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Die Wahrheit des Wortes

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Hilft Ken Salazar BP?

26. Mai 2010

Man könnte in diesen Tagen oftmals wieder meinen Barack Obama sei verschollen, denn, wie man es schon häufiger erleben dürfte, geht dieser Mann scheinbar sehr gerne auf Tauchstation, wenn es kritisch wird und man darf annehmen, dass er dies nicht im Golf von Mexiko tut. Die Verseuchung des Golfes von Mexiko durch BP geht munter weiter und es wird scheinbar immer schlimmer. Nicht nur das in der letzten Woche Zahlen kursierten, die darauf schließen lassen, dass wesentlich mehr Öl ins Meer geflossen ist, als BP bislang behauptete, zeigt sich auch immer deutlicher, dass BP mit der Eindämmung der Katastrophe maßlos überfordert ist, denn offensichtlich gibt es keinen Plan für eine Katastrophe, wie man sie jetzt an der Küste im Süden der USA erleben muss. Als nächstes stellt sich dann natürlich die Frage, warum solche Firmen ein solch riskantes Vorhaben, auch unter Barack Obama, überhaupt durchführen dürfen und nicht durch ihn und seine Regierung daran gehindert werden. Es zeigt sich hier wohl sehr deutlich, dass man nicht zwingend von grüner Politik sprechen kann, sofern man von der Farbe im Logo von BP absieht.

Ein Monat des Stillstands
Es ist nun über einen Monat her, dass im Golf von Mexiko die Ölplattform Deepwater Horizon explodierte und sank und dadurch entstand in einer Tiefe von gut 1.600 Metern ein Leck aus dem eine scheinbar nicht näher bestimmbare Menge an Rohöl ausströmt und den Golf von Mexiko verseucht. BP setzt unter anderem auf die Antwort das Öl mit Chemikalien zu zersetzen und kehrt das Problem somit quasi unter den Teppich bzw. unter die Meeresoberfläche. Das hier eingesetzte Corexit 9500 ist allerdings in dieser Menge zuvor noch nie eingesetzt worden und damit ist völlig unklar, ob diese Katastrophe so nicht noch weiter verschlimmert wird. Immerhin versucht die Regierung unter Präsident Barack Obama dies jetzt zu verbieten, ob dies wirklich gelingt wird sich zeigen. Man mag sich gar nicht vor Augen führen, was es bedeutet, dass nicht messbare Mengen an Öl und Chemikalien über vier Wochen ins Meer eingebracht wurden. Jeder der sich über das Krisenmanagement von George W. Bush im Kontext des alles vernichtenden Wirbelsturms Katrina in der Region aufregte, müsste, wenn es ehrlich gemeint war, jetzt eigentlich auf die Barrikaden gehen. Man muss wohl davon ausgehen, dass sich Bono Vox von U2 sobald er wieder genesen ist, noch einmal für die Region einsetzen wird.

Am 22. April sank die Ölplattform Deepwater Horizon und bei dieser Katastrophe starben elf Mitarbeiter und man muss wohl, so hart es klingen mag, festhalten, dass dies nur der smarte Anfang einer unfassbaren Katastrophe war dessen Ausmaß wohl noch niemand wirklich abschätzen kann. Langsam aber sicher schleicht sich die Verseuchung immer mehr an Land und es wird nun wohl von Tag zu Tag schlimmer werden. Immerhin hat sich der US-Innenminister Ken Salazar nun dazu durchringen können BP damit zu drohen ihnen die Führungsrolle in der Bekämpfung der Ölkatastrophe zu entziehen. Warum man für eine solche Drohung über einen Monat braucht, dürfte nicht nur hier in der Redaktion ein Rätsel bleiben. Erstaunlich ist es auch, dass das Unternehmen BP jeden Tag beweist, dass es auf eine solche Katastrophe nicht im geringsten vorbereitet war oder ist, was am Ende des Tages bedeutet, dass sich diese Katastrophe jeden Tag wiederholen kann. Wer nun meint, dass dies irgendwelche Auswirkungen auf andere Förderungsanlagen des Ölmultis hat, wird bald feststellen, dass dem nicht so ist.

Was meint Salazar wirklich?
Interessant ist das Verhalten der amerikanischen Regierung in diesem Kontext so oder so schon einmal und spannenderweise geht es einmal mehr um Öl, also das schwarze Gold, welches man George W. Bush so oft zum Vorwurf machte. Man kann scheinbar nicht von einer wirklichen Wendung zum Guten sprechen, was natürlich auch noch einmal dadurch unterstützt wird, dass Obama in solchen Situation nicht annähernd die Medienpräsenz zeigt, die er an den Tag legt, wenn es um seine Träume, Visionen oder ähnliches geht. Kehren wir aber noch einmal zu seinem Innenminister Ken Salazar zurück und nehmen seine Drohung BP die Führung in der Bekämpfung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu entziehen etwas genauer unter die Lupe. Wenn man das Ganze aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, wird einem schnell klar, dass diese Drohung, sofern sie umgesetzt würde, gegebenenfalls zu einem riesigen Vorteil für BP werden könnte. Klingt abstrakt, ist aber eigentlich ganz einfach. Denn die Frage die dann bald entstehen wird ist die, wer unter diesen dann neugeschaffenen Bedingungen die Kosten trägt und man ahnt schon wieder die Antwort.

Es gibt das Sprichwort, dass der die Musik bezahlt, der sie bestellt und im Fall von BP könnte der Konzern versuchen sich genau auf diesem Weg aus der Verantwortung zu stehlen, wäre schließlich im Kontext dieser Katastrophe nicht das erste Mal. Fakt ist aktuell schon, dass die Natur und letztendlich dadurch natürlich auch die Menschheit ganz allgemein das größte Opfer von BP sein wird und um dies auszugleichen dürfte selbst dem Ölmulti das Kapital fehlen aber wenn auch nur ein Cent an den Küstenbewohner, den Fischern oder anderen Opfern dieser Katastrophe hängen bleiben sollte, wäre dies ein riesiger Skandal, vor allem auch für den Gutmenschen Barack Obama. Er hat nun die historisch relevante Chance ein Zeichen gegen die Allmacht des Kapitals zu setzen und an dieser Chance sollte man ihn messen, denn hier geht es nicht um Träume und Visionen, sonder schlicht und ergreifend um das reale Leben. BP muss bezahlen und wenn es das Ende des Unternehmens bedeutet und in diesem Fall natürlich auch amerikanische Jobs kostet aber auch die dürfen nicht über unserem Lebensraum stehen, denn wenn dem so wäre, würden unsere Probleme in rapider Geschwindigkeit noch viel größer werden, als sie es so oder so schon tun.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Martina Jäger // 26. Mai 2010 at 11:57

    danke für den umfassenden artikel.

    zeit für erneuerbare energien.
    zeit gegen machtkämpfe, kriege, spekulationen, katastrophen auf kosten von menschen und umwelt.
    zeit technologien im dienste aller zu stellen und technologien nicht für den gewinn optimieren, sondern für das überleben.

  • 2 w.bader // 26. Mai 2010 at 14:10

    Martina, sehr schoen geschrieben, aber da duerfen wir nur traeumen denn die Wirklichkeit
    sieht anders aus solange nur noch ein Mensch (von unserer Gattung) lebt. Leider…..

  • 3 Martina Jäger // 31. Mai 2010 at 13:55

    keine sorge, ich träume gern (obwohl es ja die utopien sind, die anspornen) und kann auch anders zu- und anpacken…

Schreib was dazu