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Die Wahrheit des Wortes

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Im Land der Einzelfälle oder Steuerreform light

19. März 2010

Es war auch wirtschaftlich eine sehr spannende Woche, die auch wieder zeigte in welche Richtung sich die Wirtschaft und die Gesellschaft in Deutschland bewegt. Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, zählt sich mit fast 10 Millionen Euro endlich wieder zu den Topverdienern in Deutschland. Natürlich kann man dies nicht verallgemeinern, sondern muss wohl von einem Einzelfall sprechen. Die Bezüge des Vorstandes von BMW gingen übrigens auch nach oben, ganz im Gegensatz zu den Erfolgsprämien für die Mitarbeiter, denn diese fielen auch in diesem Jahr wieder aus. Aber auch dies ist wohl nur ein Einzelfall. Man sieht schon alleine nur an diesen Beispielen, dass Deutschland das Land der Einzelfälle ist. Zu dumm nur, dass genau dies scheinbar sehr viele Menschen für die Wahrheit halten und darüber die tatsächlichen Trends verpassen. Einer dieser Trends ist zum Beispiel auch das Ende der Weltwirtschaftskrise, welches man immer gerne in Kontexten, wie zum Beispiel den gerade genannten Gehaltsentwicklungen für Manager verkündet. Redet man allerdings von Zeitverträgen oder anderen negativen Entwicklungen am Arbeitsmarkt, hört man nur allzu oft, dass dies daran liegt, dass wir alle noch ganz Tief in der Weltwirtschaftskrise stecken.

Die Zweiteilung der Gesellschaft
Es ist alles eine Frage des Blickwinkels. Denn wenn die Medien darüber berichten müssen, wie viel die vermeintlichen Eliten in diesem Land mehr verdienen, wäre es merkwürdig davon zu hören, dass diese Steigerungen trotz der Weltwirtschaftskrise möglich sind. In diesem Zusammenhang verweist man übrigens auch immer gerne auf die Verantwortung dieser Menschen. Die Weltwirtschaftskrise hat allen allerdings gerade erst bewiesen, wie fähig diese Menschen sind bzw. wie verantwortungsvoll sie ihrer Aufgabe nachkommen. Hier spricht zum Beispiel der reale Arbeitsmarkt für sich allein und die Arbeitslosenzahlen wären exorbitant höher, als sie im Moment dargestellt werden, würde man auf die Kurzarbeit verzichten, die übrigens auch ihren Beitrag zur massivsten Staatsverschuldung seit dem bestehen der Bundesrepublik Deutschland beiträgt. Man sieht sehr schön, hier wird es schon schwerer von Einzelfällen zu sprechen. Die Fakten zeigen viel mehr, dass sich die Gesellschaft in Deutschland immer weiter entzweit und zwar in die, deren Aufgabe es scheinbar ist abzusahnen ohne wirkliche nachhaltige Verantwortung zu zeigen und denen, deren Aufgabe es ist zu produzieren und zu konsumieren.

Die angesprochenen Zeitverträge oder anders formuliert, die Anzahl an befristeten Arbeitsverträgen steigt auch unglaublich schnell immer massiver an, wie neuste Studien zeigen. Auch hier verbirgt sich ein großer Vorteil für die Wirtschaft, denn man hört immer seltener von betriebsbedingten Kündigungen, was natürlich logisch ist, wenn die Zahl der Arbeitsverträge, die man im Notfall nicht verlängern muss, sondern einfach bei Bedarf auslaufen lassen kann, immer größer wird. Viel zu viele Menschen folgen auch hier noch dem Prinzip Hoffnung und lassen sich von vermeintlichen Experten in die Irre führen, die oftmals behaupten, dies sei nur ein temporäres Problem in der Weltwirtschaftskrise. Irgendwann wird auch an dieser Stelle wohl der Letzte begriffen haben, dass es in der Realität wohl eher um eine völlige Umstellung des Arbeitsmarktes geht und aus dieser werden wohl die Arbeitnehmer als die großen Verlierer herausgehen. Das eine solche Umstellung sich natürlich auch wieder negativ auf das Konsumverhalten auswirken wird und dies natürlich auch weiterhin die Binnenkonjunktur schwächen wird, wird scheinbar einfach so in Kauf genommen. Natürlich geht es bei all diesen Sachverhalten nicht nur um die Wirtschaft, sondern auch um die Politik.

