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Die Wahrheit des Wortes

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Hertie als Warnung für Karstadt, Quelle und Opel

22. Juli 2009

Was sich im Moment in Deutschland abspielt ist unfassbar. Tausenden von Menschen wird vorgemacht, dass sie eine Chance hätten und das scheinbar in der Gewissheit, dass die, die diesen wahnhaften Optimismus verbreiten, genau wissen was die Fakten sind. Opel, Arcandor, Quelle, Karstadt, Hertie, die Liste ist beliebig fortzusetzen und immer mehr Menschen sollten realisieren, dass sie nun dafür bezahlen müssen, dass sie sich durch die verschiedensten Kreditarten in die kapitalistische Sklaverei begeben haben. Die Menschen an den Börsen und in den Banken dürfte dies freuen, denn so läuft die Gelddruckmaschine für sie ungebrochen weiter. Auch wenn es an der ein oder anderen Stelle leichte bis mittelschwere Risse in den Fassaden gibt, kann man dort wohl alles in allem sehr zufrieden sein. Die Frage die aber aufkommt ist, hat der Normalbürger überhaupt noch eine Chance dieser Sklaverei zu entrinnen?

Das Haus als Faustpfand für Arbeit

Immer wieder wird der arbeitenden Bevölkerung ein Licht am Ende des Tunnels signalisiert. Dies geschieht in den meisten Fällen durch die Medien, die ihre Informationen in diesem Kontext nur allzu oft, scheinbar völlig ungeprüft aus der Wirtschaft direkt weitergeben. Natürlich muss man hier den Medien einen gewissen Vorwurf machen aber man muss natürlich auch einräumen, dass eigentlich jeder Mensch für sich selbst verantwortlich ist und wenn man in dieser Zeit eins und eins zusammen zieht, hat man schnell eindeutige Fakten, ob sie einem gefallen oder nicht. Wer diese Chance nicht nutzt, sondern sich lieber in Soaps und Castingshows flüchtet, trägt auch hierfür ganz alleine die Verantwortung. Hertie gab bekannt, dass noch in diesen Tagen die letzten verbliebenen 2.600 Mitarbeiter die Kündigung bekommen werden. Ob diese Menschen jemals angemessen finanziell für ihre Leistungen Kapital beziehen, ist mehr als fraglich. Die letzten verbliebenen Filialen schließen allerdings erst nächsten Monat. Nun stellt sich die Frage, warum Menschen bis dahin überhaupt noch an ihrem Arbeitsplatz erscheinen. Aber auch diese Frage lässt sich, wie so viele andere im Leben auch, ganz einfach beantworten.

Ein großer Teil dieser Gesellschaft hat sich darauf eingelassen einen bestimmten, meist auch sehr großen Teil seines Lebens vorzufinanzieren, natürlich in dem durch Wirtschaft und Politik suggerierten Ausblick, dass alles immer besser wird. Nun sitzen sie auf riesigen Schuldenbergen von Konsumgüterkrediten bis hin zu Hausfinanzierungen und sind materialistisch gesehen verpflichtet, dass es irgendwie weitergehen muss. In dieser Situation möchte man natürlich alles dafür tun nirgendwo negativ aufzufallen, denn irgendwie wird es schon weitergehen. Gerade auch im Fall Hertie müsste den Menschen langsam klar werden, dass dieser Plan nicht aufgehen wird und die Durchhalteparolen, die nun schon seit Jahren an der Tagesordnung waren, scheinbar oftmals nichts anderes als Lügen waren, nur um die marktwirtschaftliche Zitrone bis zum letzten bitteren Tropfen auszupressen. Man sieht an solchen Beispielen sehr schön in was für einer Grauzone sich die Wirtschaft hier bewegt. Eigentlich sollten all diese Menschen einmal darüber nachdenken, ob sie dies alles wirklich gesundheitlich durchstehen können oder ob es nicht an der Zeit ist, die psychologischen Folgen dieses Umgangs mit ihnen, mit Krankmeldungen zu quittieren. Alternativ kann man natürlich hoffen, demnächst seine Kredite mit einem 1-Euro-Job zu bedienen.

Was bedeutet eigentlich Pleite?

