Im Netz gefangen
7. Oktober 2011
Man lebt in einer Zeit der stetigen Veränderung, was natürlich die Frage aufwirft, ob sich das Leben ganz allgemein in eine bessere Richtung entwickelt, als dies zum Beispiel in der Vergangenheit der Fall war? Diese Frage wird man wohl so einfach nicht beantworten können, da die angesprochenen Veränderungen einen Prozess ohne konkreten Beginn und ohne ein konkretes Ende darstellen. Gerade erst feierte man in Deutschland die Wiedervereinigung, nur einige Wochen zuvor gedachte man noch den Opfern des Mauerbaus und schon klopft der Einsturz des Hauses Europa massiv an die Türen der Europäischen Union (EU). Man erkennt deutlich, warum eine möglichst unabhängige Beurteilung so schwer ist. Ein Hauptpunkt des aktuellen, permanenten, technischen Wandels liegt natürlich in der Erfindung des Computers begründet, was zu ähnlichen Veränderungen führt, wie es zuvor in Folge der Erfindung der Dampfmaschine der Fall war. Es sind radikale, ökonomische Veränderungen auf den verschiedensten Gebieten, die sich hier ergeben und auch an den gesellschaftlichen Strukturen geht ein solcher Wandel natürlich nicht spurlos vorbei und zu mindestens aus ökonomischer Sicht, kann man gerade in diesen Tagen wohl doch einige Fakten klar erkennen und damit auch benennen. Im Fahrwasser dieser ganz neuen Technologien hat sich auch der globalisierte Raubtierkapitalismus nicht nur rasant ausgebreitet, sondern leider auch schon sehr weit etabliert und dessen Folgen betreffen eigentlich jeden.
Wirklich alles preiswerter?
Das Leben ist so viel preiswerter geworden, bekommt man über die Medien oftmals suggeriert. Es werden Studien verbreitet, nach denen man in der heutigen Zeit wesentlich weniger Arbeitszeit aufbringen muss, um sich gewisser Güter leisten zu können. Oftmals vergisst man aber auch, dass sich die Güter komplett verändert haben und gar nicht mehr vergleichbar sind. Wenn man sich ein neues Auto kauft, eine Waschmaschine oder ähnliches, kauft man auch immer ein Stück mehr oder weniger neuster Computertechnik mit ein. Auf diesem Gebiet hat sich allerdings in den letzten Jahrzehnten scheinbar ein großes Problem aufgetan und zwar, dass die Technik nicht mehr mit den Erwartungen mitkommt. Die Medien gaukeln einem immer wieder die perfekte Welt vor. Wie oft hat man schon, natürlich immer pünktlich zu den passenden Messen, die Berichte über intelligente Häuser gesehen und ähnliches. Sobald man allerdings in den eigenen vier Wänden nur den Computer anschmeißt, stellt man bald schon fest, dass auch nicht im Ansatz alles so perfekt ist, wie man es ganz im Namen des Konsumterrors überall gezeigt bekommt. Jeder weiß, wie komplex es allein schon sein kann, überhaupt einen Internetanschluss zu bekommen, der dann auch noch anstandslos läuft. Ein ganz anderer Punkt ist da natürlich noch die Störanfälligkeit. Früher konnte man an Autos rumschrauben, jetzt braucht man mindestens eine Elektroingenieur an seiner Seite oder es wird ganz schnell, richtig teuer. Auch hier lauert scheinbar ein neuer Grundsatz unseres heutigen Wirtschaftssystems. Güter werden hier und da tatsächlich etwas preiswerter, halten allerdings im Ansatz nicht mehr so lange, wie noch vor Jahren oder gar Jahrzehnten und müssen häufiger angeschafft werden bzw. teuer repariert werden.
