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Die Wahrheit des Wortes

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Ist das wirklich das Ende

9. November 2010

Der Prozess gegen den Wetterfrosch Jörg Kachelmann wird langsam aber sicher noch verwirrender, als es seine Wettervorhersagen manchmal waren. Es scheint aber nun einen ersten Fakt zu geben, der aber recht unabhängig vom momentanen Prozessverlauf zu sehen ist. Kachelmann gab in der letzten Woche bekannt, wohl nicht mehr auf die Mattscheibe zurückkehren zu wollen, sondern nur noch als Redakteur im Hintergrund arbeiten möchte. Man muss bei so Statements natürlich immer daran denken, dass er noch immer von seiner Unschuld überzeugt ist, denn andernfalls hätte sich das mit den Fernsehauftritten wohl für mindestens einige Jahre erledigt. Kachelmann steht schon seit Wochen wegen einer Vergewaltigung, die er angeblich begangen haben soll, vor Gericht und noch mehr als sonst im Mittelpunkt der Medien und genau in diesem Kontext wird der ganze Sachverhalt noch einmal sehr interessant. Medien spielen scheinbar in der heutigen Zeit, auch bei solchen Prozessen, eine immer größere Rolle und man fragt sich, wie gut dies ist?

Zerstörten die Medien die Karriere des Wetterfroschs?
Jörg Kachelmann sieht sich wohl vor allem auch selber, als für die Medien verbrannt an. Dies dürfte an dieser Stelle ein Argument für sein Karriereende sein. Man muss nur auch bedenken, dass er auch ein recht erfolgreicher Unternehmer ist und man so nicht befürchten muss, dass er völlig abstürzt, wobei auch dies erst einmal nur für den Fall seiner Unschuld gilt, andernfalls sieht die Welt natürlich noch einmal ganz anders aus. Setzen wir, wie es sich für einen Rechtsstaat gehört, erst einmal bis zum Beweis des Gegenteil, seine Unschuld voraus, dann stellt sich natürlich die Frage, ob die Medien eine Verantwortung gegenüber ihrem Kollegen hatten, denn in diesem speziellen Fall, wäre Kachelmann ein Opfer seiner eigenen Kollegen geworden. Es ist wohl so, dass man dies als Medienmensch so akzeptieren muss, denn auf der anderen Seite nimmt man auch alles mit, was sich an Möglichkeiten in dieser Branche bietet. Viele der Leute, die in diesem Bereich in den heutigen Tagen Erfolg haben, wären wohl bereit fast alles dafür zu tun, noch mehr Erfolg zu haben, dann sollte man nur auch immer die andere Seite berücksichtigen und die spürt Kachelmann im Moment.

Es hat schon etwas von Heuchelei, wenn gerade Leute aus dieser Branche beginnen sich auf Ethik oder Moral zu berufen, denn sonst haben sie es auch nicht so sehr mit diesen Werten. Natürlich sind Vorverurteilung nicht in Ordnung und machen faire Prozesse in der heutigen Zeit immer komplizierter aber es ist natürlich auch immer eine Frage, wer sich beschwert? Der Prozess gegen Kachelmann hat aber bislang scheinbar auch gezeigt, wie viel in dieser Branche geblendet wird, denn von seinem Image als lieber Schwiegersohn ist nicht mehr viel übriggeblieben. Genau mit diesem Image hat er sich aber natürlich auch einen gewissen Teil seines Wetterimperiums aufgebaut. Somit muss man festhalten, dass in einer gewissen Art und Weise auch er von den Spielregeln, die sich nun gegen ihn gestellt haben, sehr profitiert hat. Es ist natürlich eine menschliche Tragödie, auch soviel steht fest aber man muss eben die ganze Geschichte betrachten, um sich ein Urteil zu bilden und darf sich nicht nur mit einzelnen Sequenzen aufhalten, denn das wäre nicht korrekt. Man sollte sich natürlich auch die Frage stellen, ob die Medien nicht viel zu viel an Macht erlangt haben, dass sie überhaupt diese Möglichkeiten haben?

Alles nur ein Spiel?
Die Menschheit hat seit Jahrhunderten versucht aus Dreck Gold zu machen, schaut man sich in diesen Tagen einmal in der Medienlandschaft um, bekommt man häufig das Gefühl, dass es mit dem, was in diesen Tagen zum Teil produziert wird, geschafft wurde. Die Realität verliert immer mehr an Bedeutung oder wird so lange gedreht und gewendet bis am Ende des Tages ein völlig abstraktes Produkt herauskommt, was dann mit der Realität in einen direkten Kontext gesetzt wird, obwohl es mit dieser gar nichts mehr zu tun hat. In einer solchen Welt fühlt sich vieles an, als sei alles nur ein Spiel und genau dies ist aber ein grober Trugschluss. In einer solchen Welt kann man schon einmal schnell die Orientierung verlieren und genau dies scheint im Bereich der Medien auch immer wieder zu passieren und daraus resultieren dann am Ende Prozesse, wie der aktuelle gegen Jörg Kachelmann, denn das mutmaßliche Opfer, wie auch der mutmaßliche Täter kommen beide aus dem Bereich Medien und man wird noch einige Zeit brauchen, um zu sehen, wer in diesem Strafverfahren, versucht welche Ziele zu erreichen und wer meint hier einfach nur Spielchen spielen zu können.

Wenn man sich in den letzten Jahren intensiver mit den Medien und den dortigen Abläufen auseinandergesetzt hat, hält man so gut wie alles für möglich. Überträgt man diese Grundeinstellung auf den Fall Kachelmann, müsste man auch hier erst einmal abwarten, ob sein Karriereende ernst gemeint ist oder auch hier nur Spielchen gespielt werden sollen und hier vielleicht der Grundstein für ein großartiges Comeback gelegt wurde. In diesem Fall scheint leider auch alles möglich zu sein. Besonders alarmierend an diesem ganz speziellen Fall ist, dass mit Kachelmann ein Vertreter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf der Anklagebank sitzt und genau dies macht es natürlich gerade auch in einer Zeit, in der eine ganz neue Debatte im Kontext der GEZ entbrannt ist, besonders heikel. Die besondere Stellung, die solche Sender haben und damit auch die Gebühren der GEZ rechtfertigen, leidet natürlich gehörig, da man massiv an Glaubwürdigkeit verliert. Man merkt doch, dass dieser Strafprozess weit über das Schicksal zweier Personen hinausgeht und es scheint auch hier, dass der Verlierer wieder einmal die Gesellschaft im Ganzen sein wird.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien

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