Alle Menschen in diesem Bereich von Karstadt bis Quelle aber auch in Arbeitsfeldern wie der Automobilbranche, also zum Beispiel die Opelaner, sollten nun gewarnt sein, denn dieses Schicksal, welches nun die Menschen bei Hertie ereilt hat, liegt auch für sie durchaus im Bereich des Möglichen. Die Struktur, wie man hier die Arbeit am Laufen hält, ist immer wieder die Gleiche. Ein bengalisches Feuer nachdem anderen wird im Tunnel entzündet, damit die Menschen ein Licht sehen, welches sie Vermeintlicherweise für das Ende des Tunnels halten und weiter machen. Es ist auch erschreckend mit anzusehen, wie viele Menschen in dieser Gesellschaft schon an einem Punkt angelangt sind, wo fest steht, dass sie ihren persönlichen Negativtrend nie wieder verlassen werden aber sich trotzdem moralisch verpflichtet fühlen auch weiterhin alles für das System zu geben, welches sie an diesen Punkt manövriert hat. Allerdings scheinen sie dabei übersehen zu haben, dass in weiten Teilen der Wirtschaft und der Politik die Ethik und Moral schon lange vor der Weltwirtschaftskrise auf der Strecke blieben. Diese Menschen sollten sich überlegen, ob ihre Ziele, die wohl in den meisten Fällen Wohlstand durch Arbeit gewesen sein dürften, überhaupt noch zu realisieren sind. Sollten sie dann zu dem Ergebnis kommen, dass dies nicht der Fall ist, stellt sich natürlich die Frage, welchen Sinn die Arbeit noch haben kann. Denn genügend Unternehmen folgen dieser Überlegung auch, nur das hier Wohlstand Gewinnmaximierung heißt und wenn dies nicht mehr passt, hören sie auf und oder existieren von Staatsgeldern. In sofern hinkt bei Hartz-IV-Empfängern auch oftmals der Ansatz von Sozialschmarotzern, denn wie müsste man sonst einen Prof. Dr. Dirk Jens Nonnenmacher CEO von der HSH Nordbank bezeichnen, der fast 3 Millionen Euro von einem Unternehmen erhält, welches nur durch Staatshilfen überleben kann?

Die Bundesrepublik Deutschland wird bis zum Jahresende wahrscheinlich einen Schuldenberg von 1,7 Billionen Euro angehäuft haben. Die Krankenkassen haben wohl bis zum nächsten Jahr, trotz einer Gesundheitsreform in der Verantwortung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), einen Schuldenberg von voraussichtlich 7 Milliarden Euro (laut AOK) bzw. 11 Milliarden Euro (laut DAK) angehäuft. Gerade die DAK wird im Moment einmal mehr für ihren Pessimismus abgestraft. Man darf hier gespannt sein, ob der so genannte Pessimismus nicht in der nahen Zukunft noch vom Realismus, wie so oft bei solchen Zahlenspielen, überrannt wird. All dies bedeutet natürlich wieder Mehrkosten für die Bevölkerung. Ob dies nun über Zusatzbeiträge für den Gesundheitsfond finanziert wird oder man einfach noch weitere Leistungen aus der Krankenkasse ausgliedert, um sie dann wieder für teures Extrageld anbieten zu können, sei erst einmal dahin gestellt. Allein schon diese Zahlen werfen die Frage auf, was noch passieren muss, um im Falle dieser Republik von der Pleite oder dem Bankrott zu sprechen. Denn, wie negativ die Zukunft sein wird, machte am gestrigen Tag auch noch einmal sehr schön die Bundesbank deutlich, in dem sie davon sprach, dass bei der heutigen Entwicklung die Menschen ab 2060 wohl bis zum Alter von 69 Jahren arbeiten müssten. Zwei Dinge vielen in diesem Kontext direkt auf. Zum einen der geschlossene Proteststurm von allen Seiten, natürlich ohne eine Lösung dieses realistischen Problems zur Hand zu haben und auf der anderen Seite der Zynismus der in dieser Aussage mitschwingt. Denn das diese Prognose von Bankern stammt, also solchen Menschen, die einen überdimensioniert großen Anteil der Schuld an dieser Weltwirtschaftskrise tragen, ist scheinbar an Zynismus nicht mehr zu überbieten.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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