Hoch die Tassen
20. Februar 2012
Man darf gespannt sein, wie es am heutigen Rosenmontag auf den großen Karnevalszügen mit der Treffsicherheit der Motive aussieht, hat sich doch pünktlich zu Weiberfastnacht, also zum Startschuss des Straßenkarnevals, die politische Lage in Deutschland noch einmal nachhaltig verändert. Am letzten Donnerstag wurde, doch etwas überraschend, klar, dass die Luft für den zu diesem Zeitpunkt noch amtierenden Bundespräsidenten, Christian Wulff, mehr als dünn wurde. Die Staatsanwaltschaft in Hannover hatte beantragt seine Immunität aufzuheben, damit ermittelt werden kann. Ein Vorgang den es so zuvor in Deutschland noch nie gegeben hatte. Wichtig ist es übrigens an dieser Stelle anzumerken, dass eigentlich auch zu diesem Zeitpunkt noch nichts Substantiiertes gegen Wulff vorlag, außer eben unendlich viele Vorwürfe der etablierten Massenmedien, die so natürlich ein Stimmungsbild schafften, was dem Staatsoberhaupt den Rückhalt in der Bevölkerung raubte. Als die Sache mit der Staatsanwaltschaft in Hannover bekannt wurde, bemühte man sich übrigens sehr auffällig auf die Unschuldsvermutung, die auch für ihn gilt, hinzuweisen. Dies aber wohl mit der Gewissheit, dass dies so oder so der Todesstoß war.
Nicht nur die Demontage eines Amtes
Da sich in Deutschland immer mehr Menschen nur noch oberflächlich mit Nachrichten und vor allem mit politischen Nachrichten auseinandersetzen, ist es auch ein Einfaches, solche Stimmungen, wie im Fall des am Karnevalsfreitag zurückgetretenen Christian Wulff zu schaffen. Merkwürdigerweise fiel all dies auch noch genau in die Zeit des Straßenkarnevals, wo es für einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung heißt, hoch die Tassen, um es vorsichtig zu formulieren und nicht von einem kollektiven Dauerkoma zu sprechen. Dies bedeutet, was im Moment noch etwas untergeht, all dies beschädigt das Amt und damit am Ende des Tages natürlich auch die Demokratie in Deutschland. Fragt man sich, warum auch Festtage, wie zum Beispiel im Moment Karneval, immer exzessiver werden, ist es der Klimawandel in der Gesellschaft, der Wirtschaft und eben auch in der Politik, der dafür maßgeblich verantwortlich ist. Man muss die Gesamtheit einmal erfassen, um zu erkennen, dass hier in vielen kleinen Schritten die Diktatur des Kapitals etabliert wird und dieses, durch totalen Leistungsdruck und Ausbeutung geprägte System, hat einen hohen Preis. Am Mittwoch ist mit Aschermittwoch alles vorbei, was die Feierlaune angeht und der Kater wird kommen.
Wer mit offenen Augen durch diese Gesellschaft geht, stellt fest, wie sich der Drogenkonsum und dazu zählt natürlich auch Alkohol aber immer häufiger auch noch ganz andere Substanzen, immer mehr ausbreitet, denn immer mehr Menschen bekämpfen so ihre ganz persönlichen Probleme mit diesem System. Immer mehr Vertrauensverlust in diesen Staat, was eben auch durch Fakten, wie den sofortigen Rücktritt des Bundespräsidenten gefördert wird, ist auch einer dieser Bausteine, der viele Menschen in die Resignation treibt. Die Menschen bemerken zunehmend, dass sich offensichtlich auch die Politik, auf welcher Ebene auch immer, immer weniger gegen die globalisierten Raubtierkapitalisten durchsetzen kann oder durchsetzen will. Dieser Zustand gepaart mit immer mehr Leistungsdruck, bei einem Absinken des verfügbaren eigenen Kapitals, sorgt eben dafür, dass sich immer mehr Mensch auf den verschiedensten Wegen aufputschen, beruhigen oder ablenken oder all dies auch noch kombinieren. Welche Folgen solche Vorbilder für die kommenden Generationen haben werden, ist übrigens auch im Karneval sehr schön abzulesen, werden doch gerade auch die Opfer von Alkohol immer jünger und die Art des Konsums immer massiver. Man sollte klar erkennen, dass es um weit mehr geht, als nur um die Demontage einer Person oder eines Amt, welches das höchste in diese Land ist.
Wem nutzt all dies?
Um all dies besser zu verstehen, muss man einmal schauen, wer eigentlich von solchen Situationen am Ende des Tages wirklich am meisten profitiert und da gelangt man ganz schnell wieder an diese kleine, vermeintliche Elite, die all diese Riesenräder dreht. Gewinnmaximierung um jeden Preis ist ihr Credo und dies kann man mit völlig desinteressierten Zombies am besten erreichen. Das körperliche und seelische Limit ist bei vielen Menschen schon längst erreicht, was natürlich unendlicher Profitgier ganz klar im Wege steht, also muss die Masse über ihre Limits gehen, damit dieses System auch noch weiterhin, so lange wie möglich, künstlich am Leben halten kann. Aufgeweckte Menschen würden viel zu viele Risiken mit sich bringen, schließlich könnte das Volk im schlimmsten Fall noch auf die Idee kommen, dass die Masse die Kraft hat, um Dinge gegen Minderheiten durchzusetzen. Karneval ist nur ein Beispiel, es geht aber viel mehr um die täglichen Betäubungen mit Fernsehen, Internet und Drogen jeglicher Art. Es geht nicht darum Dinge zu verteufeln, es geht nur darum sie angemessen zu nutzen und vor allem nicht, um irgendwas zu verdrängen oder über seine Grenzen zu gehen.
All die Menschen, die mit dieser Art zu leben aktuell noch halbwegs gut klar kommen, sollten gewarnt sein, denn, wenn der Absturz kommt, sollte man nicht darauf hoffen, aufgefangen zu werden, denn an diesem Punkt hat man für das System keinen Nutzen mehr und damit keinerlei Bedeutung mehr. Nicht umsonst werden die sozialen Komponenten auch in Deutschland immer mehr abgebaut, denn sie kosten nur, bringen aber keinerlei Profite, was bedeutet, es sind sehr unrentable Investitionen, außer man wettet, wie zuletzt noch der Skandal bei der Deutschen Bank zeigte, auf das Ableben von Menschen, da wird es dann wieder rentabel, wobei auch dies fatale Nebenwirkungen haben kann. Man sieht sehr schön, dass man in den kleinen, karnevalistischen Komapausen nicht zu fixiert auf Christian Wulff sein sollte, sondern auf das große Ganze und dann gilt es sich seine eigene Position, einmal genau vor Augen zu führen und zu schauen, was man zum Positiven verändern kann, sollte ein solcher Prozess, mehrheitlich in einer Gesellschaft beginnen, wäre diese endlich wieder auf einem guten Weg, allerdings sieht es im Moment, wie die aktuelle Nachrichtenlage vermuten lässt, eher nach dem Gegenteil aus und dies ist doch sehr beunruhigend.
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