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Die Wahrheit des Wortes

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In Georgien hat der Westen versagt

27. August 2008

Pünktlich zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 in Peking, überfiel Russland das Nachbarland Georgien. Dies ist nun fast genau drei Wochen her. Die Welt scheint entsetzt zu sein. Aber ist sie das wirklich? Der russische Präsident Dimitri Medwedew ist gestern dem vom russischen Parlament empfohlenen Schritt nachgekommen und hat Südossetien, wie auch Aprasien als unabhängig anerkannt. Aller spätestens durch diesen Schritt, ist der Friedensvertrag, der die Lage im Kaukasus stabilisieren sollte, hinfällig. Genau dieser Fakt dürfte allerdings niemanden überraschen und zeigt ein Mal mehr die gravierenden Mängel der Globalisierung auf. Genau wie man diesen Fakt als Indikator des politischen Versagens der USA, Europas und der NATO heranziehen kann.

Südossetien und Aprasien

Russland beruft sich bei seinen Argumentationen immer wieder auf die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovos durch die Weltgemeinschaft, hierbei wird nur gerne vergessen, dass es im Fall der Unabhängigkeit des Kosovos eine Resolution der Weltgemeinschaft gab, in die auch Russland involviert war. Bei der Unabhängigkeit von Aprasien und Südossetien sieht es ganz anders aus. Zu Mal Experten davon ausgehen, dass es eher ein Scheinunabhängigkeit geben wird und es eigentlich um das Okkupieren georgischen Territoriums durch Russland geht. Eigentlich braucht man um einen Staat zu gründen nur ein Volk, ein Land und eine Regierung. Genau das macht die Sachlage aber auch so kompliziert. Denn im aktuellen Fall stellt sich zum Beispiel die Frage, hat Aprasien bzw. Südossetien ein Land oder reden wir hier nicht viel mehr vom Territorium Georgiens?

In Aprasien leben etwa 250.000 Menschen die der Volksgruppe der Aprasen angehören und deren Amtssprache russisch ist. In Südossetien sieht die Lage noch ein Mal anders aus, denn zum einen gehört der Norden der Region, also Nordossetien, zu Russland und außerdem sprechen die circa 70.000 Einwohner hier außer russisch, auch noch ossetisch und ein Drittel der Bevölkerung sind Georgier. Man sieht so sehr deutlich die Tiefe des Konfliktes. Auf der anderen Seite sieht man die völlige Machtlosigkeit des Westens. Der Weg der Diplomatie, gerade auch der der NATO, führte, wie man nun weiß, ins Nichts. Und die oftmals halbherzig wirkenden Aussagen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), aber auch die des deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) scheinen in Russland niemanden zu interessieren, geschweige denn zu beeindrucken.

Die Stärke Russlands und Chinas

Genau hier erreichen wir nun die Grenzen der Globalisierung, denn mit dem Ende des Kalten Krieges begann eine bespiellose Neuordnung der Welt, gerade auch im europäischen Teil der Welt und das inklusive dem Zerfall von Jugoslawien und der damit verbundenen Neuordnung auf dem Balkan. Wie nicht zu letzt auch die Fakten aus dem Jugoslawienkrieg gezeigt haben, ist Europa mit solchen Problemen sehr schnell überfordert. Im Moment kommt hinzu, dass die politische Lage im Westen besonders instabil ist. Die USA arbeiten an einem neuen Präsidenten und sind damit politisch ganz offensichtlich völlig ausgelastet. Die EU ist über ihren eigenen Erweiterungswahn zu Fall gekommen und beweist immer wieder, dass sie noch nicht ein Mal in der Lage ist, innere Stabilität zu schaffen und so dafür zu sorgen, dass man vor allem auch nach Außen geschlossen auftritt und somit Stärke zeigt.

Mit Spannung darf man nun auf Montag schauen und sehen ob die EU genauso im Kaukasus-Konflikt versagt, wie zuvor die NATO. Man sieht anhand dieser Beispiele, dass es keinen besseren Zeitpunkt für Russland gab in Georgien Fakten zu schaffen als im Moment. Genau hier liegt allerdings auch die Gefahr, denn die USA werden noch Monate mit sich selbst beschäftigt sein, womit der Schwerpunkt der Konfliktlösung im Kaukasus auf Europa, genauer gesagt auf der EU lasten dürfte. Dies ist Chance und Risiko zu gleich. Denn ähnlich wie bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, zeigt sich auch in der Kaukasusproblematik die wirtschaftliche Abhängigkeit mehr und mehr als Problem. Durch die Globalisierung besteht mittlerweile eine solche Abhängigkeit des Westens vom Osten, dass die Druckmittel schnell zu Ende gehen. Staaten wie China und Russland sind da souveräner und verweisen immer wieder darauf, dass man den Westen nicht braucht.

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Kategorie: Europa · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Silberrücken // 27. Aug 2008 at 16:26

    Ich finde es Klasse, wenn wir uns als Deutsche und Mitteleuropäer rechthaberisch über die Belange anderer Völker äußern. Was wissen wir denn über den Kaukasus, seine Geschichte und seine Vielvölkerschaften.
    So gut wie nichts. Übrigens war mir in Ereinnerung, dass die georgischen Truppen am Eröffnungstag der OS die Grenzgebiete von Südossetien und deren Hauptstadt beschossen und einmaschierten. Man sollte bei aller Emotionen sachlich bei den Fakten bleiben. Der georgische Präsident hat sich etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt und nicht mit der Reaktion Moskaus gerechnet. Fakt ist, alles was in der Zukunft durch die EU oder andere Einrichtungen beschlossen wird, wird Moskau am A… abgehen.
    Russland hat Öl, Gas, Goldreserven und ist auch militärisch erstarkt. Die Truppen, die man im TV gesehen hat, waren wesentlich besser gerüstet, wie die früheren Kämpfer in Tschetschenien.

  • 2 lichtan // 28. Aug 2008 at 08:59

    Niemand fragt, was haben die einfachen Menschen in Georgien von einer Mitgliedschaft in der NATO. Und die ganz eigene Auffassung von Demokratie, des georgischen Präsidenten sollte auch mal beleuchtet werden.
    Der Westen versucht Russland mit Raketenabwehr und NATO Erweiterung an die Wand zu spielen und wundert sich dann über die Reaktion.

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