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Die Wahrheit des Wortes

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Ist Porsche bald ein Pennystock?

25. Juni 2009

Wer die in der Überschrift gestellte Frage für zu absurd hält, sollte sich im Geiste ein bis zwei Jahre zurückversetzen und sich überlegen, wie er zu dieser Zeit die Entwicklungen in der Bankenbranche, im Automobilsektor aber auch in Bereichen des Handels eingestuft hat. Nun dürfte jedem klar sein, dass in dieser unveränderten Art des Raubtierkapitalismus auch weiterhin alles möglich ist. Pessimisten mögen nun langsam eine Gefahr sehen aber denen kann geholfen werden, denn allein am gestrigen Tag wurde fast ein halbe Billionen Euro der Krise entgegengesetzt und das Geld gibt es auch noch fast umsonst, was will uns da noch passieren. Richtig ist auch, dass ebenfalls am gestrigen Tag der Entwurf des Bundeshaushalts für 2010 verabschiedet wurde und dieser fast 100 Milliarden Euro Schulden vorsieht aber das ist nur gerade einmal ein Fünftel der zuvor genannten Summe, also kein Grund zur Sorge. Man sieht, wie immer scheinen wohl auch diesmal die Wirtschaftsforscher, Experten und Eliten im Recht zu bleiben in dem sie sagen, dass nun alles gut wird.

Agenda 2010. 86 Milliarden Euro Schulden 2010. Danke Herr Schröder!

Wenn alles nach Plan läuft, haben wir nächstes Jahr eine neue Bundesregierung, wie auch immer diese dann aussehen mag. Trotzdem musste diese Woche ein Entwurf für den Bundeshaushalt 2010 auf den Tisch, eine Aufgabe um die sich wohl niemand gerissen hat. Gerissen wurde allerdings wieder einer neuer Rekord, denn noch nie seitdem bestehen der Bundesrepublik Deutschland, war dieser Staat und damit letztendlich die gesamte Gesellschaft so hoch verschuldet. Die Erfahrung hat auch immer wieder gezeigt, dass diese Entwürfe eher optimistisch als pessimistisch aber seltenst realistisch sind. Dies bedeutet im Klartext, dass die realistische Neuverschuldung des Staates noch wesentlich massiver ausfallen dürfte, da natürlich viele Fakten, wie zum Beispiel die Arbeitslosenzahlen, die natürlich einen massiven Einfluss auf die Sozialausgaben haben, noch gar nicht klar definierbar sind. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) rechnet alleine mit 46 Milliarden Euro an Ausfällen von Steuern und mit noch einmal 36 Milliarden Euro an Mehrausgaben für Sozialleistungen. Gerade bei der letzteren Zahl wird es interessant, denn 2010 ist dem Namen nach auch das Zieljahr der Agenda 2010 von Ex-Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD), die übrigens unter erheblicher Mitwirkungen des aktuellen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) entstanden ist. Wir erinnern uns, der Sozialstaat muss schlanker werden, jeder Bürger muss mehr Eigenverantwortung übernehmen, damit man das Schuldenproblem des Staates in den Griff bekommt. Nach einigen Jahren in denen es ein bisschen besser lief und die Verantwortlichen gleich so taten als hätten sie das Rad neu erfunden, hört man nun nichts mehr von ihnen. Dafür hat man nun klare Fakten und die belaufen sich auf eine Nettokreditaufnahme von mindestens 86 Milliarden Euro. Erfolge sehen irgendwie anders aus.

Hartz IV ist da nur ein Punkt dieses Maßnahmenkataloges, mit denen der Kahlschlag am Sozialstaat Deutschland seinen Lauf nahm. Scheinbar hat man, vermutlich versehentlich, man möchte natürlich niemanden Vorsatz unterstellen, bei all den Systemveränderungen die Wirtschaft aus den Augen verloren und genau von hier schlägt nun der Hammer ein und das mit einer so gewaltigen Wucht, dass auch Europa und damit natürlich auch Deutschland grundlegend erschüttert wird. Man müsste jetzt meinen, dass die Verantwortlichen aus der Politik begriffen haben, dass sie auf dem falschen Weg waren, immerhin gibt es mindestens 86 Milliarden Gründe die dies beweisen, stattdessen tut man so als sei alles nur der böse Geist der Weltwirtschaftskrise schuld. Wie man weiß ist diese natürlich in Deutschland eingeschlagen ohne das irgendwen aus der Politik und der Wirtschaft auch nur im Ansatz so etwas wie eine Schuld vorzuwerfen wäre. Aber die Krise scheint schon so gut wie überwunden bzw. hat sie uns glücklicherweise verfehlt. In dieser Woche kamen wieder die diversen Experten zu Wort, die alles positiver denn je sehen. Richtig es sind genau die Experten, denen das Ausmaß der Krise immerhin auch schon klar wurde, als Deutschland mitten drin steckte. Scheinbar gibt es hier eine Parallele zu unseren Wetterfröschen, die auch oft genug genau sagen können wie das Wetter war und im Moment ist, nur die Vorhersagen weichen halt doch oftmals von der Realität ab. An den positiven Statements der Institute merkt man aber auch wieder, dass ein großer Teil der Wirtschaft Psychologie ist und man dies wohl als eine medikamentöse Behandlung des lebensgefährlich erkrankten Wirtschaftskreislauf ansehen muss. Denn anders bekommt man diese Aussichten nicht mit der realistischen Situation auf einen Nenner.

