fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

HRE-Das Schwarze Loch von München

27. August 2009

Da hat sich gerade erst ein Untersuchungsausschuss im Bundestag damit beschäftigt, ob bei der Rettung der Hypo Real Estate (HRE) durch die Regierung auch alles im Sinne des Steuerzahler abgelaufen ist und schon scheint wieder neuer Kapitalbedarf zu bestehen. 100 Milliarden Euro Hilfe sind bereits an die HRE nach München gegangen und nun fehlen laut Bild schon wieder 7 Milliarden Euro, die umgehend nachgeschossen werden müssen. Dies sagt tausend Mal mehr aus, als der gesamte Untersuchungsausschuss an Ergebnissen gebracht hat. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch, dass die HRE laut Medienberichten ein Wertgutachten über sich selbst erstellt hat und zu dem Schluss kommt, dass das Unternehmen 0 Euro Wert ist. Versuchen sie einmal zu einer Bank zu gehen und erklären dort, dass ihr Unternehmen trotz 100 Milliarden Euro Hilfe noch einen Wert von 0 Null Euro hat und beantragen dann einen Kredit von 7 Milliarden Euro, wahrscheinlich lacht man sie aus. Anders ist es ganz offensichtlich, wenn ein vermeintlich systemrelevantes Unternehmen wertlos ist. Mit betriebswirtschaftlicher Logik hat das alles scheinbar gar nichts mehr zu tun.

Toyota kappt Produktion

Auch in diesen Tagen feiert man in den Medien schon wieder das Ende der Krise. Es geht aufwärts, sagt zu mindestens der Ifo-Geschäftsklimaindex, der nun schon zum fünften Mal in Folge kletterte und zwar auf 90,5 Punkte. Glücklicherweise dürfte mittlerweile jeder wissen, was man in Zeiten der Krise, gerade auch in Deutschland, von Expertenmeinungen zu halten hat, denn es gibt natürlich noch wesentlich mehr Zahlen aus der Wirtschaft. So kappt der weltweit größte Automobilhersteller Toyota gut zehn Prozent seiner Produktion, um sich der veränderten Marktsituation anzupassen. Die Sparquote in der Bundesrepublik Deutschland ist mit 12,8 Prozent so hoch wie lange nicht mehr, was natürlich auch wieder zu den Problemen bei der Binnenkonjunktur passt. Denn das Geld unter dem Kopfkissen für noch schlechtere Zeiten, wird eben nicht ausgegeben. Natürlich ist auch der Effekt des Sparens ein klares Indiz dafür, wie man die wirtschaftliche Lage in der Gesellschaft betrachtet. Man sieht, wenn man die Lage einfach einmal realistisch betrachtet, dass die Talsohle wohl bei weitem noch nicht durchschritten ist. Aber mit schlechter Stimmung, basierend auf schlechten Fakten, lässt sich halt kein Geld verdienen und genau das wollen vor allem die großen Zocker an den verschiedenen internationalen Handelsplätzen noch immer.

Natürlich spricht nichts dagegen Geld verdienen zu wollen, allerdings müssen dafür auch die Märkte da sein und das diese zum Teil schrumpfen, zeigt eben auch der angesprochene Schritt bei Toyota. An den Börsen hat man allerdings im Moment schon wieder das Gefühl, dass nur noch Nachrichten bzw. Gerüchte die Kurse bewegen und Fakten völlig irrelevant geworden sind. Das alles hat mit einer realistischen Wirtschaftsleistung nichts mehr zu tun. Spätestens die Weltwirtschaftskrise sollte gezeigt haben, wo diese Marktentwicklungen hinführen. Die Krise hat aber auch gezeigt, dass der Markt sich nicht selber reguliert, womit natürlich die Politik auf den Plan gerufen wird ohne gleich kommunistische bzw. sozialistische Züge anzunehmen. Aber die Politik scheint sich vor allem in Deutschland gerade eine Auszeit zu nehmen und man kann nun nicht behaupten, dass diese für einen kraftraubenden Wahlkampf genutzt würde. Wenn sich nach der Bundestagswahl im Herbst in Deutschland alles wieder politisch geordnet hat, dürfte es allerdings zu spät sein. Genau dies scheint man aber billigend in Kauf zu nehmen, so räumte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gerade ein, dass es zum Beispiel bei den Problemen bei Opel, erst nach den Wahlen eine Lösung geben könnte. Dies ist natürlich wahlkampftechnisch ein brillanter Schachzug, denn zum Beispiel den Opel-Standort in Bochum vor den Wahlen zu schließen, würde sich wohl außerordentlich negativ für die Große Koalition auswirken.

