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Die Wahrheit des Wortes

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Immer mehr oder immer weniger?

27. Januar 2011

In diesen Tagen stellt man sich einmal mehr die Frage, ob die heutige Zeit besser oder nicht doch eher schlechter, als die Vergangenheit ist. Der Weihnachtsrausch klingt gerade mehr und mehr ab. Alle Geschenke sind verteilt und wieder umgetauscht, da fragt sich manch einer, kann das alles sein. Bei alldem permanenten konsumieren fehlt völlig und ganz die Nachhaltigkeit und die Planungssicherheit. Man lebt oftmals nur noch den Moment ohne wirklich zu wissen, was einem die Zukunft bringt. Ist der Job am nächsten Tag noch da? Kann ich das Haus weiterfinanzieren? Wie sieht es später mit der Rente aus? Viele dieser Fragen bohren jeden Tag und dies hinterlässt natürlich Spuren bei jedem einzelnen und damit natürlich auch in der gesamten Gesellschaft, dem Kollektiv all dieser Individuen. Kollabieren einzelne Personen sind dies tragische Selbstmorde oder im schlimmsten Fall Amokläufe aber was passiert, wenn die gesamte Gesellschaft kollabiert? Eine Frage die man in der heutigen Zeit nicht unterschätzen sollte.

Die Flatrate des Lebens
Dank Flatrates kostet unser Leben fast nichts mehr aber hat es denn dann noch einen Wert? Alles im Leben hat zwei Seiten und dies scheint in diesen Tagen oftmals vergessen zu werden. Wer schafft sich in den heutigen Tagen denn schon noch etwas fürs Leben an, eine Begrifflichkeit die immer mehr aus dem Wortschatz verschwindet, denn es muss immer mehr, in immer kürzerer Zeit konsumiert werden, damit dieses System nicht sofort völlig kollabiert. Dadurch, dass die Güter des alltäglichen Lebens immer preiswerter, um nicht zu sagen billiger, werden, schwindet natürlich auch die Qualität, was zur Mentalität der Wegwerfgesellschaft geführt hat. Preiswert produzieren kann man allerdings nur dann, wenn man die Kosten senkt. Dies geht natürlich zum einen über die eingekauften Rohstoffe, was dann eben in vielen Fällen zu minderer Qualität führt oder eben durch weniger Lohnkosten. Hier ist es ein sehr beliebter Weg die Produktion gleich in so genannte Billiglohnländer zu verlagern, was natürlich irgendwann zum Kollaps des heimischen Arbeitsmarktes führt. Dies gilt es natürlich zu verhindern, was zur Folge hat, dass man das zur Verfügung stehende Einkommen im eigenen Land absenken muss.

Senkt man nun die Löhne ab, würde dies wahrscheinlich die Gewerkschaften auf den Plan rufen, also muss man andere Wege finden und dies hat man auch geschafft. Sehr gut kann man dies im Bereich des Gesundheitswesens erklären. Hier kann man das Beispiel der Praxisgebühr anführen oder auch die privaten Zuzahlungen im Bereich der Medikamente. Das verwobene System aus Politik und Wirtschaft wird entlastet, der Lohn des Bürgers bleibt erst einmal gleich oder steigt minimal an aber trotzdem hat er am Ende des Tages weniger in der Tasche. Perfektioniert wurde dieser Prozess übrigens gerade durch den Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) der seinen Beitrag zum Kahlschlag des Sozialstaates Deutschland damit leistete, dass er das paritätische Prinzip in der Krankenversicherung beendete, was die Arbeitgeber natürlich freut und die Arbeitnehmer weiter bluten lässt. Solche massiv, systemrelevanten Einschnitte führen übrigens auf Seiten der Gewerkschaften gerade einmal zu Drohungen aber auch zu nicht mehr, was natürlich auch wieder erklärt, warum man gerne diesen und keinen anderen Weg nutzt.

Dioxin hat auch seinen Preis
Während sich der Durchschnittsbürger also freut, dass alles immer billiger wird und dies medial auch noch als das Paradies auf ändern verkauft bekommt, vergisst er dabei, einmal eine ganz andere Rechnung aufzumachen und zwar die, wie viel er und jeder andere auch eigentlich für all den Billigschrott, der einem als qualitativ hochwertig verkauft wird, eigentlich arbeiten muss. Man bekommt zum Beispiel oft genug suggeriert, wie preiswert man sich doch ernähren kann, man erinnere sich nur an die Rechenbeispiele eines Thilo Sarrazins (SPD) im Kontext der Ernährungsgewohnheiten eines Hartz-IV-Empfängers und lauscht man in diesen Tagen scheint ein bisschen Dioxin oder ähnliches auch gar nicht wirklich so gefährlich zu sein. Während man sein neues Regal natürlich nicht beim Schreiner seines Vertrauens machen lässt, sondern beim Schweden holt, vergisst man sich zu fragen, warum Allergien immer weiter auf dem Vormarsch sind und immer mehr Menschen an Krebs erkranken und man hier mittlerweile auch mehr die Bekämpfung feiert, als das man Ursachenforschung betreiben würde. Nun kann sich an dieser Stelle wieder jeder ausmalen, wie die Zukunft bei einer solchen Gegenwart aussehen wird.

Jetzt sollte sich jeder die Frage stellen, was man eigentlich mehr hat? Man hat mehr Elektronik, mehr Medien, mehr Auto und vieles andere auch aber der Preis ist, dass man weniger Nachhaltigkeit, Planungssicherheit und vor allem weniger Lebensqualität hat. Jeder für sich muss nun entscheiden, was für ihn relevanter ist und was einem persönliche Sicherheit für die Zukunft gibt und dann sollte man nach diesen Maximen handeln und leben. Andernfalls sollte man sich nachher nicht beklagen, wenn man den Preis bezahlen muss, denn bekannt sind einem die Fakten schon, wenn man einmal ehrlich ist. Man kann sich natürlich auch weiterhin gezielt von Soaps und Browserspielen ablenken lassen, darf dann aber nicht überrascht sein, wenn das Klopfen der Realität an der Tür des Lebens irgendwann unüberhörbar laut wird und einen doch noch einholt. Denn vor Arbeitslosigkeit schützt einen kein TV-Anwalt und kein wunderschöner TV-Arzt ist in der Lage einen vom Krebs zu heilen. Wenn man der hier aufgestellten Bilanz folgt und dies dürfte für viele Menschen hart sein, stellt man fest, dass das gefühlte immer Mehr am Ende des Tages nur bedeutet, dass man immer weniger hat und genau dies sollte einen zu mindestens nachdenklich stimmen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

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