Zwei Prozent Zinsen für das Dispo

Denn diesen positiven Ausblicken steht dummerweise wieder die böse Realität gegenüber, wie zum Beispiel das Ende des Versandhauses Quelle und damit das Ende von gut 8.000 Arbeitsplätzen. Seit über 80 Jahren versendet man hier Waren und auch wenn es nun einen Massekredit von Bayern, Sachsen und dem Bund über 50 Millionen Euro gibt, um diesen Konzernteil von Arcandor zu retten, bleibt abzuwarten ob diese Maßnahme wirklich greift. Wie es um Opel im Detail bestellt ist, weiß man im Moment auch nicht so wirklich, denn hier zieht man es scheinbar erst einmal vor keine Schlagzeilen mehr zu produzieren, auch wenn hier bei weiten noch nicht alles geklärt ist. Interessant sind da auch die Nachrichten, die von dem Insolvenzverwalter kamen, der sich im Moment um Arcandors größtes Sorgenkind, die Karstadt Warenhäuser, kümmert. Hier sind die Geldnöte wohl bei weiten nicht so erdrückend, wie sie es vor einigen Tagen und Wochen noch waren. Dies lässt übrigens nur zwei Schlüsse zu, entweder konnte das Ex-Management die Bücher nicht richtig lesen, was nicht gerade für die vermeintliche Elite der deutschen Wirtschaft sprechen würde oder es war alles schlichtweg gelogen, was dann wohl ein Fall für den Staatsanwalt wäre. Diese Reihe könnte man beliebig fortsetzen und würde irgendwann beim Absturz des DAX zu Wochenbeginn landen. Allerdings konnte dieser Absturz am gestrigen Tag abgebremst bzw. rückgängig gemacht werden und das ganze zum Schnäppchenpreis von nur 442 Milliarden Euro. Man sieht, geht der DAX einmal in die Knie braucht man nur gut eine halbe Billionen Euro und schon ist die Talfahrt gestoppt und da in diesem System ganz offensichtlich Geld in unlimitierter Menge vorhanden ist, kann auch nichts passieren. Folgt man dieser These hätten übrigens auch wieder die eben kritisierten, vermeintlichen Experten recht gehabt.

Leider wird aller Voraussicht nach auch diesmal die Realität eine andere sein. Denn das die Europäische Zentralbank (EZB) nun den Banken 442 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von einem Prozent auf die nächsten zwölf Monate garantiert, bedeutet erst einmal noch gar nichts. Denn das Geld muss abgerufen und vor allem auch in Umlauf gebracht werden und genau dieser Schritt hat bislang weder durch die Senkung der Leitzinsen in den USA gen Null, noch durch Milliarden Hilfspaket der Bundesregierung in Berlin Wirkung gezeigt. Aber naive und oberflächliche Nachrichtenkonsumenten dürfen nun natürlich gerne schon einmal davon träumen, dass ihr Dispo demnächst nur noch zwei Prozent Überziehungszinsen kostet, was dann noch immer rein auf die Zinsen betrachtet einen Gewinn von 100 Prozent für die Geldinstitute bedeuten würde. Fakt ist auch, hier ist genau wie in den USA langsam das Ende der Fahnenstange erreicht oder man müsste den Banken demnächst Geld dazugeben, wenn sie sich welches leihen oder verleihen wollen. Aber vielleicht liegt hier ein ganz anderes, neues Wirtschaftsmodell vergraben. Man stelle sich einmal vor ein Unternehmen braucht eine Millionen Euro frisches Kapital und bekommt es von der Bank schon dafür, dass er zwei Millionen Euro an die Bank bezahlt, natürlich sofort damit kein Ausfallrisiko für die Bank besteht. Absurd? Was ist nach den hier aufgezeigten Fakten und vor allem Zahlen schon absurd. Das System ist gescheitert und die Zeit um durch einen nachhaltigen Systemwechsel schlimmeres zu verhindern rinnt dahin aber die vermeintlichen Eliten und Experten machen einfach weiter als würde es keine Krise geben und dies wird diesmal, später nicht mit Unwissenheit entschuldbar sein.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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