahn zufahren, lief für mich nichts. Alle hatten gewarnt aber es hatten sich wohl nicht alle ausreichend vorbereitet. Vielleicht war es aber auch ein Mal mehr das liebe Geld, was eine Rolle spielte, denn viele Kommentatoren vertraten die Meinung, dass das Schienennetz so marode gewesen sei, dass es `Kyrill` besonders leicht hatte. Aber das liebe Geld sollte bei der Deutschen Bahn bis zum letzten Tag des Jahres ein Thema bleiben.

Februar: Ein Wintermärchen mit Kater

Weiter ging es im Märchenland Deutschland schon im Februar. Denn hatten wir uns gerade halbwegs von dem Sommermärchen aus dem Jahr 2006 erholt, ereilte uns das Schicksal übermäßiger Freude erneut. Dies Mal allerdings mit zwei Unterschieden. Zum einen ging es nicht um Fußball, sondern um Handball und zum anderen klappte es dies Mal auch mit der Weltmeisterschaft. Jetzt muss neben all den Märchen, nur noch die Realität in diesem Land eine bessere werden und alles wird gut. Ich weiß wir sind Exportweltmeister und das möchte ich auch nicht verleugnen. Ich habe halt nur das Gefühl, dass zwischen all den Fußball-und Handballweltmeisterschaften, die wir so gewinnen (oder eben auch manchmal nicht) und ausrichten, der Bezug zur Realität untergeht. Um es anders auszudrücken, dass diese Sportevents, Feiern etc. etwas verbreiten, was real nicht da ist. In diesem Sinne denkt einfach daran, nach jeder ordentlichen Feier, kommt auch ein ordentlicher Kater.

März: Feiern bis der Arzt kommt

Die meisten von Euch dürften wissen, was eine Flatrate ist und man geht im allgemeinen davon aus, dass dieser Begriff nichts Negatives in sich bürgt. Dies ist allerdings nur soweit richtig, wenn wir von Telekommunikation oder anderen Bereichen reden. Reden wir allerdings von Partys und Alkohol, sieht die Sache ganz anders aus. Ende März starb in Berlin ein 16-jähriger, nach dem er gut einen Monat zuvor mit 4,8 Promille ins Koma gefallen war. Flatrate-Partys heißt saufen bis der Arzt kommt und das leider auch sehr häufig im wahrsten Sinne des Wortes. Aber auch dieses Thema war, wie so viele andere im Jahr 2007, genauso schnell wieder vom Tisch, wie andere wichtige Themen auch. Somit wird es wohl auch weiterhin immer wieder vorkommen, dass Jugendliche 50 Tequila konsumieren und einfach sterben. Auch dann wird sich die Politik und Gesellschaft fragen, warum sie Jugendalkoholismus und andere schwerwiegende Probleme in Deutschland nicht in den Griff bekommen haben. Aber ehe sie eine Antwort haben, wird schon wieder etwas anderes wichtiger sein.

April: 33 Tote als Kollateralschaden der Gesellschaft

Immer wieder, so auch im Jahr 2007 passiert es, dass meist jugendliche Täter völlig ausrasten. Dies geschah auch am 16. April an der Virginia Tech in Blacksburg. Wo der 23 Jahre alte Student aus Südkorea, 32 Menschen erschoss, bevor er sich selber richtete. Da waren sie dann wieder, wie so oft in dieser Situation, die Fragen nachdem `warum `. Waren es die so genannten Egoshooter? Sind Künstler wie Marilyn Manson für so etwas verantwortlich? Ich meine nicht. Manson sagte im Zusammenhang mit dem Amoklauf an der Columbine High School in Littleton, er hätte den Menschen einfach Mal zu gehört und dies ist meiner Meinung nach einer der Schlüssel, um solche Taten zu verhindern. So lang es so bleibt wie bisher, müssen wir mit so etwas wohl, als eine Art Kollateralschaden unserer Gesellschaft, leben. Und es wird auch mehr und mehr ein Problem in Deutschland werden und ich bin der Überzeugung, dass wenn sich in der gesamten Jugendpolitik nichts ändert und man auch weiterhin den Jugendlichen kein Gehör schenkt, so etwas wie das Schulmassaker von Erfurt, auch nur einen Anfang darstellen wird.

Mai: Von Beckham und dem Papst

Im Mai verschwand die kleine Madeleine (Maddie) McCann aus England, die mit ihren Eltern in Portugal in Urlaub war. Was dann begann, hatte die Welt noch nicht erlebt. Für mich hatte es, so makaber es klingen mag, etwas von der Entstehung eines Popstars. Alle setzten sich für Maddies auffinden ein, von Internetkampagnen über den Popfußballer David Beckham bis hin zu Papst Benedikt XVI. Geholfen hat dies bis heute alles nichts. Maddie bleibt verschwunden, genau wie die Wahrheit in diesem Fall, denn in dem Wirrwarr von Russenmafiatheorien über scheinbare Sucherfolge in Nordafrika, bis hin zu dem Fakt, dass die eigenen Eltern unter Verdacht stehen, weiß man bis heute nicht viel. Vor allem weiß man weder ob Maddie noch lebt, noch wo sie sein könnte. Unabhängig von der Schuldfrage, leider auch unabhängig davon, ob Maddie noch lebt oder nicht, habe ich in 2007 ein Mal mehr gelernt, dass es für die Medien scheinbar so gut wie keine Limits mehr gibt. In manchen Bereichen mehr, in anderen weniger.

Juni: Eine verhängnisvolle Böschung

Im Juni starben auf der A 14 in der Nähe von Magdeburg 13 Menschen und 36 weitere wurden verletzt. Die Reisegruppe aus dem Münsterland stürzte, obwohl sie wohl nur Schritttempo fuhren, eine Böschung hinab, nachdem sie von einem schneller fahrenden LKW erfasst wurden. Als ich einige Wochen später an der Unglücksstelle vorbei fuhr, wurde mir ein Mal mehr, die perverse Maschinerie der Medien klar. Ich hatte die Berichte über das Unglück auf verschiedenen Sendern verfolgt und es wurde in einigen Fällen der Eindruck vermittelt, als wäre der Bus eine riesige Böschung herunter gestürzt. Vorort ergab sich ein ganz anderes Bild für mich, denn es war eher eine kleine Böschung. Aber eben, in diesem Fall, ein sehr verhängnisvoller Böschung. Auch für diese Schlagzeile gilt, dass ihre Halbwertzeit minimal war. Ein kurzer Aufschrei, wie allzu oft in solchen Situationen, nach mehr Bussicherheit und ähnlichem und schon war auch dieses schreckliche Unglück zu den medientechnischen Akten gelegt. Wie schon in meinem Bericht zum März erwähnt, ist es schon gravierend zu sehen, wie abgestumpft scheinbar auch die Gesellschaft hier ist, denn es gäbe genug Mittel solche Tragödien, zu mindestens noch zu einer Verbesserung der Zukunft zu nutzen und nicht nur für Quoten und Werbegelder.

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Kategorie: Gesellschaft · Jahresrückblick 2007

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