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Die Wahrheit des Wortes

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Horst Köhler und die Mär seiner Dünnhäutigkeit

1. Juni 2010

Man kann wirklich nicht sagen, dass sich der Schock über den Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler gelegt hätte, es ist viel eher so, als sind die ersten heftigen Schockwellen durchgezogen, wobei noch eine wichtige Frage gänzlich offen ist und zwar die nach den tatsächlichen Gründen des Rücktritts des neunten Staatsoberhauptes der Bundesrepublik Deutschland. Schon kurz nachdem Rücktritt von Horst Köhler wurde scheinbar versucht ganz gezielt in den etablierten Medien eine gewisse Dünnhäutigkeit des Bundespräsidenten zu installieren. Man hatte manchmal das Gefühl, als wäre hier die Rede von einem normalen Durchschnittsbürger, der plötzlich und völlig überraschend das Staatsoberhaupt des größten Landes in der Europäischen Union (EU) geworden wäre. Schon ein ganz oberflächlicher Blick auf die Vita von Horst Köhler macht klar, dass dem ganz und gar nicht so ist. Ganz abgesehen davon, dass der 67-jährige sein Amt auch nicht gerade erst angetreten hatte, sondern dieses schon seit 2004 bekleidete.

Eine große Anzahl an Zufällen
Horst Köhler, der unter anderem lange Zeit den Internationalen Währungsfonds (IWF) leitete und auch zu den Architekten des Euros gehörte, soll nun also seinen Rücktritt verkündet haben, weil er für dieses Geschäft zu dünnhäutig war und mit einer nach neun Tagen fast schon als erledigten und in den Medien auch eher auf kleiner Flamme gekochten Diskussion um den Einsatz der Bundeswehr nicht fertig wurde? Dies ist, was man momentan als offiziell bezeichnen kann und scheint doch mindestens genauso merkwürdig, wie einige andere Abläufe die das politische Berlin im Moment beschäftigen. Immer wieder ist auch die Rede von einem Fass, welches nun endgültig übergelaufen ist und man darf annehmen, dass man den Gründen hier schon eher auf den Grund gehen kann. Horst Köhler ist nicht zuletzt durch seine Jahre beim IWF eine Kapazität in der Finanzwelt und wer weiß schon, was er hat kommen sehen oder auch noch immer sieht und man kann die Zeit vor seinem Rücktritt auch einmal anders beleuchten, denn er hatte gerade in den letzten Wochen doch einige Gesetze zu unterschreiben bzw. darüber zu urteilen, ob er sie unterschreibt oder nicht.

Hinter den Berliner Politkulissen scheint sich in letzter Zeit doch einiges getan zu haben, nicht umsonst machten die Gerüchte, um den Rücktritt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Runde und hielten sich auch hartnäckig und da ist es schon wieder, einer dieser politischen Zufälle, dass ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, wo diese Gerüchte gerade abflauten, der als Nachfolger gehandelte hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), den Rücktritt von all seinen politischen Ämtern für diesen Sommer verkündete. Man darf bei alldem auch die Lage nicht aus dem Auge verlieren, in der sich die Bundesrepublik Deutschland im Moment befindet. Vor gar nicht allzu langer Zeit war noch die Rede von Steuersenkungen, wie von Zauberhand wandelte sich die Situation dann ins genaue Gegenteil und aktuell ist die Frage nur noch, wie tief man den Bürgern in die Tasche greifen wird. All dies, und auch darauf legt man in der Welt der Politiker hohen Wert, hat nichts mit der Rettung Griechenlands und des Euros zu tun und hier muss man einmal festhalten, dass sie sogar die Wahrheit sagen.

Es wird keinen Unterschied zwischen Banken und Staaten geben
Ein nicht unerheblicher Teil der jetzt fehlenden Gelder ist ganz schlicht und ergreifend vor gar nicht allzu langer Zeit in die Rettung der Banken geflossen und auch da hatten genau die Menschen, die nun sagen, dass bei der Eurorettung wahrscheinlich gar kein Geld fließt, sondern es wahrscheinlich nur um Hilfszusagen gehen wird, gesagt, dass wahrscheinlich gar kein Geld fließen wird. Wie wahrscheinlich hier welches Szenario war, wissen wir mittlerweile alle. Nun erzählen genau diese Menschen, dass es bei den von Horst Köhler unterschriebenen Gesetzen nur um Zusagen, um Bürgschaften ginge und wahrscheinlich gar kein Geld fließen würde. Es gibt allerdings einen kleinen Unterschied zwischen den Rettungen am Finanzmarkt, die übrigens nicht im Ansatz als abgeschlossen angesehen werden dürfen und den neuerlichen Hilfen, die Summen um die es gerade zuletzt ging, sind um ein vielfaches größer. Die Einsparungen die ohne einen Cent für die Rettung des Euros notwendig geworden sind, werden die Gesellschaft in Deutschland im allerbesten Fall auf eine harte Zerreißprobe stellen, man kann sich also an einer Hand abzählen, welches Szenario bei einem endgültigen Staatsbankrott drohen würde und genau hier kommt der, bei so vielen Bürgern so beliebte, gerade abgetreten Bundespräsident Horst Köhler wieder ins Spiel.

