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Die Wahrheit des Wortes

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Ist das noch Unterhaltung?

6. Dezember 2010

Am Wochenende verunglückte der 23 Jahre alte Samuel Koch in der ZDF-Show `Wetten dass…?` bei Thomas Gottschalk schwer. Der Schock saß tief, als der junge Mann mit Sprungfedern an den Beinen über ein Auto sprang, welches von seinem eigenen Vater gelenkt wurde und dabei so schwer stürzte, dass er sofort in die Uniklinik Düsseldorf eingeliefert werden musste. Es war eines dieser Unglücke, welches sich, ähnlich wie die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg in diesem Sommer, scheinbar angekündigt hatte. Auch dies macht eine gründliche Aufklärung dieses tragischen Unfalls so wichtig. In unzähligen Sendungen dieses Formats, war das Schlimmste, was bislang geschah ein Beinbruch und jetzt dieser dramatische Sturz, dessen wirkliche Folgen natürlich im Moment noch nicht absehbar sind. Die Frage die offen bleibt ist, ob diese Tragödie hätte verhindert werden können, denn es gab wohl schon Probleme im Vorfeld dieser Live-Sendung. Und die Informationspolitik des gebührenfinanzierten Senders wirft im Moment auch noch weitere Fragen auf.

Stürze schon im Vorfeld?
Das ZDF hat mit `Wetten dass…?` natürlich eines der TV-Formate überhaupt und dies schon seit einer Ewigkeit aber wie es in vielen anderen Bereichen unserer heutigen, schnelllebigen Zeit der Fall ist, muss auch hier der Grad des Spektakulären immer größer werden. Genau diese Art des Fernsehens vermutet man nun natürlich eher beim Privatfernesehen und nicht bei einem öffentlich-rechtlichen Sender und genau dieses abdriften in einen sehr gefährlichen Bereich, was nicht zuletzt auch dieser Unfall wieder bewies, macht es schwer die Gebühren noch zu rechtfertigen. Die GEZ zieht Gebühren ein damit Sender, wie auch das ZDF, eine andere, freiere und nicht so quotenabhängige Basis haben, wie es eben die rein werbefinanzierten Privatsender haben. Passieren nun solche Tragödien, wie der schlimme Sturz von Samuel Koch, kommt natürlich die Frage nach der Legitimation solcher Gebühren auf und man fragt sich, ob am Ende des Tages nicht auch im öffentlich-rechtlichen Bereich, die selben Grundlagen gelten, wie an anderer Stelle auch. Es wird eine schwere Aufgabe für das ZDF solche Vermutung nachhaltig zu widerlegen.

In den Medien konnte man schon kurz nachdem Unglück lesen, dass es wohl auch schon bei den Proben schwere Stürze gegeben haben soll, was diese Wette dann natürlich in einem noch fragwürdigeren Licht da stehen lässt. Die Frage die sich stellt ist, wie weit darf Unterhaltung und die Gier nach immer neuen Sensationen gehen? Hätte man diese Wette nicht bei einem solchen Vorlauf einfach streichen sollen? Welche Auswirkungen hätte dies dann auf das Konzept der Sendung und damit letztendlich auch auf die Quote gehabt? Womit sich natürlich wieder die Frage der Quotensteuerung ergibt. Ganz unabhängig davon, wie schwer die Folgen des Sturzes sein werden, wird das ZDF viel zu leisten haben, um diesen Imageschaden auszubügeln und man kann den Verantwortlichen nur raten hier mit größter Sorgfalt und Ehrlichkeit ans Werk zu gehen, denn alles andere würde diesen Schaden nur noch vergrößern und dieser bezieht sich natürlich nicht nur auf `Wetten dass…?`, sondern eben auch vollumfänglich auf das ZDF. Der Abbruch der Show war da auf jeden Fall schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung.

Wie geht es nun weiter?
Natürlich ist es erst einmal sehr wichtig, dass alles für Samuel Koch getan wird, damit sich sein Zustand so schnell wie irgendwie möglich verbessert. Aber was kommt dann? Denn unabhängig von diesem tragischen Unfall, sprechen wir hier von einem grundsätzlichen Problem in der Medienlandschaft, aber auch von einem Problem in unserer heutigen Spaßgesellschaft ganz allgemein. Tragischerweise ist dies nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass Unterhaltung solch tragische Folgen hat. Man erinnert sich noch gut an all die Toten und Verletzten, die es erst vor einigen Monaten bei der Loveparade in Duisburg gegeben hat und auch hier kann man noch nicht von einer nachhaltigen Veränderung sprechen, es ist eher so, dass das Thema doch relativ schnell aus dem Fokus der Medien verschwand und nun droht etwas unterzugehen. Genau diese Gefahr droht natürlich auch im Fall Samuel Koch und man muss scheinbar festhalten, dass dies natürlich auch im Interesse des ZDF liegen könnte, denn desto schneller Gras über die Sache wächst, desto geringer dürfte der Imageschaden sein und man hat schon kurz nachdem verhängnisvollen Sturz gemerkt, dass alle Beteiligten sehr viel an der Eindämmung des Imageschadens tun.

Das ZDF sitzt natürlich auf den verschiedensten Ebene so zu sagen direkt an der Quelle, dieser Zustand spiegelt sich allerdings im Kommunikationsverhalten noch nicht wirklich wieder. Es scheint, als wolle man hier Fehler, die es scheinbar wohl gegeben haben muss, nicht einräumen zu wollen, womit eine weitere Parallele zu den Geschehnissen in diesem Sommer in Duisburg gut sichtbar wird. Von Aufklärung ist nun auch beim ZDF die Rede, wobei man wohl sagen muss, dass hier vor allem auch extern aufgeklärt werden muss, da man die Vertreter des ZDF wohl durchaus als befangen einstufen muss. Das ZDF hat nun die Chance es anders zu machen, wie zum Beispiel die oft kritisierten Protagonisten im Fall der Loveparade 2010. Das ZDF übt oft Kritik, woran natürlich grundsätzlich auch erst einmal gar nichts auszusetzen ist, allerdings dürfte nun auch eine Zeit für das ZDF anbrechen, wo man auch bezeugen muss, wie kritikfähig der öffentlich-rechtliche Sender überhaupt ist. An dieser Stelle kamen allerdings nach den ersten Statements der Verantwortlichen Zweifel auf, denn hier wird genauso abgeschmettert und gerechtfertigt, wie es an anderen Stellen, die man dann gerne kritisiert, auch geschieht und dies ist natürlich ein nicht zu haltender Zustand.

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Kategorie: Gesellschaft · Kultur · Medien · Wirtschaft

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