Das Ende von Opel

Man sieht an diesen Beispielen auch sehr schön, dass die Menschen in diesem Land sehr weit hinter den Machtinteressen einiger weniger stehen. Da Macht natürlich auch immer sehr viel mit Kapital zu tun hat, scheint auch klar zu sein, warum man es scheinbar von politischer Seite her auch gar nicht mit den Finanzjongleuren aufnehmen will. Kommen wir an dieser Stelle aber noch einmal zur HRE zurück, wo es hieß man benötige Kapital für eine Überbrückungsfinanzierung, wie auch bei Opel. Nun scheint es aber so, als bräuchte man am Ende der Brücke gleich wieder neues Kapital. Dies überrascht übrigens den Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) nicht. Wie viele dieser Brückenpfeiler noch kommen mögen und wie teuer dies alles für den Steuerzahler wirklich wird, will man die Gesellschaft scheinbar nicht wissen lassen und schon mal gar nicht vor der Wahl. Auch wenn es am Rande in den Medien von Zeit zu Zeit erwähnt wird, sollte man die Menschen noch viel offensiver darauf hinweisen, was nach der Wahl noch alles auf sie zu kommt. Hier reden wir dann von Massenarbeitslosigkeit und einer Billionenschweren Staatsverschuldung, die die nächsten Generationen nachhaltig lähmen könnte. Es stellt sich dann die Frage, ob es an dieser Stelle hilfreich ist, wenn Experten wieder sagen, dass sie das alles nicht hätten sehen können, da es so eine Krise noch nie gab. Wenn man sich an die Anfangszeit der Krise zurück erinnert, lief es schon einmal genauso aber scheinbar vergessen das einige und freuen sich lieber über die Höhenflüge von DAX und Ifo. Kaufen kann man sich für diese übrigens später nichts, wenn man arbeitslos und überschuldet ist.

Zum Ende wollen wir aber noch einmal kurz auf das immer wiederkehrende Thema Opel zu sprechen kommen. Es macht sich langsam der Verdacht breit, dass das Ende von Opel in der jetzigen Unternehmensform eigentlich schon beschlossene Sache ist und man nur noch nach einer Verpackung sucht. Es scheint auch hier wieder mehr um Psychologie, als um Wirtschaft zu gehen. Denn diese Taktik kennen wir nun schon von Hertie aber auch von Arcandor, wo man ähnlich vorgegangen ist bzw. vorgeht. Hierbei geht völlig unter, dass wir nicht nur über deutsche Traditionen reden, sondern vor allem auch über Menschen und deren Existenzen. Jahrzehnte lang wurde einem erklärt, dass man Werte schaffen muss, wie wichtig Familie ist und ähnliches. Wie man all dies finanzieren soll, wenn man arbeitslos ist, erklärt einem keiner. Dann muss das Häuschen eben zwangsversteigert werden und im Notfall bleibt einigen auch noch die Privatinsolvenz, deren Zahlen übrigens auch immer mehr ansteigen. Nun stellt sich natürlich auch hier wieder die Schuldfrage und die immerwiederkehrende Antwort, dass all dies die bösen Amerikaner verschuldet haben, ist schon lange nicht mehr befriedigend. Denn viele grobe Fehler wurden scheinbar auch von deutschen Managern und Politikern mitgetragen, wenn nicht sogar selbst verschuldet. Wenn hier nicht bald einmal die tatsächlichen Schuldigen benannt werden und auch zu der Verantwortung gezogen werden, für die sie so gut bezahlt werden müssen, wie es immer heißt, wird das den Sozialen Frieden in Deutschland nachhaltig stören.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu