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Die Wahrheit des Wortes

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Ist Deutschland für die Schweinegrippe gerüstet?

6. August 2009

Es war absehbar und niemand sollte allzu überrascht sein, denn desto näher der Herbst rückt, desto mehr steigt auch das Schweinegripperisiko, von den Urlaubsrückkehrern ganz zu schweigen. Während das Virus H1N1 in Mexiko und den USA immer mehr mutiert und die Folgen dort teilweise schon nicht mehr mit Tamiflu zu bekämpfen sind, spielt man das Risiko in Deutschland weiter herunter und freut sich darüber, dass hier noch niemand gestorben ist. Man verfährt scheinbar wieder nach dem Prinzip Hoffnung. Es zeigt sich aber auch mehr und mehr, dass man in Deutschland mit dem was da wohl mit ziemlich großer Sicherheit kommen wird, scheinbar reichlich überfordert ist. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn das Virus richtig mutiert. Vielleicht sollte man gut einen Monat bevor der Herbst beginnt, anfangen die Bevölkerung richtig zu informieren, anstatt Scheindebatten über die Finanzierung des Problems zu führen.

Wofür zahlt man in Deutschland eigentlich Sozialabgaben?

Die Finanzierungsdebatte im Kontext zur Schweinegrippe ist natürlich schon auch ein stückweit sehr interessant, so haben sich seit Beginn dieser Debatte vor einigen Tagen die Kosten für eine erste Impfwelle von gut 500.000 Millionen Euro auf mittlerweile bis zu einer Milliarde Euro hochgeschraubt. Dies sind natürlich wahnsinnige Summen, mag man auf Anhieb meinen aber dies lässt sich ganz schnell relativieren. 100 Milliarden Euro flossen in die Rettung der Hypo Real Estate (HRE) und da wurde nicht im Ansatz ein solches Fass auf gemacht, wie im Moment im Kontext zum Schutz der Bevölkerung. Nun hört man in den Medien mehr und mehr, wer alles kostenfrei geimpft werden soll. Hier sind vor allem chronisch Kranke und beruflich gefährdete Gruppen im Gespräch. Allerdings scheint hierbei keinem aufzufallen, dass wenn es kostenfreie Impfungen gibt, es scheinbar auch kostenpflichtige Impfungen auf diesem Sektor geben soll. Man fragt sich da mehr und mehr, wofür man in diesem Staat eigentlich noch Sozialabgaben bezahlen soll, wenn am Ende des Tages der Anteil dessen, was man selber bezahlen muss immer mehr anwächst. Davon abgesehen, dass sollte es so kommen, sich mit Sicherheit viele Menschen diese Kosten sparen würden und eine weitere Gefährdung für die restliche Gesellschaft die Folge wäre, was natürlich nicht im Interesse der Bundesregierung sein kann. In sofern ist von dieser Kostenverteilung dringend abzuraten.

Ganz unabhängig von den finanziellen Belangen, lauern aber noch wesentlich größere Problem an ganz anderen Stellen. Scheinbar weiß in diesem Land, was offensichtlich von der Wirtschaftskrise härter getroffen wurde, als es offizielle Stellen einräumen, niemand wirklich, wie man das Problem Schweinegrippe logistisch regeln soll. Wenn man von gut 80 Millionen Einwohner ausgeht, müssten 160 Millionen Impfungen vorgenommen werden und selbst dies könnte noch eines der geringeren Probleme werden. Man muss sich vor Augen halten, dass man dafür natürlich auch erst einmal 160 Millionen Impfdosen bräuchte, die produziert und beschafft werden müssten. Jetzt muss man sich aber noch mit etwas ganz anderem befassen, der Erreger der sich im Moment auch in Deutschland immer weiter ausbreitet, ist ein recht harmloser und kann noch mit Tamiflu behandelt werden. Auch hier warnen Gesundheitsexperten davor, dass der Verlauf in einem von tausend Fällen sehr schwer bis hin zu tödlich ist. In sofern muss man in Deutschland wohl eher von Glück sprechen, dass es noch keine Toten gab. Gehen wir nun davon aus, dass sich wie erwartet ein Drittel der 80 Millionen Menschen infizieren würde und gehen nun wieder von dem einen Promille mit schwerem Verlauf aus, sind das gut 27.000 Fälle die intensivmedizinisch versorgt werden müssten bzw. versterben würden. Dies ist dann natürlich eine wirkliche Belastungsprobe für das Ressort von Ulla Schmidt (SPD).