Was für eine Überraschung
In dieser Woche sickerte auch durch, dass man jetzt wohl doch noch vor den Landtagswahlen am 9. Mai in Nordrhein-Westfalen das Thema Steuerreform angehen möchte. Allerdings ist laut den ersten Berichten von der anvisierten Größenordnung von 20 Milliarden Euro, gerade noch ein Restbetrag von 5 bis 10 Milliarden Euro übrig. Dies bedeutet im schlechtesten Fall sprechen wir gerade noch von 25 Prozent, dessen was man der Bevölkerung vorgegaukelt hatte. Hier zeigt sich natürlich auf wen die Politik der jüngsten Vergangenheit aber auch der Gegenwart ausgerichtet ist. Hier von einem bürgerlichen Regierungsbündnis zu sprechen, bezieht sich dann wohl nur noch auf den Anteil der Bürger, die sich zu den vermeintlichen Eliten und Experten zählen. Und der Rest? Der Rest muss scheinbar auch weiterhin zu sehen, wie er klar kommt und hier werden die Bedingungen wohl in absehbarer Zeit nicht besser. Denn weitere Kosten klopfen schon an die Tür. So zum Beispiel die Kopfbauschale im Gesundheitswesen mit dem der Normalverdiener demnächst auch noch belasten werden soll. Eine weitere tolle Idee im Kontext der Gesundheitsreform. Auch hier zählen die Wirtschaftsbosse übrigens wieder zu den klaren Siegern, denn der Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung soll eingefroren werden, so dass die Erhöhungen durch die Kopfpauschale nur durch die Versicherten aufgefangen werden soll und dies wiederum führt zu weniger Personalkosten, was natürlich für bessere Unternehmenszahlen spricht.

Natürlich will die Politik auch hier den Einzelfällen, die sich durch diese Kopfpauschale wirklich erheblich schlechter stehen, zur Seite stehen und zwar mit Steuerentlastungen, was dies bedeutet, dürfte jedem klar sein, der sich gerade mit der Steuerreform light auseinandergesetzt hat. Da dürfte die Freude auf Seiten der Wirtschaft wirklich größer sein, wie groß zeigte sich diese Woche auch bei Siemens, wo man auch wieder Personalkosten einspart in dem man weitere 1.000 Arbeitsplätze abbaut. Dies wiederum führte zu einem Höhenflug der Aktie von Siemens. Man braucht es eigentlich kaum noch zu erwähnen aber natürlich gehört auch der Siemenschef Peter Löscher zu den Topverdienern in Deutschland. Bei alldem fragt man sich, wer wohl damit gemeint ist, wenn es einmal wieder heißt der Gürtel müsste enger geschnallt werden. Es ist spannend zu beobachten, dass in der Gesundheitsreform nicht ausreichend am Bereich der Ausgaben gearbeitet wird und das Sparsamkeit und Bescheidenheit scheinbar nicht zu den Tugenden im Kontext von Managergehältern und Bonifikationen zu suchen sind. Auch hier redet man dann aber natürlich auch gerne nur von Einzelfällen. Die Menschen sollten gewarnt sein, denn in der Realität bildet sich aus all diesen angeblichen Einzelfällen einfach nur ein festes System, welches die Kluft zwischen den Armen und den Reichen im Land immer größer werden lässt und so natürlich der gesamten Gesellschaft auch Stabilität entzieht und die daraus resultierenden Problem werden keine Einzelfälle sein, sondern jeden betreffen.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Andrea Bondi // 19. Mrz 2010 at 12:05

    Fast hat es den Anschein, dass die Gehaltserhöhung des “Herrn” Löscher in direktem Zusammenhang mit der Streichung der 1.000 Arbeitsplätze steht! Wie verbrecherisch diese Machenschaften sind manifestiert sich auch durch die Tatsache, dass sich die Siemens-Aktie sofort wieder im Aufwind befindet! Es wird immer unerträglicher. Das Alles erinnert an ein Schachspiel mit Millionen von Bauernopfern!

    “Gewinn geht doch bei den meisten Menschen, in der Rangordnung, der Ehre vor.”
    Aristoteles

  • 2 Sakird Serdar // 23. Apr 2010 at 07:06

    Aus dem obigen Text: Denn wenn die Medien darüber berichten müssen, wie viel die vermeintlichen Eliten in diesem Land mehr verdienen, wäre es merkwürdig davon zu hören, dass diese Steigerungen trotz der Weltwirtschaftskrise möglich sind.”

    Dazu noch die Gehaelter von Managern von Siemens und BMW…

    Wie an anderer Stelle schon aufgeführt, aus der Wikipedia:
    (http://de.wikipedia.org/wiki/Council_on_Foreign_Relations)

    „Der Council ist das entscheidende Verbindungsglied zwischen den großen Konzernen und der Regierung“ äußerte sich der amerikanische Politologe William Domhoff 1975 gegenüber dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel und stellte fest, dass „die Wichtigkeit dieser Vereinigung für das Verständnis der Grundmotive und der Grundlinien amerikanischer Weltpolitik kaum hoch genug veranschlagt werden kann“ obgleich „die allermeisten Bürger dieses Landes, das sich für das bestinformierte Gemeinwesen aller Zeiten hält, keine Ahnung von der Existenz eines solchen privaten Gremiums haben“.

    Zur Beantwortung der Frage WER ENTSCHEIDET MIT IN DER POLITIK? denkt nach über diesen Satz: „Der Council ist das entscheidende Verbindungsglied zwischen den großen Konzernen und der Regierung“

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