Wir hier in der Redaktion unterstellen einem ehemaligen Leiter des IWF einfach einmal ein sehr hohes Maß an wirtschaftlicher bzw. finanzieller Kompetenz oder ganz einfach gesagt, der Mann, der gerade seinen Rücktritt als Bundespräsident verkündet hat, weiß was in der nationalen und internationalen Wirtschaft abgeht. Nun ist es den Deutschen aus geschichtlichen Gründen anerzogen immer nur nach hinten zu schauen und sich mit der Vergangenheit auseinander zusetzen und manch einer vergisst dabei scheinbar auch einmal nach vorne, in die Zukunft zu blicken. Nehmen wir an der ehemalige Bundespräsident hätte genau dies getan und möchte in dieser nahenden Zukunft lieber kein Staatsoberhaupt mehr in Deutschland sein, dann hätte man plötzlich einen ganz anderen Background für seinen Rücktritt. Wem all dies zu strategisch und abstrakt ist, dem kann man nur sagen, dass es im Umfeld der Redaktion hier in Köln nach der Rücktrittsankündigung von Roland Koch (CDU) und dem Bundespräsidenten Horst Köhler immer wieder hieß, dass wohl die Ratten das sinkenden Schiff verlassen und wir hier können nur anmerken, dass dieser Verdacht scheinbar nicht ganz von der Hand zu weisen ist und zeigt, warum man versucht einmütig zu erklären, wie dünnhäutig der ehemalige IWF-Chef und jahrelanger Bundespräsident des größten Staates in der EU plötzlich ist, denn wenn es eines zu vermeiden gilt, ist es Panik im Volk.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 5 Kommentare ↓

  • 1 Andrea Bondi // 1. Jun 2010 at 10:00

    Vollkommen richtig! Die Ratten verlassen das sinkende Schiff! Das war sofort mein erster Eindruck, als ich vom Rücktritt des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch gehört habe!
    Erste und untrügliche Anzeichen dafür, dass das Schiff Europa dabei ist zu sinken!
    Die ganzen fadenscheinigen, konstruierten Geschichten die jetzt gezielt in Umlauf gesetzt werden, dienen ja nur dazu, das Volk ruhig zu halten.
    Der Fisch beginnt IMMER am Kopf zu stinken – aber Revolutionen kommen IMMER von der Basis!

    Hoffentlich begreifen die Menschen nun endlich, was hier passiert!

  • 2 Matthias // 1. Jun 2010 at 11:54

    Schaut mich an wie ihr wollt….mich sorgt primär, dass der Rücktritt just 2 Wochen nach dem Treffen der trilateralen Kommission und eine Woche vor dem Bilderberg-Treffen erfolgt.
    Ich werde mich die nächsten Monate mit positiven Kommentaren in Finanz/Währungsdiskussionen und Krisenbewältigung zurückhalten. Ich wette, die WM wird im Restjahr nicht alleine für Schlagzeilen sorgen.

  • 3 fairschreiben.de // 1. Jun 2010 at 18:36

    Lieber Matthias,

    danke für Deinen interessanten Kommentar. Um ihn noch etwas verständlicher zu machen, hier ein interessanter Link zum Thema Bilderberg:

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32720/1.html

    Beste Grüße von der Redaktion

  • 4 Stefan Braun // 1. Jun 2010 at 20:36

    Man könnte natürlich auch denken, dass er mit der Politik nicht mehr leben wollte, wie sie seit einigen Jahren gemacht – oder eben eher nicht gemacht? – wird. Eine Politik, die inzwischen so offensichtlich unehrlich ist und nur auf den Machterhalt einzelner Beteiligter ausgerichtet ist, dass es einen nicht verwundert, wenn auch ein Präsident das K*tzen bekommt und es nicht mehr mit ansehen, geschweige denn verantworten, will. Vielleicht bezieht sich die Bemerkung bezüglich mangelndem Respekt eben auch nicht auf die Medien, sondern auf unsere Regierung.

    Dass die Finanzen uns um die Ohren fliegen werden, ist schon lange klar. Seit wie vielen Jahren wird denn nur noch über Abbau der Neuverschuldung geredet und das bereits als sparen verkauft? Es dürfte doch jedem klar sein, dass man auf Dauer nicht mehr ausgeben kann, als man hat. Das kann irgendwann nur noch über Inflation oder für die meisten Bürger Schlimmeres gelöst werden.

    Was Roland Koch macht, werden wir erleben. Bin gespannt.

  • 5 Martina Jäger // 2. Jun 2010 at 08:35

    danke für den ungebildeten berg
    lobbyisten und machthaber aller länder vereinigt euch
    und dann ab ins ölloch zum stopfen…
    ihr führt ja den terrorkrieg gegen das recht auf saubere umwelt für unsere kinder
    hm… thema für berge von bildern….

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