Was passiert wenn alles versagt?

Nun sprechen wir allerdings bei den bislang geschilderten Szenarien noch von den heutigen Verläufen und ignorieren dabei, dass wie bereits angesprochen, auf dem amerikanischen Kontinent bereits Erreger aufgetreten sind die gegen Tamiflu resistent sind. Dies bedeutet, dass man an diesem Punkt, bis zur ausreichenden Auslieferung eines Impfstoffes, kein Mittel gegen diese Form der Schweinegrippe hätte. Der Impfstoff wird zur Zeit unter anderem in Freiburg getestet und man hofft in sechs Wochen damit fertig zu sein. Dieser neu entwickelte Impfstoff dürfte dann auch diese angesprochene leichte Mutation des Virus behandelbar machen. Aber der nächste Schock könnte schon bald kommen, denn Gesundheitsexperten warnen auch schon vor einer weiteren, wesentlich tiefgreifenderen Mutation des Virus und ob der Impfstoff dann noch eine ausreichend breite Wirkungsweise aufweist oder wie Tamiflu im Moment droht nutzlos zu werden, wird man dann erst sehen. In diesem letzten Szenario mag man sich gar nicht vorstellen, was auch auf das deutsche Gesundheitswesen zu kommen würde und welche Hysterie im Land ausbrechen würde. Denn wovon man auch in Deutschland eher ungern spricht, ist die Tatsache, dass wir auf der Nordhalbkugel leben und damit der Herbst und Winter, also die Hauptinfektionszeit erst noch vor uns liegt. Die Politik in diesem Land beschwört immer wieder, wie gut Deutschland trotz der Weltwirtschaftskrise und ihrer Folgen aufgestellt ist, man kann nur hoffen, dass sie in diesem Kontext die Wahrheit sagen.

Wir hatten schon vor einigen Tagen darauf hingewiesen, dass das Verhalten von Ulla Schmidt (SPD) als Bundesgesundheitsministerin nicht nachvollziehbar ist, denn es braut sich hier doch ein ziemliches Unwetter am Gesundheitshimmel zusammen. Ebenso unverständlich ist die Informationspolitik aus ihrem Haus. Man bekommt immer wieder Neuigkeiten vom Robert-Koch-Institut (RKI) oder von anderen Experten auf diesem Gebiet, allerdings halten sich die Informationen direkt aus dem Gesundheitsministerium in klaren Grenzen und drehen sich auch oftmals um Inhalte, wo man sich die Frage stellt, ob es kurz vor der Krise nichts wichtigeres gibt. Die Politik war nicht in der Lage die Gesellschaft ausreichend vor den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu schützen, nun geht es um das Wohl der Bevölkerung der Republik und für dieses zu sorgen, ist nichts worum man als Bürger betteln müsste, es ist schlicht und ergreifend die Aufgabe der Regierung dafür zu sorgen und hierbei sollte man nicht vergessen, dass es um weit mehr als den reinen Gesundheitsschutz geht. Im schlimmsten Fall geht es um die Aufrechterhaltung der öffentliche Ordnung und Sicherheit aber auch um die Versorgung der Bevölkerung, denn das die Schweinegrippe das öffentliche Leben im Eiltempo zum erliegen bringen kann, haben die Entwicklungen auf dem amerikanischen Kontinent schon gezeigt. Später davon zu sprechen, dass man überrascht worden sei, kann da nicht gelten, denn die Fakten liegen auf dem Tisch und das schon ziemlich lange. Wenn man in so einem Fall den Urlaub bevorzugt, hat man seine Aufgabe als Volksvertreter falsch verstanden und dies gilt nicht nur für Ulla Schmidt (SPD).

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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