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Die Wahrheit des Wortes

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Herr Sarrazin sagt einfach die Wahrheit

15. Oktober 2009

Noch immer brodelt es im Umfeld des Vorstandsmitglieds der Bundesbank Thilo Sarrazin (SPD). Dabei zeigt dieser Fall sehr deutlich, wie das Leben in Deutschland funktioniert. Jeder andere wäre für solche Äußerung, wie Sarrazin (SPD) sie getätigt hat, wahrscheinlich gefeuert worden, nun hat er aber einen Job in dem man ihn nicht so einfach rauswerfen kann, letztendlich gibt es in diesem Land nur eine Person, die diesen Schritt vollziehen könnte und das ist der Bundespräsident Horst Köhler. Diese Fakten werden Sarrazin (SPD) sehr wohl klar gewesen sein, als er seine zu mindestens rassistisch geprägten Äußerung getätigt hat. Bei der Bundesbank war man um Schadensbegrenzung bemüht und hat sich dafür entschieden ihm einfach Kompetenzen abzunehmen, genau an dieser Stelle wird der Fall nun natürlich erst richtig interessant und zieht noch viel weitere Kreise, als er dies bislang schon tat.

Die SPD und die Vernichtung des Sozialstaates

Man muss an den Sachverhalt einmal anders herangehen. Thilo Sarrazin (SPD) hat ein Problem mit Menschen die Leistungen vom Staat beziehen ohne das sie dafür selber etwas leisten. Weitergehend hat er scheinbar ein noch viel größeres Problem damit, wenn es sich bei den angesprochenen Personen um Türken oder Araber handelt. Hier muss man festhalten, dass solche Äußerungen und Gedankengänge letztendlich wohl gegen das Grundgesetz verstoßen, welches festhält, dass jeder Mensch gleich ist und es somit völlig unerheblich ist, ob wir von Deutschen, Türken oder Arabern sprechen. Ironie an dieser Geschichte ist, dass man durchaus auch behaupten kann, dass Herr Sarrazin (SPD) einfach nur die Wahrheit sagt, allerdings würde dies bedeuten, dass man gerade auch Menschen, wie zum Beispiel ihn selbst, nicht anerkennen muss, denn auch er bezieht nun Bezüge für die er nach der Entmachtung gar nichts mehr tut. Man darf annehmen, dass man von diesem Geld, was er ohne dementsprechende Gegenleistung erhält, durchaus einige Hartz-IV-Empfänger finanzieren könnte und so natürlich den Staat entlasten würde.

Das grundsätzliche Problem wird hier sehr schön deutlich, wir diskutieren über Menschen, von denen bestimmt ein gewisser Teil nicht Willens ist seinen Verpflichtungen nachzukommen, die an einem gewissen Punkt in ihrem Leben eine Leistung vom Staat beziehen ohne dafür eine direkte Gegenleistung zu erbringen. Dies ist Bestandteil eines Sozialstaates. Natürlich möchte sich die SPD von diesem scheinbar immer mehr verabschieden und hat mit der Agenda 2010 von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) auch einen mächtigen Grundstein dafür gelegt. Man kann aber auch hier die Frage einfach einmal rumdrehen und fragen, wo die Gerechtigkeit ist, wenn Menschen über Jahrzehnte in ein System eingezahlt haben, von dem sie im Notfall nur noch äußerst gering profitieren. Es gibt eine Verpflichtung dafür Sozialabgaben zu leisten, auf der anderen Seite hat die Vergangenheit gezeigt, dass es gar kein Problem ist die Gesetzeslage in kürzester Zeit so zu modifizieren, dass Menschen nur noch einen Bruchteil von dem bekommen, was sie sich wahrscheinlich all die Jahre während der Einzahlungen in die Systeme für den Notfall versprochen haben. Hier besteht ein großes Ungleichgewicht zwischen einbezahlter Leistung und Schutz durch den Staat.

Steuergelder in der Wirtschaft

Wenden wir uns nun der anderen Seite der Gesellschaft zu und werfen einen Blick in das Leben im Bereich der Wirtschaft. Hier diskutiert man zwar gerne einmal über Managergehälter und über die Frage, das wie vielfache eines Normallohnes eigentlich den Vorständen zusteht und ähnliches, was aber selten gemacht wird ist hier einmal zu prüfen, ob die Entlohnung der Aufgabe und Verantwortung gegenüber eigentlich angemessen ist. Gerade in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, zeigt sich sehr deutlich, dass die erbrachte Leistung der vermeintlichen Eliten, wohl eher nicht für großartige Gehälter spricht. Ein Hartz-IV-Empfänger soll keine Gelder vom Staat erhalten, weil er nur faul rumsitzt, Vorstände die Unternehmen vor die Wand setzen, werden von ihren Aufgaben entbunden, leisten also an dieser Stelle nichts mehr und werden entweder ausgezahlt oder erhalten bis zum offiziellen Vertragsende ihre Gelder weiter ohne dafür etwas zu leisten. Dies gilt übrigens auch immer wieder für Menschen die in der Politik nicht das erbracht haben, was man von ihnen erwartet hatte. Da kann man sich dann überlegen, ob man solche Menschen anerkennen muss. In diesem Kontext redet man auch immer wieder von der großen Verantwortung, die auf diesen Menschen lastet, das Problem ist, dass es mit genau dieser Verantwortung aber scheinbar nur allzu oft nicht so genau genommen wird, denn ansonsten hätte dieses Land diese massiven Probleme nicht.

Viele Menschen mögen jetzt anmerken, dass es sich bei den gerade angesprochenen Geldern aber eben nicht um Staatsgelder handelt, wobei man auch dies einmal genau unter die Lupe nehmen sollte. Dann stellt man schnell fest, dass man auch hier auf einer gewissen Ebene von Staatsgeldern reden kann, denn ein großer Teil der Wirtschaft in Deutschland wird im Moment durch verschieden Aktionen von Konjunkturpaketen und anderen Subventionen bis hin zu Kurzarbeitergeld sehr wohl staatlich mitfinanziert. Unabhängig davon woher die Gelder auch kommen und das viele Unternehmen ohne den Staat wohl gar nicht mehr existieren würden, gibt es an dieser Stelle immer noch eine weitere Begründung, warum es auf der Ebene so läuft. Vorstandsverträge zum Beispiel haben oftmals jahrelange Laufzeiten und das auch in Unternehmen in denen man ansonsten gerne mit Jahresverträgen oder ähnlichem arbeitet. Für denen normalen Arbeitnehmer bedeutet dies, dass er ganz schnell ohne Abfindung und ohne betriebsbedingte Kündigung aus dem Unternehmen ist, weil sein Vertrag endet. Für einen Vorstand bedeutet ein frühzeitiges Ausscheiden ganz einfach, dass er einen großen Geldbetrag dafür bekommt, dass er nichts mehr leisten muss. Auch hier hat Herr Sarrazin (SPD) inhaltlich mit seinem Weltbild wieder recht, denn dieser vermeintlich bessere Teil der Gesellschaft, beantragt in den meisten Fällen keine Sozialleistungen und schadet dem System zu mindestens an dieser Stelle nicht. Ob man diese Menschen anerkennen muss, kann sich nun jeder selber überlegen und dies gilt im speziellen natürlich auch für die Person Thilo Sarrazin(SPD) selbst.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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