Ein gutes Beispiel ist der Bereich des Fernsehens, es ist noch gar nicht so lange her, da war es noch üblich, dass es in einem Haushalt nur einen Fernseher gab, bald schon hielten diese dann aber auch Einzug in die Kinderzimmer und mittlerweile hat manch einer sogar einen im Badezimmer, um sich auch in der Badewanne noch berieseln zu lassen. Allein hier entstehen schon wesentlich höhere Ausgaben für diesen Bereich, als es früher noch der Fall war. Selbst wenn man aber tatsächlich nur einen Fernseher hat, hat sich die Taktung, in der diese Geräte erneuert werden, massiv verkürzt. Dies bedeutet man kauft sich Fernseher einfach wesentlich häufiger, womit vermeintlich bessere Preise schnell in ihrer Gesamtheit aufgezehrt sind. Der Vorteil für die Produzenten dieser Güter, sie können über die Medien, die dieses System auch weitestgehend durch vermeintlich unabhängig Berichterstattung unterstützen, wenn nicht gar forcieren, auch noch verbreiten, wie günstig alles geworden ist und trotzdem ihre Gewinne immer weiter maximieren. Wenn man sich einmal überlegt, wie viel Flatrates man vom Internet über den Festnetzanschluss bis hin zum Handy bzw. Smartphone in der heutigen Zeit braucht, dürfte kommunizieren noch vor Jahren wesentlich preiswerter gewesen sein und man ist jetzt schon in vielen Bereichen darauf angewiesen, zum Beispiel das Internet zu nutzen, da manche Güter und Dienstleistungen sonst nur noch wesentlich teuerer oder gar nicht zu beziehen sind. Dies schließt natürlich zum Beispiel ältere Menschen, die keinen Zugang mehr zur heutigen Technik finden, aus, was eine nicht haltbare Diskriminierung darstellt.
Gibt es einen Schutz vor diesem System?
Wenn man vom Bereich der Diskriminierung spricht, ist man natürlich bei der Politik angelangt und hier sollte man meinen, dass der Schutz der Verbraucher bei den Regierenden einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, schließlich gibt es mit dem Bundesverbraucherschutzministerium, unter Leitung von Ilse Aigner (CSU), ein ganz eigenes Ressort für diesen Bereich. Scheinbar dient dieses Ministerium allerdings, wie manch anderes in diesem Staat wohl auch, nur der Beruhigung der Massen. Wenn es darauf ankommt, vermisst man gerade in diesem Bereich doch sehr viel und man ist der Wirtschaft scheinbar völlig hilflos ausgeliefert, da man sich auf Seiten der Politik ganz offensichtlich völlig und ganz auf die Seite der Wirtschaft geschlagen hat und diese deshalb mehr und mehr den Ton im Land angibt. Dies zeigt sich übrigens auch sehr schön im Bereich der verschiedenen sozialen Netzwerke, die es mittlerweile auch in Deutschland in unzähligen Varianten gibt. Es gibt kostenfreie Varianten, wie zum Beispiel Facebook, welche man natürlich auch geschäftlich sehr gut nutzen kann. Gibt es auf solchen Plattformen technische Probleme, die immer wieder auftreten, weil man hier scheinbar immer wieder im übertragenen Sinne am offenen Herzen operiert, kann und muss man sich letztendlich mit dem Sprichwort zufrieden geben, dass man einem geschenkten Gaul halt nicht ins Maul schaut. Wobei natürlich jeder hier verkauft wird, sprich die persönlichen Daten verwertet werden, was es schon wieder etwas komplexer macht, sind doch Daten in der heutigen Zeit schon eine Art ganz eigener Währung geworden. Auch hier vermisst man die Politik und allen voran Frau Aigner (CSU).
Man kann all dies aber auch noch steigern, schließlich gibt es auch Plattformen dieser Art, die eben nicht kostenfrei sind, sondern für die man mit Euro und Cent bezahlen muss. Man kann aber auch hier nicht davon sprechen 100 Prozent Leistung zu erhalten. An dieser Stelle kommen dann, wie an so vielen anderen Stellen auch, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ins Spiel. 100 Prozent werden in dieser schönen Welt in den meisten Fällen gleich ausgeschlossen. Denkt man wieder einige Jahre zurück und man überlege sich ein Waschmaschinenhersteller hätte in seinen AGB stehen gehabt, dass man trotz der vollen Kaufsumme, keine 100 Prozent Leistung zur Verfügung stehen gehabt hätte, dass zum Beispiel in X Prozent der Fälle die Schleuderfunktion ausfällt oder die Waschmaschine mit Kleidung gewisser Hersteller nicht kompatibel sein würde. All dies kann man wohl als undenkbar einstufen, ist aber auf der anderen, eben genannten Seite nun der Alltag. All dies vorbei an der Politik, die gerade auch was die heutige Technik anbetrifft noch immer in der Steinzeit verweilt. Was natürlich nicht dafür spricht, dass man im politischen Berlin in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen guten Job gemacht hätte. Wenn man sich anschaut, dass auch dieser technische Veränderungsprozess noch nicht ansatzweise vorbei ist, kann einem schon komisch in der Magengegend werden, bekommt man doch das Gefühl, als würden den Kunden nach und nach immer mehr Rechte entzogen und somit die Stellung der Wirtschaft noch weiter gestärkt werden. Dies lässt dann natürlich die Vermutung wieder größer werden, dass man hier eben nicht mehr von Volksvertretern sprechen sollte, sondern von Wirtschaftsvertretern.
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