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Die Wahrheit des Wortes

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Im Westen nichts Neues

21. Januar 2008

`Im Westen nichts Neues`, ist nicht nur ein Literaturklassiker von Erich Maria Remarque und mittlerweile mehr als ein Sprichwort. Es ist ein Garant für Treffer in vielerlei Hinsicht. Denn auch heute geht es ein Mal mehr um die Wirtschaft im ach so `goldenen Westen`. Egal wo ich mich medial rum treibe, versucht man mir den Aufschwung zu verkaufen. Wie gut es doch um den Aufschwung in Deutschland bestellt ist, versucht mir jeder zu suggerieren. Nun gut, in diesem Jahr soll er etwas an Stärke verlieren aber das ist auch schon alles. Ist es das wirklich?

Ein sinkender Riese

BenQ ist fast vergessen. Die Abwanderungen von AEG und Conti gehören auch der Vergangenheit an. Wir reden vom Heute, wir reden von 2008. Gut, dann tun wir das. Da wäre Nokia mit bis zu 4.000 Entlassungen. Aber da ist auch eine West LB, immerhin die drittgrößte Landesbank in Deutschland und um die ist es, laut Medienberichten, auch definitiv nicht gut bestellt. Es ist die Rede davon, dass eine Milliarde Euro fehlen und eine weitere Milliarde als `nicht dauerhafte Wertminderung` in den Büchern steht. Glücklicherweise ist dies scheinbar alles nicht so schlimm. Denn heute Nacht berieten sich in der Kreissparkasse Köln, unter anderem der Chef der Bundesbank, der Vorsitzende der Bankenaufsicht und die Beteiligten der West LB.

Das Ergebnis überraschte wohl kaum einen. In den Medien ist die Rede von circa 2.000, also gut einem Drittel der Arbeitsplätze, die abgebaut werden sollen und die fehlenden zwei Milliarden, wollen Sparkassen und das Land Nordrhein-Westfalen übernehmen. Dies bedeutet unter dem Strich ein Mal mehr, dass wohl Sparkassenkunden, Steuerzahler und West LB-Mitarbeiter, die Fehler der Topmanager ausgleichen dürfen. Es sind zwei Milliarden Euro versenkt worden aber es wird weniger darüber berichtet, wer diese Fehler verantwortet hat, als viel mehr davon, wer nun die Suppe auslöffeln darf. Bei solchen groben Schnitzern, darf sich keiner über Unmut in der Bevölkerung und hitzig geführte Debatten über Managergehälter wundern. Denn in meinen Augen sind diese Debatten mehr als gerechtfertigt.

Im Notfall immer der böse Ami

Mir ganz persönlich reicht übrigens die Schuldverschiebung gen Amerika, im Kontext der amerikanischen Immobilienkrise, nicht aus. Denn schwimmt Deutschland auf der Welle der anziehenden Weltkonjunktur mit, wird oft verschwiegen, das gerade auch ein Großteil der Exportgewinne, eben genau darauf zurückzuführen sind. In diesem Fall sind es dann eher unsere Topmanager, die die deutschen Erfolge zu verantworten haben. Gibt es allerdings internationale Schwierigkeiten, sind genau diese Firmenbosse außen vor und man schiebt die Schuldigkeit gerne Mal auf andere und im Notfall auch sehr gerne auf den `bösen Ami`, wie zur Zeit im Kontext der Immobilienkrise. Diese Vorgehensweise kann nicht korrekt sein.

Da stellt sich für mich nur die Frage nach der Weitsicht unserer Topmanager, hätten sie die Risiken nicht besser beurteilen müssen und können? Aber so läuft es eben, genau wie ein EADS-Chef auch sagen kann, dass er völlig überrascht von einem dauerhaft hohen Euro war und deshalb nun weitere Sparmaßnahmen, was oft genug nichts anderes, als Abbau von Arbeitsplätzen bedeutet, erwirkt werden müssen. Für mich wirft das alles kein gutes Licht auf die vermeintliche Elite der deutschen Wirtschaft. Mich beängstigt es eher und lässt für mich die Frage offen, was haben die Spezialisten noch alles übersehen bzw. falsch bewertet? Natürlich bleibt somit auch am Ende des Tages, immer wieder die Frage nach der Verantwortung dieser Herren. Es kann nicht sein, dass sie mit Stolzgeschwellter Brust im Erfolgsfall ganz vorne stehen und in Krisenzeiten immer auf andere verweisen.

Nur der Rest

Welcher normale Angestellte oder Kleinunternehmer, kann denn zu seiner Bank gehen und sagen, das er eine Situation falsch eingeschätzt oder bewertet hat und deshalb nun eben Finanzmittel braucht, um aus seiner Krise zu kommen. Jeder würde ihm sagen, dass er ein Depp sei, da er es hat soweit kommen lassen und ihm nicht helfen. Aber geht es um zum Beispiel die West LB, dürfen genau diese Menschen, eben nur der Rest, mit ihren Steuern, ihren Bankgebühren und ihren Arbeitsplätzen für die Fehler Topbezahlten Ökonomen einstehen und damit bleibt dann nur das Fazit.

 
Im Westen nichts Neues.

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Kategorie: Wirtschaft

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