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Die Wahrheit des Wortes

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Herr Daum oder was heisst schon Vorbild

28. Juli 2008

Es war ein Mal mehr ein vorbildliches Wochenende für den internationalen Sport. In China wurde, gut 14 Tage vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking, das Olympische Dorf eröffnet. Zum dritten Mal in Folge gewann ein Spanier die Tour de France und der 1. FC Köln trennte sich vor gut 42.000 Zuschauern nach einem torlosen Spiel vom FC Bayern München. All diese sportlichen Highlights haben eine große Gemeinsamkeit. Es handelt sich nicht nur um Sport der Millionen bewegt und zwar Millionen an Menschen, wie aber auch Millionen an Geldern, sondern auch um einen Indikator dafür, wie es um die Gesellschaft bestellt ist und zwar vor allem auch in der Zukunft. Christoph Daum hatte ein Kokainproblem, einer der hauptverdächtigsten Dopingärzte ist Spanier und Olympia 2008 verkommt schon im Vorfeld, gerade auch aus ethischer und moralischer Sichtweise, zu einem schlechten Scherz. Das schlimme ist, dass all diese Ereignisse oder viel mehr die beteiligten Akteure eine Vorbildfunktion in dieser Gesellschaft haben sollten.

Kokain und Doping als Kavaliersdelikte

Fangen wir einfach ein Mal mit dem Trainer des Erstligaclubs 1. FC Köln an. Der Trainer Christoph Daum war im Jahre 2000 Hauptfigur einer der größten Skandale in der Fußballbundesliga. Nachdem Uli Hoeneß vom FC Bayern München ihn mit Drogen in Verbindung gebracht hatte, wurde dies letztendlich auch bewiesen und sogar von Daum selbst eingeräumt. Zum damaligen Zeitpunkt war Daum noch Trainer in Leverkusen und sollte sogar Nationaltrainer werden. Nach bekannt werden seines Drogenkonsums, wurde er von allen Ämter entlassen. Man erinnert sich noch sehr gut daran, wie auch von Seiten des DFB im Kontext zur Vorbildfunktion, die dieser Mann inne hatte, scharf geschossen wurde. Bald war klar, ein solcher Mensch kann und darf in Deutschland kein Trainer mehr werden, zu mindestens nicht in einer hohen Spielklasse. Als Trainer des 1.FC Köln war er immerhin lange Zeit Coach in der zweithöchsten Spielklasse in Deutschland und ab Mitte August diesen Jahres, ist er fast genau 8 Jahre nachdem Skandal wieder zurück in der ersten Fußballbundesliga und es ist keine Rede mehr von Kokain und Vorbildfunktion. Man könnte sagen, Herr Daum ist komplett rehabilitiert. So schnell vergisst man Fakten in diesem Land.

Es sieht aber in anderen Sportarten nicht anders aus. Natürlich hat man ein komisches Gefühl, wenn in diesem Jahr, im dritten Jahr in Folge, mit Carlos Sastre wieder ein Sportler aus dem Land die Tour de France gewinnt, aus dem auch der, immer wieder im Kontext zu Doping genannte, Arzt Eufemiano Fuentes kommt. 2006 gewann nachträglich der Spanier Oscar Pereiro, nachdem der Amerikaner Floyd Landis wegen Doping disqualifiziert wurde. Im Folgejahr 2007 gewann Alberto Contador. Natürlich darf man nicht jeden spanischen Athleten unter Generalverdacht stellen aber ein komisches Gefühl bleibt, was im Endeffekt für die gesamte Tour de France 2008 gilt. Auch in diesem Jahr machte man wieder vor allem Schlagzeilen im Bereich des Dopings und auch hier waren die Ansagen der übertragenden Fernsehsender ARD und ZDF schnell vergessen und alles geht nach der 95. Tour de France weiter wie immer. Auch hier zeigt sich, dass ganz offensichtlich mit so etwas umgegangen wird, als handelte es sich um Kavaliersdelikte. Welche Auswirkungen so etwas auf die Persongruppe haben dürfte, für die man als Vorbild da sein sollte soll, dürfte jedem klar sein.

Großartige Vorbilder

Kommen wir zum dritten Sportereignis, um welches es am Wochenende ging, die Olympischen Sommerspiele in Peking. Wie bereits erwähnt, wurde das Olympische Dorf am Wochenende als eine Art interner Startschuss eröffnet und auch schon die ersten deutschen Athleten sind vor Ort. Es zeichnet sich jetzt schon ab, was zu erwarten war. In den Köpfen der Beteiligten scheint Tibet mindestens genauso weit weg zu sein, wie Myanmar oder der Sudan. Die Machthaber in Peking haben auch weiterhin freie Hand, ohne dass Athleten oder Funktionäre ihre Chancen nutzen würden und Zeichen setzen. Stattdessen wird die Werbung im Kontext zu den Spielen mehr und mehr hochgefahren, denn schließlich sollen doch alle gut verdienen. Auch die ersten Vorwürfe im Bereich von Gendoping wurden schnell wieder unter den Teppich gekehrt. Da redet man lieber über die Defizite im Sicherheitskonzept und über die Luftverschmutzung. Natürlich auch sehr wichtige Themen in diesem Zusammenhang aber bei weitem nicht die größten Problem die diese Riesenland hat.

Drei große Bereiche des Sports wurden nun beleuchtet und alle drei haben eines gemeinsam, ihre absolut inakzeptablen Skandale. Man lässt aber trotzdem die Beteiligten oftmals weiter machen, auch wenn manchmal erst nachdem man meint, es sei alles längst vergessen. Welche Schlüsse sollen aber nun die Personen ziehen, für die die Beteiligten große Vorbilder sind. Sieg um jeden Preis und wenn auch durch Doping? Kokain ist ein Kavaliersdelikt und halb so wild? Menschenrechte sind im Kontext zum großen Geld irrelevant? Wenn das auch nur bei einem Bruchteil der Betroffenen so ankommt, darf man sich am Ende des Tages auch nicht wundern, warum sich breite Teile der Bevölkerung, genauer gesagt der Nachwuchs, negativ entwickeln. Denn letztendlich tun diese jungen Menschen vielfach nicht mehr, als das was ihnen von ihren Stars, ihren Vorbildern vorgelebt wird und viele Medienvertreter spielen dies Spiel auch noch mit, so lange nur die Quote stimmt.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Sport · Wirtschaft

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